Eine komplexe Funktion ordnet einer komplexen Zahl eine weitere komplexe Zahl zu. Da jede komplexe Zahl durch zwei reelle Zahlen in der Form x + iy geschrieben werden kann, sieht eine allgemeine Form einer komplexen Funktion so aus
Hier sind u(x,y) und v(x,y) reelle Funktionen, die von zwei rellen Variablen x,y abhängen. u(x,y) heißt der Realteil und v(x,y) der Imaginärteil der
Funktion. Insofern unterscheidet sich eine komplexe Funktion nicht von einer reellen Abbildung von
R2
nach
R2
(also einer Abbildung, die zwei reellen Zahlen wieder zwei reelle Zahlen zuordnet.). Tatsächlich könnte man die ganze Funktionentheorie auch mit reeller Analysis behandeln.
Der Unterschied zur reellen Analysis wird erst deutlicher, wenn man komplex differenzierbare Funktionen betrachtet.
Komplexe Differenzierbarkeit
Der Differenzierbarkeitsbegriff der eindimensionalen reellen Analysis wird in der Funktionentheorie zur komplexen Differenzierbarkeit erweitert. Analog zum reellen Fall definiert man: Eine Funktion ist komplex differenzierbar, falls der folgende Grenzwert existiert:
(Für eine exakte Definition muss f dabei in einer Umgebung von a definiert sein und der Grenzwert muss für alle hinreichend kleinen w existieren und gleich sein). Für den Grenzwert muss dabei der komplexe
Abstandsbegriff verwendet werden:
Damit sind für komplexwertige Funktionen einer komplexen Variablen zwei verschiedene Differenzierbarkeitsbegriffe definiert: die komplexe Differenzierbarkeit und die Differenzierbarkeit der zweidimensionalen reellen Analysis (reelle Differenzierbarkeit). Komplex differenzierbare Funktionen sind auch reell differenzierbar, die Umkehrung gilt im Allgemeinen nicht.
Holomorphe Funktionen
Funktionen, die in einer Umgebung eines Punktes komplex differenzierbar sind,nennt man holomorphe Funktionen. Diese haben eine Reihe hervorragender Eigenschaften, die es rechtfertigen, dass sich eine eigene Theorie hauptsächlich damit beschäftigt - eben die Funktionentheorie.
Zum Beispiel ist eine Funktion, die einmal komplex differenzierbar ist, automatisch beliebig oft komplex differenzierbar! (Im Gegensatz zum reellen Fall).
Äquivalente Definitionen Holomorpher Funktionen
In einer Umgebung einer komplexen Zahl sind folgende Eigenschaften komplexer Funktionen gleichwertig:
1. Eine Funktion ist einmal komplex differenzierbar
2. Eine Funktion ist beliebig oft komplex differenzierbar
4. Die Funktion lässt sich in eine komplexe Potenzreihe entwickeln
5. Das Wegintegral der Funktion über einen beliebigen geschlossenen einfach zusammenhängenden Weg verschwindet.
6. Die Funktionswerte im Inneren einer Kreisscheibe lassen sich aus den Funktionswerten am Rand mit Hilfe des cauchyschen Integralsatzes ermitteln.
Holomorphe Funktionen sind somit die angenehmsten Funktionen, die es in der Mathematik gibt: Sie sind beliebig oft differenzierbar, können in eine Potenzreihe (Taylor-Reihe) entwickelt werden und vieles mehr.
Fast alle Funktionen, die aus der Schulmathematik bekannt sind, sind
Real- oder Imaginärteil einer komplexen Funktion (zumindest auf einem
Neben holomorphen und meromorphen Funktionen gibt es in der Funktionentheorie Funktionen mit wesentlichen Singularitäten. Sie sind dadurch charakterisiert, dass eine Funktion in der Umgebung einer wesentlichen Singularität jeden beliebigen komplexen Zahlenwert annehmen kann (Satz von Picard). Funktionen mit wesentlichen Singularitäten haben eine nicht abbrechende Laurententwicklung für Potenzen mit negativen Exponenten.
Funktionentheoretische Methoden in anderen mathematischen Teilgebieten
Reelle Funktionen, die sich in eine Potenzreihe entwickeln lassen, sind auch Realteil einer holomorphen Funktion. Damit lassen sich diese
Funktionen auf die komplexe Ebene erweitern. Durch diese Erweiterung kann man oft Zusammenhänge und Eigenschaften von Funktionen finden, die im Reellen verborgen bleiben, zum Beispiel die Eulersche Identität.
Diese Identität ist auch die Basis für die komplexe Form der Fouriertransformation. In vielen Fällen lässt sich diese einfach durch komplexe Analysis berechnen.
Für holomorphe Funktionen gilt, dass Real- und Imaginärteil
Weitere wichtige Forschungsschwerpunkte sind die analytische Fortsetzbarkeit von holomorphen und meromorphen Funktionen auf die Grenzen ihres Definitionsbereiches und darüber hinaus.
Funktionentheorie mehrere Variablen
Man kann auch Funktionen betrachten, die von mehreren komplexen
Variablen abhängen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass sich in diesem Fall eine viel kompliziertere Theorie ergibt als im
Fall nur einer Variablen. Insbesondere gelten die meisten
Ergebnisse der normalen Funktionentheorie nur mehr mit
Einschränkungen (beispielsweise an das Gebiet). Die Funktionentheorie mehrerer
Variablen ist eher theoretisch interessant und spielt in der Praxis kaum eine Rolle.
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