Ein gespaltenes Schild; vorne in Silber ein schwarzes durchgehendes Kreuz, hinten in Rot ein grüner Dreiberg, aus dem eine grüne Lilienstaude mit drei silbernen Blüten aufwächst. Über dem Schild ist eine fünfzinnige Mauerkrone angeordnet.
Bedeutung
Das Kreuz stammt aus dem Wappen der Abtei Fulda, durch die die Stadt entstanden ist. Die Lilien stehen für die drei Schutzpatrone der Stadt (Simplizius, Faustinus und Beatrix), wobei der rote Hintergrund für den Märtyrertod steht, den sie gestorben sind. Die Mauerkrone steht für die Stadtmauer.
Geschichte
Frühes Mittelalter
Die Stadt Fulda geht auf eine benediktinische Klostergründung des Jahres 744 zurück. Im Auftrage des PapstesGregor II. organisierte der aus dem englischen Crediton stammende Bonifatius als "Apostel der Deutschen" die ChristianisierungGermaniens. Im Zuge seiner Missionsarbeit strukturierte er als Erzbischof die Kirche des damals noch weitgehend heidnischen, ostfränkischen Reiches.
Bonifatius beauftragte den aus Bayern stammenden Mönch Sturmius [1], zur Missionierung der Sachsen ein Kloster an einem Furt über den Fluss Fulda anzulegen, das zugleich seine Grablege sein sollte. Sturmius kam 744 von Hersfeld in das Gebiet Eichloha. Hier gündete er an einem Ort, der etwa 50 Jahre vorher von den Sachsen verwüstet wurde, das Kloster dessen erster Abt Sturmius auch wurde.
Bonifatius erreichte, dass das Kloster mit reichen Schenkungen (Besitzungen und Regalien) ausgestattet wurde. Von besonderer Wichtigkeit für das Kloster Fulda wurde es, dass es als erstes im Reich unmittelbar dem Papst unterstellt wurde und damit der Gerichtsbarkeit der Bischöfe von Bistum Würzburg beziehungsweise des Erzbischofs von Mainz entzogen wurde, was diese beiden allerdings jahrhundertelang rückgängig machen wollten.
Sturmius, dessen Amtszeit als Abt von 747 bis 779 dauerte, war engstens verbunden mit den bayerischen Herzögen von Agilofing. Fulda empfing Schenkungen der führenden altadliger Familien im Elsass und der Konradiner, Vorfahren der späteren Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.
Diese Schenkungen unter Bonifatius, die Fulda von diesen einflussreichen Familien erhielt,brachten dem Kloster Streubesitz von Norditalien bis nach Friesland, vom Elsass bis nach Thüringen. Die Klostergemeinde umfasste bereits 779, beim Tod des ersten Abtes Sturmius, etwa 400 Mönche.
Bei der Bekehrung der Friesen kam Bonifatius ums Leben. Die Friesen hingen germanischen Gottheiten an, so verehrten sie unter anderem Bäume. Bereits in Geismar hatte Bonifatius eine Donareiche fällen lassen. Ähnliches Schauspiel wollte er wohl auch im friesischen Dokkum abhalten. Doch diesmal spaltete die Axt seinen Schädel. Auch die hochgehaltene Bibel konnte die Axt nicht aufhalten.
Die Gebeine des Bonifatius wurden nach Fulda geholt. Das Grab wurde sogleich zum Ziel zahlreicher Wallfahrer. Zwischen 791 und 819 baute man dafür eine Grabeskirche, die so genannte Ratgar-Basilika. Ratgar war Mönch und Baumeister dieser Basilika. der Indem man die Baupläne der großen Pilgerkirche Sankt-Peter-Basilika in Rom verwendete, wollte man wohl erreichen, eine ähnliche Verehrung des neugeschaffenen Apostels der Deutschen zu erreichen. So erscheint dieser Titel, der Bonifatius gegeben wurde, heute doch ein wenig vermessen, beziehungsweise macht das Interesse der herrschenden adeligen Familien deutlich, an der Macht teilhaben, und gewissermaßen das Erbe des Römischen Reiches antreten zu wollen. Die ursprüngliche Ratgar-Basilika wurde in der Barockzeit niedergerissen und über der Bonifatiusgruft des heute erhaltene Fuldaer Doms errichtet.
