Er verlässt 1965 noch vor Beendigung der Untersekunda das Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Stuttgart-Bad Cannstatt und beginnt eine Lehre als Fotograf, die er jedoch 1966 abbricht.
Er wird hier Mitglied der linksradikalen und militanten Gruppe "Revolutionärer Kampf" und beteiligt sich an mehreren Straßenschlachten.
1971 beginnt er eine Tätigkeit bei der Adam OpelAG in Rüsselsheim mit dem Ziel, eine Betriebsgruppe zu gründen und darüber die Arbeiter zu politisieren und letztlich für die "Revolution" zu gewinnen. Diese Form der "Basisarbeit" findet aber nicht den erwarteten Erfolg, zudem wird Fischer wegen dieser "Umtriebe" schon nach einem halben Jahr fristlos entlassen.
Nach weiteren Gelegenheitsarbeiten besteht Fischer 1976 schließlich die Prüfung für den Personenbeförderungsschein und arbeitet bis 1981 als Taxifahrer in Frankfurt am Main und bis 1982 als Aushilfe in einem Buchladen.
Die Ereignisse im sog. "Deutschen Herbst" 1977 (Entführung und Ermordung des BDA-Präsidenten Hanns-Martin Schleyer, Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut", Selbstmord der RAF-"Gründer") leiten bei ihm, nach eigenen Angaben, einen Erkenntnisprozess ein, den er selbst als Illusionsverlust bezeichnet und der schließlich zu seiner Abkehr von radikalen und gewalttätigen Politikvorstellungen führt.
Realpolitik bei den Grünen
1981 initiiert er, ohne selbst Parteimitglied zu sein, u.a. mit Daniel Cohn-Bendit den Arbeitskreis Realpolitik in Frankfurt, der für die Partei "Die Grünen" "realpolitisch" genannte Positionen formuliert. 1982 führt im Kreisverband Frankfurt die inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen für "Die Grünen" neuen Positionen zur Polarisierung in Realos und Vertreter einer "öko-fundamentalistisch" genannten Position (Fundis), in deren Verlauf er sich 1982 für die Bundestagswahl1983 als Kandidat für "Die Grünen" durchsetzen kann.
1982 tritt er der Partei "Die Grünen" bei. 1983 wird er in den Deutschen Bundestag gewählt und gehört damit der ersten "Grünen"-Bundestagsfraktion an. Er wird hier sogleich Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion und macht sich auch als Redner einen, zum Teil umstrittenen, Namen (Zitat: "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch.").
Wegen des damals bei den Grünen noch geltenden Rotationsprinzips scheidet er 1985 wieder aus dem Bundestag aus und macht damit seinen Sitz für einen Nachrücker frei.
Ebenfalls 1985 kommt es in Hessen zur Bildung der ersten rot-grünen Landesregierung unter MinisterpräsidentHolger Börner. In diesem Kabinett wird Fischer Hessischer Staatsminister für Umwelt und Energie. Er sorgte damals schon bei seiner Vereidigung, in Freizeit-Jackett und weißen Turnschuhen, für Aufsehen. Dies gilt heute noch als legendär und prägte den Begriff des "Turnschuh-Ministers".
Im Februar 1987 wird Fischer von Ministerpräsident Börner aus seinem Amt entlassen, da die Grünen in einem Ultimatum den Fortbestand der Koalition von der Rücknahme der Genehmigung für das Hanauer Nuklearunternehmen "Alkem" abhängig gemacht hatten.
Die darauf folgenden Neuwahlen im April 1987 enden mit einem Sieg der CDU, die unter Walter Wallmann eine Koalition mit der FDP eingeht.
Fischer wird bei dieser Wahl in den Hessischen Landtag gewählt und hier sogleich Vorsitzender der "Grünen"-Landtagsfraktion.
Bei den Landtagswahlen 1991 verliert die CDU-FDP-Koalition ihre Mehrheit. Es kommt zu einer Wiederauflage der rot-grünen Koalition, diesmal unter Ministerpräsident Hans Eichel. Fischer wird wieder Staatsminister für Umwelt und Energie. Zugleich ist er Stellvertreter des Ministerpräsidenten und Staatsminister für Bundesangelegenheiten.
Im Oktober 1994 legt er alle Ämter in Hessen nieder und wird, nachdem die Grünen bei der Bundestagswahl am 16. Oktober 1994 wieder in den Bundestag einziehen konnten, schließlich neben Kerstin Müller zum Sprecher der Bundestagsfraktion "Bündnis 90/Die Grünen" gewählt.
1995 löst er eine innerparteiliche Kontroverse aus, da er mit der strikt pazifistischen Ausrichtung der Partei bricht, als er militärische Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der UN-Schutzzonen in Bosnien-Herzegowina befürwortet. Auch durch die wirtschaftspolitische Hinwendung der Grünen zur Marktwirtschaft lässt er sie immer mehr zur "realpolitischen" Partei werden.
1999 unterstützt Fischer maßgeblich die deutsche Beteiligung am völkerrechtlich umstrittenen Kosovo-Krieg, wodurch erstmalig seit dem Zweiten Weltkrieg wieder deutsche Soldaten an einem Kriegseinsatz beteiligt sind. Er begründet diesen Krieg mit dem Verweis auf den deutschen Völkermord an den Juden. So sagt er bei einem Bundeswehrbesuch in Auschwitz: Um ein neues Auschwitz zu verhindern, "ist die Bundeswehr in Bosnien", und dass sie darum "wohl auch in das Kosovo gehen" werde. Auch dem Nachrichtenmagazin "Newsweek" sagt Fischer auf die Frage, ob er zwischen den Ereignissen im Kosovo und der Nazizeit eine direkte Parallele sehe: "Ich sehe eine Parallele zu diesem primitiven Faschismus."
Wegen seines Werbens als deutscher Außenminister für den Einsatz der NATO im Kosovo-Krieg wird er unter anderem in Internet-Foren, aber auch von Angehörigen der Friedensbewegung, als Kriegsverbrecher bezeichnet. Das Oberverwaltungsgerichts Berlin hat allerdings entschieden, dass diese Bezeichnung rechtswidrig ist.
Es wird vor allem seiner Person zugerechnet, dass die Grünen bei der Bundestagswahl 2002 ihr Ergebnis um 1,9%-Punkte auf 8,6% verbessern konnten, wodurch die Grünen trotz des verkleinerten Bundestages 8 Sitze hinzugewinnen und so der Koalition einen knappen Sieg ermöglichen.
Fischer gilt als aussichtsreicher Kandidat auf den für 2006 geplanten Posten des Außenministers der Europäischen Union. Im Sommer 2003 verkündet er allerdings gemeinsam mit Bundeskanzler Schröder, dass beide bei der nächsten Bundestagswahl 2006 wieder zusammen antreten wollen.
Fischer ist bisher viermal verheiratet gewesen, und zwar mit Edeltraud (1967-1984), Inge (1984-1987), Claudia (1987-1999) und Nicola (1999-2003). Alle Ehen endeten mit der Scheidung.
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