Wie überall auf der Welt ist auch in Österreich ein Führerschein zum Lenken von Kraftfahrzeugen notwendig. Genau genommen benötigt man für das legale Lenken von KFZ eine Lenkberechtigung, welche von einer Behörde nach Absolvierung eines gesetzlichen Verfahrens verliehen wird. Die Bestätigung darüber, dass diese Berechtigung verliehen wurde, ist der Führerschein (Dokument).
Obwohl als EU-Führerschein bezeichnet, hat er auch seine Eigenheiten. So sind die Klassen zwar schon weitgehend in der gesamten EU einheitlich, einige der Bestimmungen sind aber doch abweichend.
Mit dem vollendeten 18. Lebensjahr kann zunächste nur die Vorstufe A erworben werden.
Vorstufe A: Leichtmotorrad (nicht mehr als 25 kW Motorleistung und nicht mehr als 0,16 kW/kg Leistungsgewicht)
Eine unbeschränkte Lenkberechtigung der Klasse A besteht erst nach 2 Jahren Besitz der Vorstufe A (ob in dieser Zeit tatsächlich mit Leichtmotorrädern gefahren wurde, wird nicht überprüft). Wird die Klasse A nach dem 21. Geburtstag erworben, dann ist diese sofort unbeschränkt. Mit einer unbeschränkten Lenkberechtigung der Klasse A dürfen gelenkt werden:
Motorräder
Motorräder mit Beiwagen
Kraftfahrzeuge mit drei oder vier Rädern, deren Eigenmasse (= Eigengewicht) nicht mehr als 400 kg beträgt (Trikes oder Quads).
Seit 1. Januar2003 muss zwischen 3 und 9 Monaten nach der Erteilung der Lenkberechtigung Klasse A ein Fahrsicherheitstraining inklusive verkehrspsychologischem Gruppengespräch in einem Trainingszentrum absolviert werden (so genannte "Mehrphasenausbildung").
Kraftwagen bis 3,5 t höchster zulässiger Gesamtmasse und nicht mehr als 8 Plätzen für beförderte Personen außer dem Lenkerplatz
Kraftfahrzeuge mit drei Rädern
Kann üblicherweise ab dem 18. Lebensjahr erworben werden. Bis 2 Jahre nach der Erteilung der Lenkberechtigung bekommt man einen sogenannten Probeführerschein. Bei diesem bestehen einige Einschränkungen: 0,1 Promille Alkohol (d.h. praktisches Alkoholverbot!), erleichterte Anordnung von Nachschulungen durch die Führerscheinbehörde etc.
Seit dem 1. Jänner 2003 müssen innerhalb eines Jahres nach der Erteilung der Lenkberechtigung Klasse B 2 Perfektionsfahrten (Coaching) in einer Fahrschule sowie ein Fahrsicherheitstraining inklusive verkehrspsychologischem Gruppengespräch in einem Trainingszentrum absolviert werden (dies ist die sogenannte Mehrphasenausbildung).
Mit kombinierter privater und Fahrschulausbildung, darf die Ausbildung mit dem 16. Lebensjahr begonnen und die Prüfung mit dem 17. Lebensjahr abgelegt werden (der sogenannte L17).
Mit der Klasse B darf man nach 7 Jahren und einem 6-stündigen Fahrunterricht auch Leichtmotorräder bis 125 ccm lenken.
Kraftwagen mit mehr als 3,5 t höchster zulässiger Gesamtmasse und nicht mehr als 8 Plätzen für beförderte Personen außer dem Lenkerplatz
Sonderkraftfahrzeuge (das ist alles, was nicht ausschließlich auf Rädern läuft - z.B. Kettenfahrzeuge)
wird ebenfalls ab dem 18. Lebensjahr gemeinsam mit der Klasse C1 erworben. Zunächst ist zumindest die bestandene Fahrprüfung für die Klasse B notwendig, damit die Fahrprüfung für die Klasse C absolviert werden darf.
Bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres wird die Lenkberechtigung der Klasse C auf die Unterklasse C1 eingeschränkt (Ausnahme: wenn eine Lehrabschlußprüfung als Berufskraftfahrer absolviert wurde).
Ab dem 45. Lebensjahr sind alle 5 Jahre und ab dem 60. Lebensjahr alle 2 Jahre ärztliche Untersuchungen notwendig. Versäumt man eine Untersuchung, so wird die Lenkberechtigung für die Klasse C ungültig.
Kraftwagen der Klasse C mit nicht mehr als 7,5 t höchster zulässiger Gesamtmasse
darf mit dem 18.Lebensjahr erworben werden.
Ab dem 45. Lebensjahr sind alle 5 Jahre und ab dem 60. Lebensjahr alle 2 Jahre ärztliche Untersuchungen notwendig. Versäumt man eine Untersuchung, so wird die Lenkberechtigung für die Klasse C1 ungültig.
Kraftwagen mit mehr als 8 Plätzen für beförderte Personen außer dem Lenkerplatz
Sonderkraftfahrzeuge
darf erst mit dem 21. Lebensjahr erworben werden. Diese Lenkberechtigung erfordert unter anderem eine Ausbildung in Erster Hilfe und ein verkehrspsychologisches "Screening" (= spezielle Eignungsuntersuchung).
