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Flechte

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[Bild extern:] Flechten können auf blankem Fels wachsen
Flechten auf blankem Fels


Foto: National Park Service


[Bild extern:] Physconia enteroxantha


Physconia enteroxantha
Foto: Pacific Northwest National Laboratory


[Bild extern:] Psora globifera

Psora globifera
Foto: Pacific Northwest National Laboratory


[Bild:] Pseudevernia furfuracea

Pseudevernia furfuracea

(Querschnitt, unterhalb der oberen Rindenschicht
ist der Algenpartner (Grünalge) zu erkennen)
Foto: Dr. Ralf Wagner

Eine Flechte (Lichenes) ist eine symbiotische Lebensgemeinschaft zwischen Algen und Pilzen. Die Wissenschaft von den Flechten ist die Flechtenkunde oder Lichenologie.


Die Algen ernähren durch ihre Photosynthese den sie umgebenden Flechtenpilz, welcher seinerseits den Algen Lebensraum bietet.


Den symbiotischen Pilz nennt man auch den Mycobionten, die Algen auch Photo- oder Phytobionten.


Flechten sind keine Pflanzen. In den meisten Fällen sind zwar Grünalgen, die zu den Pflanzen gehören, einer der Symbiosepartner. Es gibt aber auch Flechten, die aus Blaualgen (Cyanobakterien) und Pilzen gebildet werden, so dass keiner der Partner pflanzlich ist.


Die Pilze gehören zu 98% der Klasse der Schlauchpilze an, nur sehr wenige sind Basidienpilze. Als Algenpartner findet man zu 85% Grünalgen. Teilweise kommen auch beide Algentypen in einer Flechte vor. Auch wegen dieser Unterschiede lässt sich schließen, dass die Ur-Flechtentypen mehrmals unabhängig voneinander in der Evolution entstanden sind.


Die Symbiose zwischen Pilzen und Algen kann unterschiedlich eng sein. Die Pilzfäden können nur lose neben den Algenzellen liegen, sie fest umschließen oder sogar in sie eindringen. Pilzarten, die Flechten bilden, können ohne die Algen nicht leben. Umgekehrt können die Algen ohne Pilze auskommen, manche Arten sind frei lebend aber seltener anzutreffen als in Flechten. Während die Pilze sich geschlechtlich fortpflanzen, teilen sich die Algenzellen nur vegetativ, bilden also keine Gameten, solange sie Flechtengemeinschaft leben.


Der Vorteil der Lebensgemeinschaft zwischen Algen und Pilzen besteht für den Pilz darin, dass er von der Alge mit Nährstoffen (Kohlehydrate) versorgt wird, die die Alge durch Photosynthese bildet. Der Pilz wiederum schützt die Alge vor Austrocknung und kann sie manchmal auch mit Mineralsalzen versorgen.


Flechten sind in der Lage, extreme Lebensräume zu erschließen. So können manche Flechten auf blankem Fels wachsen, andere wurden in fast 5.000 Meter Höhe gefunden. Sie kommen in der Wüste ebenso wie in Permafrostgebieten vor und können Temperaturen von -40°C bis +80°C überstehen. Flechten können große Mengen Wasser speichern, aber auch weitgehend austrocknen ohne Schaden zu nehmen. So wurde eine Wüstenflechte 40 Jahre lang trocken gelagert und erwachte bei Wasserzufuhr wieder zum Leben.


Viele Flechten wachsen nur sehr langsam, meist nur wenige Millimeter im Jahr, einzelne Arten sogar nur Bruchteile eines Millimeters. Dafür können sie Alter von mehreren hundert Jahren, in Einzelfällen sogar von über 1000 Jahren erreichen.


Unter geeigneten Bedingungen (dauerhafte Feuchte und geeignete Temperaturen, wie etwa im Regenwald oder im Nebelwald) wachsen Flechten um einige Zentimeter im Jahr.


Eine Reihe von Flechten wachsen nicht-parasitisch auf Bäumen, also ohne den Baum zu schädigen. Sie reagieren besonders empfindlich auf Luftverschmutzung. Ihr Verschwinden in der näheren Umgebung von Städten war bereits ein Anzeichen für einen erhöhten Schwefeldioxid-Gehalt der Luft, lange bevor Waldsterben und saurer Regen ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerieten.


Daneben sind Flechten Indikatoren für Schwermetallbelastungen.


Es gibt rund 16.000 Arten von Flechten. Sie werden immer nach dem Pilz benannt, der die Flechte bildet, denn der Pilz gibt ihr im Wesentlichen die Struktur. Außerdem können auch mehrere Algenarten in einer Flechte vorhanden sein, jedoch immer nur eine Pilzart.


Die Tatsache, daß Flechten Doppelorganismen von Alge und Pilz sind, wurde vom Schweizer Botaniker Simon Schwendener entdeckt.


Nach ihrer Wuchsform und der Auflagefläche des Pilzthallus unterscheidet man zwischen:


  • Krustenflechte: Der Thallus liegt dicht auf dem Untergrund oder durchwächst diesen.
  • Laub- oder Blattflechte: Die Flechte liegt mehr oder weniger locker auf dem Substrat auf.
  • Strauchflechte: Der Thallus steht strauchförmig vom Substrat ab oder hängt davon herunter.


Zur Systematik der Flechten vergleiche Systematik des Pilzreiches


Siehe auch: Schuppenflechte (eine Krankheit)


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