Erstmals in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften fand ein Turnier in Asien statt und zum ersten Mal gab es zwei Gastgebernationen: Japan und Südkorea. Ursprünglich hatten sich beide Länder getrennt beworben. Etwas überraschend erhielten dann Japan und Südkorea gemeinsam von der FIFA den Zuschlag.
Die beiden Länder waren nicht unbedingt als freundschaftlich verbunden bekannt und so gab es schon in der Planungsphase hitzige Diskussionen. Hauptstreitpunkte waren die Reihenfolge der Namen und die Vergabe des Endspiels. Man einigte sich schließlich darauf, dass die Eröffnungsfeier in Seoul und das Endspiel in Yokohama stattfindet und dass der koreanische Name zuerst genannt wird. Die offizielle Turnierbezeichnung lautete daher: 2002 FIFA World Cup Korea/Japan.
Nie zuvor gab es bei einer Fußball-Weltmeisterschaft derartig viele Spielorte, die durchweg über modernste Stadien und Verkehrsanbindungen verfügten:
Insgesamt bewarben sich 198 Nationen um die 32 Endrundenplätze. Für die einzelnen Kontinente waren die Teilnehmerzahlen fest vorgegeben. In einigen Fällen gab es Entscheidungsspiele.
Europa stellte 15 Teilnehmer, davon war Frankreich als Titelverteidiger direkt qualifiziert. WM-Plätze gab es für die ersten vier der südamerikanischen Qualifikationsrunde, der Fünfte musste zwei Auscheidungsspiele gegen den Sieger der Ozeanien-Gruppe bestreiten. Nord- und Mittelamerika stellte 3 Teilnehmer. Für Asien standen neben den als Gastgeberländern direkt qualifizierten Japan und Südkorea zwei weitere Plätze zur Verfügung, und Afrika schickte fünf Mannschaften ins Rennen.
Größte Überraschung der Qualifikation war das Ausscheiden der Niederlande, die hinter Portugal und Irland nur den dritten Platz ihrer Gruppe belegten. Auch die stärker eingeschätzten Tschechen konnten sich nicht qualifizieren. Die Türkei erreichte erstmals seit 1954 ein Endtunier. Für China, Slowenien und Ecuador war es die erste WM-Teilnahme überhaupt. Folgende Länder qualifizierten sich für die Endrunde:
Spektakulärste Überraschung dieser Vorrunde und eine der größten Sensationen in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft war das frühe Ausscheiden von Titelverteidiger und Top-Favoriten Frankreich. Die Franzosen mussten zwar auf ihren verletzten Superstar Zinedine Zidane verzichten, hatten aber die Torschützenkönige aus drei europäischen Ligen im Aufgebot. Dennoch gelang es ihnen nicht, auch nur ein Tor zu erzielen. Eine weitere negative Überraschung war das Ausscheiden der Mitfavoriten Argentinien und Portugal. Von den fünf afrikanischen Teilnehmern qualifizierte sich erneut nur eine Mannschaft für die nächste Runde. Das zum weiteren Favoritenkreis zählende Nigeria wurde gar nur Gruppenletzter.
Zu den positiven Überraschungen gehörte das Abschneiden der Gastgeberländer Japan und Südkorea. Beide schafften zum ersten Mal den Einzug in die K.O.-Runde, Japan ins Achtelfinale, Südkorea gar ins Halbfinale. Schweden setzte sich in gegen England, Argentinien und Nigeria durch. Mexiko wurde Gruppenerster vor Italien und dem Dritten der WM von 1998, Kroatien.
Im Achtelfinale spielten die Ersten und Zweiten der verschiedenen Vorrundengruppen über Kreuz gegeneinander. Auf dem Papier ergaben sich, von Mexiko - USA einmal abgesehen, keine brisanten Paarungen. Jedes Spiel hatte einen klaren Favoriten.
Die größte Überraschung gelang Südkorea, das mit Kampfgeist, sehr viel Glück und mit sehr tatkräftiger Unterstützung des miserablen Schiedsrichtergespanns Italien besiegte. Die feldüberlegenen Italiener scheiterten aber letztlich an ihrem Unvermögen, hochprozentige Torchancen zu verwerten, vor allem aber wegen des schlechten Schiedsrichters Moreno, der Italien das 5. reguläre Tor an dieser Weltmeisterschaft aberkannte. Erneut war ein Top-Favorit ausgeschieden.
England hatte wenig Mühe mit Dänemark, Deutschland gewann glanzlos gegen Paraguay. Am dramatischsten ging es beim Spiel Spanien - Irland zu. Die Spanier führten bis kurz vor Schluß mit 1:0, bevor die kampfstarken Iren mit einem Foulelfmeter ausgleichen konnten. Nach einer torlosen Verlängerung verschossen die Iren im abschließenden Elfmeterschießen drei Strafstöße in Folge und Spanien ging als Sieger vom Platz.