Ab dem 45. Lebensjahr sind alle 5 Jahre und ab dem 60. Lebensjahr alle 2 Jahre ärztliche Untersuchungen notwendig. Versäumt man eine Untersuchung, so wird die Lenkberechtigung für die Klasse D ungültig.
gibt es seit 2003 nicht mehr. Sie ist in die Klasse F integriert worden.
Die theoretische Prüfung wird seit Mai 1998 nur mehr mit Computer durchgeführt. Für die Klasse B werden dabei von 1380 möglichen Fragen 56 gestellt. Diese Fragen haben unterschiedliche Punktewerte (zwischen 2 und 9). 80% der möglichen Punkte müssen erreicht werden. Diese Prüfung kann in Deutsch, Englisch, Slowenisch, Serbokraotisch oder Türkisch abgelegt werden.
Sondergruppen
Mopedführerschein
(eigentlich: Mopedausweis) für Motorfahrräder bis 50 KubikzentimeterHubraum und einer maximalen Bauartgeschwindigkeit von 45 km/h, werden in Österreich als Moped bezeichnet.
Vor der Prüfung muss ein 8-stündiger Verkehrsunterricht und eine Prüfung absolviert werden.
Die Prüfung wird bei der Fahrschule oder in Schulen und nicht bei der Behörde abgelegt. Mindestalter ist 16 Jahre. Mit Ausnahmegenehmigung (z.B. wenn der Arbeitsplatz schwer erreichbar ist) kann man die Prüfung schon mit dem 15. Lebensjahr machen.
Dieser Ausweis mit einem speziellen Vermerk ist auch notwendig, um vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge (Microcar) zu lenken.
Ein »rosa« Führerschein (egal welche Klasse er auch umfasst) ersetzt den Mopedausweis.
Gefahrgutführerschein
(eigentlich: Gefahrgutlenkerausweis, früher auch B6-Bescheinigung)
ist zum Lenken von Fahrzeugen, die mit Gefahrgut beladen sind notwendig. Das Mindestalter ist 24 Jahre. Für Gefahrgut Klasse 1 (explosives) und Klasse 7 (radioaktives Material) ist eine gesonderte Ausbildung notwendig, wie auch für die Beförderung von Gefahrgut in Tanks. Die Gefahrgutausbildung machen neben besonders ermächtigten Fahrschulen auch Berufsausbildungsinstitute, wie WIFI oder BFI
Feuerwehrführerschein
erleichtert das Lenken von Feuerwehrfahrzeugen. So darf man mit Führerschein Klasse B auch Feuerwehrfahrzeuge der Klasse C1, C und D bereits ab dem 18. Lebensjahr lenken. Die Ausbildung liegt je nach Bundesland bei den einzelnen Feuerwehr oder bei den zuständigen Landesfeuerwehrverbänden, die auch den Führerschein ausstellen. In der Praxis ist in einigen Bundesländern aber ein Führerschein mindestens der Gruppe C1 notwendig um einen Feuerwehrführerschein ausgestellt zu bekommen.
Schulbuslenkerausweis
ist notwendig, um in Kleinbussen bis zu 14 Schulkinder befördern zu dürfen. Wird von den Bezirkshauptmannschaften (entsprechen den deutschen Landratsämtern) ausgestellt.
Ausländer, die aus einem Nicht-EWR-Land nach Österreich ziehen müssen ihren Führerschein innerhalb von 6 Monaten je nach Herkunftsland umschreiben lassen oder unter Umständen eine praktische Fahrprüfung ablegen.
Führerscheinausbildung
Um einen Führerschein zu bekommen, muss man zuerst eine Ausbildung machen, die man normalerweise in der Fahrschule absolvieren kann, wobei sowohl die praktische als auch die theoetische Fahrausbildung erfolgt. Allerdings gibt es auch kombinierte Formen, wo man den theoretischen Teil und nur einen minimalen Teil der Praxisausbildung in der Fahrschule absolviert und den Großteil privat mit dem eigenen Fahrzeug mit einem Verwandten oder Bekannten, der bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllt, als Ausbildungsfahrt durchführt.
Ist das normale Mindestalter 18 Jahre, so erfreut sich die Möglichkeit einer L17-Ausbildung einer immer größeren Beliebtheit, wo man den PKW-Führerschein bereits mit 17 Jahren machen kann.
Außerdem besteht die Möglichkeit, den Militärführerschein, den man während des Grundwehrdienstes erlangen kann, auf den zivilen Führerschein umschreiben zu lassen.
Rein rechtlich ist es außerdem möglich, den Führerschein in jedem Lande der EU zu machen. Man muss nur drei Monate in dem jeweiligen Land gemeldet sein. In Österreich wird deshalb von den Fahrschulen befürchtet, dass auf Grund von Preisunterschieden zu den östlichen Nachbarn, Österreicher den Führerschein in diesen Ländern machen. Drohende Sprachprobleme können durch Dolmetscher abgefangen werden.
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