Kurz nach der Eroberung Syriens durch die muslimischen Araber, begannen diese 639 unter Amr mit 9000 Mann das byzantinische Ägypten zu erobern. Nach einem Sieg bei Heliopolis über die Byzantiner (641) kapitulierte 642Alexandria. Den Kopten unter dem Patriarchen von Alexandria war zuvor die Religionsfreiheit von den Muslimen zugesichert worden. Mit der Kapitulation von Alexandria hatte Byzanz seine reichste Provinz an die Muslime verloren.
In der Folgezeit war Ägypten Ausgangspunkt für weitere muslimische Eroberungen in Nordafrika. Während die Vorstöße nach Nubien (641, 651) scheiterten, und die Unabhängigkeit der dortigen christlichen Reiche 652 anerkannt werden musste, gelang die Eroberung des Maghreb bis 700. Ägypten wurde unter den den Umayyaden und den Abbasiden ein wichtiger Stützpunkt der Muslime im Kampf um die Seeherrschaft im Mittelmeer mit Byzanz. So eroberten Flüchtlinge aus Andalusien/ al-Andalus 825 von Ägypten aus das byzantinische Kreta.
Seit dem 9. Jahrhundert begann sich die Kontrolle der abbasidischen Kalifen über Ägypten zu lockern, nachdem sie türkische Offiziere als Statthalter eingesetzt hatten. So begründete Ahmad ibn Tulun die Dynastie der Tuluniden (868-905), machte sich vom Kalifat unabhängig und eroberte sogar Syrien. Zwar gelang den Abbasiden905 die Rückeroberung von Ägypten, doch schon 935 machten sich die Ishididen unter Muhammad ibn Tughg erneut selbständig (935-969). Diese mussten sich allerdings gegen die Angriffe der schiitischen Fatimiden aus Ifriqiya behaupten, was nur mit Unterstützung der Abbasiden gelang. 969 eroberten die Fatimiden dennoch Ägypten und erhoben das Land zum neuen Zentrum ihres Reiches.
Die zunehmende Selbständigkeit Ägypten wurde auch durch den Wirtschaftsaufschwung begünstigt. Seit dem 10. Jahrhundert verlagerte sich der Handel zwischen Indien und dem Mittelmeerraum vom Irak, der von den Abbasiden kontrolliert wurde, auf den Seeweg über das Rote Meer nach Ägypten. Daraus konnten die Herrscher in Ägypten erhebliche Einnahmen erzielen, die ihnen eine unabhängige Politik gegenüber dem Kalifat ermöglichte.
Literatur: Geschichte der Arabischen Welt, Ulrich Haarmann, C.H.Beck 2001
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