Die frühmittelhochdeutsche Literatur ist die Phase der Literaturgeschichte, die in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts einsetzt und bis etwa 1170 reicht. Vor allem entstehen religiös belehrende und ermahnende Texte in mittelhochdeutschen Reimpaarversen, die sich besonders an Laien wenden.
Heilsgeschichtliche Darstellungen, z.B. das Ezzolied (um 1065), Legendendichtung, z.B. das Annolied (um 1077), alt- und neutestamentliche Bibelepik (Genesis, Exodus, Judith u.a., Leben Jesu u.a.m.), dogmatische Darlegungen, z.B. das Anegenge, die Rede vom Glauben, eschatologische Dichtungen (Jüngstes Gericht, Antichrist) und Mariendichtung prägten die erste Phase dieser Geistlichendichtung, die von einer religiösen Einflussname auf den Laienadel bestimmt ist.
Um die Mitte des 12. Jahrhunderts gewinnt die Geschichtsepik als weltlich orientierte Dichtung erstmals poetischen Rang. Das bedeutendste Werk, die Kaiserchronik mit rund 17.000 Versen, erzählt episodenhaft die Geschichte des römischen Kaisertums von der Gründung Roms bis zu Konrad III. Das Rolandslied des Pfaffen Konrad schildert den Kampf Karls des Großen und seiner Paladine gegen die Sarazenen in Spanien sowie den Tod Rolands nach einem Verrat. Mit dem Rolandslied macht sich auch erstmals der Einfluss französischer Stoffe und Gestaltungsweisen bemerkbar, der die deutsche Literatur für die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte prägen soll.
Den Vorwurf der Lüge konnten sich schließlich jene weltlichen Dichtungen zuziehen, die aufgrund ihrer phantastischen Abenteuer den Namen Spielmannsepik erhalten haben, weil man fürher Spielleute als Autoren dieser Werke vermutete. Heute ist man verhältnismäßig überzeugt, daß auch Dichtungen mit ihrer Verbindung von historischem Interesse mit fernen Abenteuern wie 'Herzog Ernst', 'König Rother', 'Salman und Morolf' aus der Feder von geistlich gelehrten Männern stammen.
Am Ende dieser Periode und dem Beginn der nächsten steht Heinrichs von Veldeke Eneasroman, der mit seinen reinen Reimen und der Betonung der Minne neben der ritterlichen Kampfethik den Übergang zur höfischen Epik des Hochmittelalters schafft.
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