Erhalten bieb aus dieser Zeit die benachbarte Michaelskirche aus dem 9. Jahrhundert, sie ist die älteste Kirche nördlich der Alpen und die Lioba Grabeskirche im benachbarten Petersberg. Die Heilige Lioba galt als Nichte des Bonifatius, sie kann aber auch wegen des damals noch nicht praktizierten Zölibats seine Frau gewesen sein.
Ein weiter bekannter Abt war 822 bis 842Rabanus Maurus. Er gilt als der bedeutendste Abt Fuldas, das zu dieser Zeit mit über 600 Mönchen auf dem Höhepunkt seines Ansehens stand und mit seiner etwa 2.000 Handschriften umfassenden Bibliothek als eine Leuchte abendländischer Gelehrsamkeit galt. Darin wurde er vom damaligen Leiter der Klosterschule Rudolf maßgeblich unterstützt.
Nach einer von der Schriftstellerin Donna Woolfolk Cross wiederbelebten, jedoch durch keinerlei Tatsache gestützten Legende soll die spätere Päpstin Johanna um 830 im Fuldaer Kloster gelebt haben (Die Päpstin ISBN_3746614007).
Hohes Mittelalter
Die Entwicklung der Reichsabtei Fulda war in den darauf folgenden Jahrhunderten durch zwei Entwicklungstendenzen geprägt, zum einen wurde die Abtei und der jeweilige Fuldaer Abt Teil des ottonischen Reichskirchensystems, zum anderen begannen Entfremdungen von Lehensgütern, die zwar dem Kloster gehörten, jedoch an Adlige der Umgebung ausgeliehen waren. Exemplarisch ist hier die Familie der Grafen von Ziegenhain (heute Schwalmstadt) zu nennen, die Hochvögte von Fulda waren.
Unter Abt Markward I. (1150 - 1165) wurden viele dieser entfremdeten Güter restituiert. Dabei half dem Abt einer der bekanntesten Urkundenfäscher des Mittelalters, der Fuldaer Mönch Eberhard. Abt Markward musste Raubritter vertreiben, Burgen anlegen und befestigte die Stadt 1162 mit einer Stadtmauer.
Mehrfach sind in diesen Jahren deutsche König und Kaiser (unter anderem Barbarossa) zu Besuch in Fulda, und der Fuldar Abt stellt für Heerzüge in erheblichem Umfang Mannschaft. Insgesamt konnte jedoch Markward den Niedergang der Abtei nicht aufhalten.
1208 wird Fulda zur Stadt erhoben und wachte eifersüchtig über ihre Rechte gegen die Anmaßungen der Äbte. Letztere besaßen schon eine Burg neben dem Kloster; als Abt Heinrich (vor 1320) noch eine zweite innerhalb der Stadt errichtete, erstürmten die Bürger mit Hilfe des Grafen Johann von Ziegenhain beide Burgen des Abtes und zerstörten die neue Burg samt Turm und Ringmauern. Auf Klage des geflüchteten Abtes beim Kaiser wurden die Stadt und der Graf in die Reichsacht erklärt. Später (1331) vermittelte der triersche Erzbischof Balduin eine Sühne, infolge derer die Bürger den Turm und die Ringmauern der neuen Burg wiederherzustellen hatten und bedeutende Entschädigungen zahlen mußten.
Die im 14. Jahrhundert auch in Fulda ausbrechende Pest schrieb der Aberglaube den Juden zu, und 600 in Fulda lebende Juden fanden einen martervollen Tod.
