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Galileo (Satellitennavigation)

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Galileo ist ein geplantes europäisches System zur Satellitennavigation. Es basiert auf 30 Satelliten (27 + 3 Ersatz), die in einer Höhe von 24.000 km die Erde umkreisen, dem Prinzip der Laufzeitmessung und einem Netz von Bodenstationen, die die Satelliten kontrollieren. Galileo ist für zivile Zwecke konzipiert und unterliegt nicht wie GPS und GLONASS einer nationalen militärischen Kontrolle.


Die ersten drei geplanten Galileo-Satelliten sollen bis 2006 in Betrieb gehen. 2008 soll das Netz mit allen 30 Satelliten voll funktionsfähig sein. Ein erster Test-Satellit soll bereits Ende 2005 mit einer russischen Sojus-Rakete gestartet werden. Der Großteil der Galileo-Satelliten dürfte aber mit der europäischen Trägerrakete Ariane 5 starten.


Inhaltsverzeichnis


1 Geschichte

2 Kosten

  2.1 Entwicklungskosten

  2.2 Errichtungskosten

  2.3 Betriebskosten

3 Technik

4 Dienste

5 Kompatibilität mit GPS

6 Weblinks


Geschichte

Galileo ist das erste von der Europäischen Union (EU) und der ESA gemeinsam durchgeführte Projekt und Teil des TEN-Verkehrsprojektes . Die Finanzierung der Entwicklungsphase wird von beiden Organisationen zu gleichen Teilen übernommen. Am 27. Mai 2003 einigten sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) nach langen Differenzen über die Finanzierung dieser Organisation.


In der Zwischenzeit stiegen China und Indien mit 280 bzw. 200 Mio. Euro ein. Verhandlungen über eine Beteiligung von Brasilien, Russland und Japan laufen.


Am 17. März 2004 gab auch Israel seine Unterstützung zum Galileosystem bekannt und widersprach damit vielen Erwartungen.


Kosten

Die aktuelle Kostenschätzung für das System liegt bei 3,6 Milliarden Euro.


Entwicklungskosten

Die Entwicklungsphase wird von der Europäischen Gemeinschaft und der ESA finanziert (1,1 Mrd. €). Die Aufteilung der Kosten innerhalb der ESA-Mitglieder (550 Mio. €):


Je 17,5 Prozent gleichmäßig von Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien. Spanien trägt 10 Prozent der Kosten. Belgien zahlt 26,5 Mio. €, der Rest wird unter den übrigen 15 ESA-Mitgliedsstaaten aufgeteilt. Die übrigen 550 Mio. € kommen aus dem Haushalt für transeuropäische Netze der Europäischen Gemeinschaft.


Errichtungskosten

Die restlichen Kosten von 2,5 Mrd. € entstehen in der so genannten Errichtungsphase, in der private Investoren den Hauptteil der weiteren Finanzierung übernehmen sollen (Public Private Partnership). Da es hier jedoch keinerlei konkrete Zusagen gibt, ist davon auszugehen, dass auch diese Kosten aus Steuermitteln bestritten werden.


Betriebskosten

Die laufenden Kosten sollen etwa 200 Millionen Euro betragen und sollen während des Betriebs von Galileo ab 2008 ebenfalls über Public Private Partnership (PPP) finanziert werden.


..


Technik

Neben einem kostenlosen Basisdienst soll Galileo höherwertige verschlüsselte Dienste anbieten, die störungsfreie Signale garantieren sollen. Diesen hohen Grad an Sicherheit verlangt zum Beispiel die Flugsicherung. Galileo wird das L2 (wie GPS) und das L5 Frequenzband verwenden.


  • Genauigkeit: im Bereich von einem bis zu vier Meter bei der lokalen Komponente, zehn Meter bei der Globalen (keine künstliche Verzerrung aus militärischen Gründen)
  • Geschwindigkeit: Es soll möglich sein die Geschwindigkeiten auf 0,2 Meter pro Sekunde (= 0,72 km/h) zu bestimmen.
  • Verfügbarkeit: weltweit und jederzeit (keine Einschränkungen aus militärischen Gründen)
  • Integrität: in weniger als sechs Sekunden soll der Nutzer über eine etwaige Fehlfunktion des System in Kenntnis gesetzt werden.


Genauigkeit, Verfügbarkeit und Integrität sind die Schlüsselkriterien, die Galileo im Gegensatz zu GPS ausnahmslos erfüllen soll, um auch für sicherheitskritische Anwendungen eingesetzt werden zu können. Galileo wird als Satellitennavigationssystem der zweiten Generation (GNSS-2) bezeichnet.


Dienste

Der Offene Dienst (Open Service, OS) soll frei zugänglich sein. Er liefert (kostenlos) Daten über Position, Geschwindigkeit und Zeit. ICs, die diese Daten auswerten, sollen z.B. in Navigationssysteme von Autos und in Handies eingebaut werden. Weil der OS zwei Sendefrequenzen benutzt, kann die Position auf 4 Meter genau bestimmt werden.


Der Kommerzielle Dienst (Commercial Service, CS) ermöglicht die genaueste Positionsbestimmung und soll kostenpflichtig sein. Die Genauigkeit liegt bei weniger als einem Meter und soll mit Hilfssendern auch zentimetergenaue Navigation in Gebäuden ermöglichen. Die Gebühren für CS sollen die Haupteinnahme der Betreiber von Galileo erbringen.


Der Safety-of-Live-Dienst (SoL) soll in sicherheitskritischen Bereichen, z.B. dem Luft- und dem Schienenverkehr kostenlos zur Verfügung stehen. Dieses sehr robuste Signal soll fälschungssicher sein und außerdem die Messung seiner Signalqualität und Ausfallwahrscheinlichkeit erlauben.


Der Staatliche Dienst (Public Regulated Service, PRS) steht ausschließlich hoheitlichen Diensten zur Verfügung, also Polizei, Küstenwache, Geheimdienst, etc. Über militärische Verwendung denken einige beteiligte Staaten intensiv nach.


Der Such- und Rettungsdienst (SAR) soll die weltweite Ortung von hilfsbedürftigen Menschen erlauben, die in Not geraten sind. Dazu müssen diese ein Gerät bei sich haben und ein Notsignal senden. Auch ein einfacher Dialog mit der Rettungsstelle (z.B. Antwort »Hilfe ist unterwegs!«) soll möglich sein.


Kompatibilität mit GPS

Nach jahrelangen Verhandlungen unterzeichneten am 26. Juni 2004 während des USA-EU-Gipfels in Newmarket-on-Fergus (Irland) der US-Außenminister Colin Powell und der amtierende Vorsitzende der EU-Außenminister Brian Cowen einen Vertrag über die Gleichberechtigung der Satellitennavigationssysteme GPS und Galileo. Darin wird vereinbart, dass Galileo zu GPS kompatibel sein wird. Damit werden nach Abschluss des Aufbaus von Galileo insgesamt etwa 60 Satelliten zur Navigation zur Verfügung stehen.


Voraussetzung für den Abschluss des Vertrages war, dass die EU darauf verzichtet hat, das präzisere Datenübertragungssystem BOC (Binary Offset Carrier) 1.5 einzusetzen, und statt dessen zugesagt hat, das auch für die zukünftigen GPS-Satelliten vorgesehene BOC 1.1 zu verwenden, was allerdings ebenfalls eine Genauigkeitserhöhung gegenüber dem gegenwärtig bei GPS eingesetzten System bedeuten wird.


Weblinks



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