Die starken Schweden schieden etwas unglücklich durch ein Golden Goal gegen Senegal aus, die Türkei setzte sich mit einem frühen Tor gegen Japan durch. Brasilien hatte unerwartet viel Mühe mit Belgien. Ein korrekter Treffer von Marc Wilmots wurde vom Schiedsrichter nicht anerkannt. Die beiden brasilianischen Tore fielen erst in der Schlussphase. Etwas überraschend und durch ein frühes Tor begünstigt setzten sich die USA gegen den leicht favorisierten Nachbarn Mexiko durch.
Wie bei den vorherigen Endrunden auch hatte die FIFA den Spielplan so gestaltet, dass die Favoriten erst gegen Ende des Turniers aufeinandertreffen sollten. Da aber England in der Vorrunde hinter Schweden nur den zweiten Platz belegte, musste man bereits im Viertelfinale gegen Brasilien antreten. In einem dramatischen Spiel gingen die Engländer zunächst in Führung, als Michael Owen einen Fehler Lucios ausnutzte. Kurz vor der Halbzeitpause gelang Rivaldo der verdiente Ausgleich. Der Siegtreffer für Brasilien fiel eher unbeabsichtigt. Eine missglückte Flanke Ronaldinhos senkte sich unhaltbar hinter dem etwas zu weit vor dem Tor stehenden Seaman ins Netz. Ein paar Minuten später wurde der Torschütze wegen Foulspiels vom Platz gestellt. Die Engländer schafften aber in den verbleibenden 35 Minuten nicht mehr den Ausgleich.
Deutschland setzte sich etwas glücklich gegen die spielstärkeren Amerikaner durch. Das war vor allem Oliver Kahn zu verdanken, der mehrere hundertprozentige Torchancen vereitelte. Noch vor der Halbzeitpause erzielte Michael Ballack per Kopfball nach einer Freistoßflanke den entscheidenden Treffer. Die fast unheimliche Kopfballstärke der Deutschen hatte wieder einmal den Ausschlag gegeben.
Etwas überraschend setzte sich Südkorea gegen die ohne ihren Superstar Raul angetretenen Spanier durch. Allerdings wurde der Gastgeber erneut durch die Schiedsrichter bevorteilt, welche den Spaniern gleich zwei reguläre Tore aberkannte. Die Entscheidung fiel erst im Elfmeterschießen, in dem sich die Koreaner als nervenstärker erwiesen und alle fünf Strafstöße verwandelten. Korea war dank der Fehlentscheidungen der Schiedsrichter bis ins Halbfinale vorgestossen. Sie zeigten jedoch viel Kondition, was zu ihrem Vorteil gegenüber anderen Mannschaften führte.
Auf dem Papier schienen die beiden Halbfinale-Begegnungen eine klare Angelegenheit zu sein: Die beiden Favoriten Deutschland und Brasilien trafen auf die Aussenseiter Türkei und Südkorea. Allerdings konnte Deutschland im bisherigen Turnierverlauf nicht wirklich überzeugen und die konditionsstarken Koreaner hatten immerhin Portugal, Italien und Spanien ausgeschaltet.
Zum tragischen Helden der Partie wurde Michael Ballack, der nach einem Fehler von Torsten Frings einen Koreaner nur mit einem Foul stoppen konnte und dafür mit einer gelben Karte bestraft wurde. Es war seine zweite in der Finalrunde und damit war Ballack für das nächste Spiel gesperrt. Und es war ausgerechnet Michael Ballack, der in der 75.Minute den koreanischen Torwart im Nachschuss überwand und damit Deutschland ins Finale schoss.
Das zweite Spiel endete ebenfalls 1:0 für den Favoriten. Auch ohne den gesperrten Ronaldinho hatten die Brasilianer keine wirkliche Mühe mit den Türken. Das Tor des Tages schoss nach einer sehenswerten Einzelleistung Ronaldo in der 49. Minute.
Das Spiel um den dritten Platz bestritten Gastgeber Korea und die Türkei. In einem torreichen Spiel gingen die Türken mit 3:2 als Sieger vom Platz. Die Tore für Korea schossen Eul Yong Lee (9. Min.) und Chong Gug Song (93. Min.). Für die Türkei trafen Hakan Sükür (1. Min.) sowie zweimal Ilhan Mansiz (13. und 32. Min.). Hakan Sükürs Tor zum 1:0 war dabei das schnellste Tor in der WM-Geschichte. Bereits nach 11 Sekunden hatte Sükür den Ball im gegnerischen Tor versenkt.
Im Großen Finale der Weltmeisterschaft 2002 standen sich die erfolgreichsten Mannschaften der WM-Geschichte, (West-)Deutschland und Brasilien, erstmals bei einer WM gegenüber. (Es gab allerdings schon ein Spiel der DDR gegen Brasilien bei der WM 1974.)
Das Endspiel konnte Brasilien mit 2:0 für sich entscheiden. Den Grundstein legte Oliver Kahn durch seinen Fehler zum 1:0. Die Tore für Brasilien schoß Ronaldo Luiz Nazario de Lima (Ronaldo) (67. und 79. Min.).
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