Barock
Fürstabt Adalbert von Schleifras ernannte 1700 Johann Dientzenhofer zum Stiftsbaumeister in Fulda und beauftragte ihn an der Stelle der Ratgar-Basilika einen neuen Dom und ein Stadtschloss im barocken Stil zu errichten. Der Bau dauerte von 1704 bis 1712. Der Dom mit einer Länge von 99 Metern und einer Kuppelhöhe von 39m wird an der Vorderseite von zwei Türmen von 57 m Höhe flankiert. Ein Überrest des Vorgängerbaus ist die Krypta (Bonifatiuskapelle) unter dem Hochaltar, wo in einem reichverzierten Sarkophag die Gebeine des Apostels der Deutschen ruhen. Im Domschatz werden außerdem verschiedene auf ihn bezügliche Reliquien (Bischofstab, Evangelium etc.) aufbewahrt.
Dem Dom gegenüber steht die ehemalige Propstei St. Michael, seit 1831 die Wohnung des Bischofs.
Auf dem früheren "Schlossplatz" (heute Bonifatiusplatz) steht seit 1842 ein Erzstandbild des heiligen Bonifatius.
Neuzeit
In der Zeit des Kalten Krieges hatte Fulda eine besondere strategische Bedeutung, die im Begriff Fulda Gap verdeutlicht wird. Der Begriff rührte von der Vorstellung, dass im Falle eines Angriffs des Ostblocks dieser versuchen würde, durch das Tal der Fulda nach Südwestdeutschland einzudringen. Es gab eine große US Garnison mit dem 11th Armored Cavalry Regiment.
Der Bürgermeister Gerhard Möller (CDU) wurde am 29. Juni2003 mit einem Stimmenanteil von 74,1% gewählt.
Wirtschaft
Im früheren Jahrhunderten war Fulda Oberzentrum der umgebenden ländlichen Gebiete mit der Verwaltung der fürstbischöflichen Liegenschaften und geprägt durch das Handwerk, wie zum Beispiel Gerber in der Löherstraße, Kammgarnspinnerei, Baumwollweberei, Damast- und Sackleinwandfabrikation (Fuldaer Leinwand), Plüsch-, Filztuch-, Wachslichtfabrikation, Wollfärberei, Wachsbleicherei, Salpetersiederei, Verfertigung von Blasinstrumenten etc. Um 1880 waren auch der Getreide- und der Viehhandel von Bedeutung; jährlich fanden damals neun Rindviehmärkte und wöchentlich ein Schweinemarkt statt.
Mit Beginn der Industrialisierung gewannen die Kerzenfabrikation, Metallverarbeitung (Emallierwerk) und Stoffverarbeitung (Fa. Mehler) Bedeutung.
Einkaufen ist in Fulda besonders attraktiv. Bedingt sowohl durch ihr grosses Einzugsgebiet wie auch ihre attraktive Innenstadt lädt Fulda in der drittgrößten Fußgängerzone Hessens mit einem vielfältigen Angebot zum Bummeln ein.
Bekannt ist Fulda heute durch die Fabrikation der Fulda Reifen (Slogan: "schwarz, breit, schwarz"). An Industrie ist weiterhin die Teppich- und Serviettenfabrikation der Firma Dura bedeutsam. Außerdem Sitz der tegut...-Supermarktkette und des international tätigen Automobilentwicklers Edag AG mit 3600 Mitarbeitern in 26 Niederlassungen weltweit. Die Deutsche Telekom AG (T-Com) ist in Fulda mit einem großen Zentrum vertreten.
Öffentliche Einrichtungen
Bildungseinrichtungen
An Unterrichtsanstalten bestanden 1880: ein Gymnasium, ein Realprogymnasium, eine katholische und eine evangelische höhere Töchterschule, ein katholisches Schullehrerseminar, eine Landesbibliothek mit etwa 50.000 Bänden (1778 gegründet).
Heute sind der FH Fulda etwa 4.000 Studierende eingeschrieben. Fachbereiche sind: Angewandte Informatik, Elektro- und Informationstechnik, Lebensmitteltechnologie, Oecotrophologie, Pflege & Gesundheit, Sozialwesen, Sozial - und Kulturwissenschaften sowie Wirtschaft.
Die FH Fulda ist die kleinste öffentliche Hochschule Hessens.
Die Stadt besteht neben der Kernstadt aus dem Stadtteilen Aschenberg, Bernhards, Besges, Bronnzell, Dietershan, Edelzell, Gläserzell, Haimbach, Istergiesel, Johannesberg, Kohlhaus, Kämmerzell, Lehnerz, Lüdermünd, Maberzell, Malkes, Mittelrode, Niederrode, Niesig, Oberrode, Rodges, Sickels, Zell und Zirkenbach.
Entwicklung des Stadtgebiets
Anfang der 70er Jahre entstand auf dem Aschenberg ein neuer Stadtteil, dessen Bebauung durch Wohnblocks, Hochhäuser aber auch Einfamilienhäuser geprägt ist. Die heutige Stadtentwicklung wird am westlichen Rand der Innenstadt fortgeschrieben (Bereich Rangstraße). Außerdem entsteht im Osten der neue Stadtteil "Fulda Galerie", von wo aus man beinahe die gesamte Stadt überblicken kann.
Eingemeindungen
Die Stadt Fulda wurde durch die hessische Gebietsreform1972 um die oben genannten 24 Umlandgemeinden vergrößert; verlor aber 1974 ihre Kreisfreiheit. Dafür wurde sie, wie sechs weitere hessische Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern, Sonderstatusstadt. Das bedeutet, dass die Stadt mehr Aufgaben und Rechte hat als sonstige kreisangehörige Städte, aber weniger als kreisfreie Städte.
Umlandgemeinden
Fulda ist umgeben von den aufstrebenden Umlandgemeinden Petersberg, Künzell, Eichenzell. Diese Gemeinden haben einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung erfahren.
Traditionell ist der Bezug zu den katholischen Orten des Umfeldes größer als zu den evangelischen Ortschaften im Südwesten.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Theater
Schlosstheater (kein eigenes Ensemble)
Johannesberger Puppentheater
Starclub Fulda
Museen
Im Vonderau Museum befinden sich zahlreiche Fundstücke aus vorgeschichtlicher Zeit. Das Museum ist nach dem Heimatforscher Prof. Vonderau benannt. Desweiteren auch Stücke aus der keltischen Besiedlung des Fuldaer Raumes.
Deutsches Feuerwehrmuseum in Fulda
Dommuseum in Fulda
Ferdinand-Braun-Sammlung in Fulda
Hessische Landesbibliothek in Fulda mit mittelalterlichen Schriften
Aus der Zeit vor 1000 n. Chr. ist in Fulda noch die romanische Michaelskirche erhalten, eine der ältesten Kirchen Deutschlands (818-822 erbaut). Sie diente wohl ebenfalls wie die ehemalige Ratgar-Basilika als Grabeskirche. Der Innenraum der Michaelskirche ist mit Freskenmalereien ausgeschmückt.
In der Propsteikirche St. Andreas am Neuenberg befindet sich eine ottonische Krypta (1023) Es gibt nur noch zwei Kryptas mit einem geschlossenen und ausgemalten Sakralraum in Deutschland, der aus ottonischer Zeit erhalten ist. Die Krypta gehörte zu dem St. Andreas Kloster, dessen erster Klostervorsteher (späterer Erzbischof von Mainz) war der Hl. Bardo (ein Verwandter des Kaisers Konrad II.).
Zehn Kilometer östlich liegt Bieberstein, das ehemalige Jagdschloß der fuldaischen Fürstbischöfe. Heute befindet sich dort ein Internat der Hermann Lietz Stiftung. Unter dem Berg von Bieberstein führte die inzwischen stillgelegte Bahnlinie Fulda-Hilders-Tann. Ein Radweg wurde auf der ehemaligen Trasse errichtet, der die Rhön auch für den Fahrradtourismus erschließt. Besondere Attaktion der Radstrecke ist der Eisenbahntunnel unter Schloss Bieberstein, indem auch seltene Fledermausarten überwintern.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Diese Übersicht enthält sowohl bedeutende, in Fulda geborene Persönlichkeiten als auch Personen die in Fulda wirkten, jedoch nicht hier geboren sind. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
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