Betont wird sehr regelmäßig: Der Hauptton liegt bei jedem Wort auf der ersten Silbe. Daneben tragen die dritte und fünfte Silbe einen Nebenton, wobei die letzte Silbe nie betont wird. Bei zusammengesetzten Wörtern behält jeder Teil seine Betonung.
I.A. wird so geschrieben, wie (in gepflegter Sprache) gesprochen wird (1 Laut = 1 Buchstabe, d.h. phonologische Schreibweise).
Doppelvokale und Doppelkonsonanten werden tatsächlich doppelt so lang ausgesprochen:
kukka "Blume"; kuka "wer"
tuli "Feuer"; tulli "Zoll"; tuuli "Wind"
Diese Doppelbuchstaben führen mitunter zu ungewohnten Schriftbildern, vgl. päättyy "er/sie kommt hin".
Es gibt insgesamt 18 verschiedene Zwielaute (Diphthonge), die auch als solche, d.h. als einsilbige Verbindungen ausgesprochen werden:
sauna (au wie dt.);
laina (ai wie dt. ai in Mai);
seura (nicht wie im dt., sondern e+u);
tie (nicht langes i, sondern i+e);
leipä (ei wie e+i)
usw.
Einige Kombinationen bilden aber zwei Silben.
Besonderheiten
h am Wortanfang immer wie das deutsche h, vor Konsonanten wird das h leicht wie deutsches ch ausgesprochen, beispielsweise in lahti "Bucht".
Wichtig ist es, das ä und das e zu unterscheiden: Das finnische e wird ausgesprochen wie das deutsche ä, das finnische ä ist ein sehr offener Vokal, der schon fast in ein a übergeht (vergleichbar etwa dem Vokal im englischen Wort man).
Weitere Konsonanten:
r (zum Beispiel in rauta "Eisen"): Zungenspitzen-R (alveolar);
s (beispielsweise in Suomi "Finnland"): immer stimmlos, zwischen dem deutschen ss und sch liegend;
v (zum Beispiel in vappu "1. Mai"): wie dt. w;
y (beispielsweise in yksi "eins"): wie dt. ü;
t, p, k: stimmlos, nicht wie im Deutschen behaucht ausgesprochen;
nk (zum Beispiel in Helsinki): wie dt. nk in denken;
ng (beispielsweise in Helsingin [Genitiv]): wie dt. ng in fangen.
Bei den Vokalen unterscheidet man "hintere" (a, o, u), "vordere" (y, ä, ö) und "neutrale" (e, i). Grundsätzlich lassen sich 'hintere' und 'vordere' Vokale in einem Wort nicht mischen, daher werden Nachsilben und Endungen an den Wortstamm angepasst:
talo (das Haus) - talossa (im Haus);
metsä (der Wald) - metsässä (im Wald)
Enthält ein Wort nur 'neutrale' Vokale, werden für die Endungen die 'vorderen' Vokale (y, ä, ö) verwendet.
Eine Ausnahme bilden zusammengesetzte Wörter, bei denen die Bestandteile durchaus unterschiedliche Vokalgruppen haben dürfen.
Bei Fremdwörtern, die vordere und hintere Vokale enthalten, werden in der Aussprache meist hintere Vokale als die korrespondierenden vorderen ausgesprochen. Beispiel: "Olympia" - gesprochen: wie "Olumpia".
Grammatik
Es gibt keine Artikel, weder bestimmte noch unbestimmte.
mies (Mann, der Mann, ein Mann);
nainen (Frau, die Frau, eine Frau). Häufig wird allerdings das Zahlwort ,yksi' - eins verwendet, um Unbestimmtheit zu unterstreichen oder ein hinweisendes Fürwort, um Bestimmtheit zu unterstreichen.
Das Finnische kennt keine grammatischen Geschlechter.
Bei der 3. Person Einzahl gibt es nur eine Form: hän (= er, sie). Für Gegenstände sowie Tiere wird in der 3.Person Einzahl die Form "se" verwendet.
Weibliche Berufsbezeichnungen kommen immer mehr aus der Mode; man verwendet sie eigentlich nur noch, wenn man betonen will, dass es um eine weibliche Person geht:
Im Finnischen gibt es 15 Fälle. Die meisten sind mit deutschen Präpositionen zu vergleichen. Sie werden gebildet, indem bestimmte Silben an den Vokalstamm bzw. an den Konsonantstamm des Substantivs gehängt werden:
Der Abessiv wird in der Praxis selten verwendet. Meistens wird er einfach durch die Präposition ilman (= ohne) ausgedrückt: ilman sinua (ohne dich).
Komitativ: (-ne + Possesivsuffix)
Dazugehörigkeit (Womit?);
Bsp.: taloineen (mit dem Haus/mit den Häusern)
Der Komitativ wird in der Praxis selten verwendet. Meistens wird er einfach durch die Postposition kanssa (= mit) ausgedrückt: sinun kanssasi (mit dir).
Bsp.: Lautanen on käsin tehty (der Teller ist von Hand gearbeitet), näin sen omin silmin (ich habe es mit eigenen Augen gesehen); der Instruktiv kommt nur in wenigen idiomatischen Redewendungen vor.
Es gibt kein Futur! Um zukünftiges auszudrücken, benutzt der Finne i.d.R. die Gegenwart und ein Wort, das auf die Zukunft hinweist.
Bsp.: Menen huomenna. - Ich werde morgen gehen.
Verneinung
Die Verneinung wird gebildet aus dem Verneinungsverb "ei", das konjugiert wird und dem Verbstamm, der nicht konjugiert wird.
Beispiel:
minä en puhu - ich spreche nicht;
sinä et puhu - du sprichst nicht;
hän ei puhu - er/sie/es spricht nicht;
me emme puhu - wir sprechen nicht;
te ette puhu - ihr sprecht nicht;
he eivät puhu - sie sprechen nicht;
"Ich spreche nicht finnisch" würde heißen: "(Minä) en puhu suomea."
"Ich verstehe nicht" heißt: "(Minä) en ymmärrä."
Die Verneinung in der Vergangenheit wird gebildet aus "ei" und dem Partizip Perfekt des Verbs.
Beispiel:
minä en puhunut - ich sprach nicht;
sinä et puhunut - du sprachst nicht_...;
hän ei puhunut;
me emme puhuneet;
te ette puhuneet;
he eivät puhuneet;
Fragen
Bei Entscheidungsfragen wird an das konjugierte Verb (oder auch an andere Wörter) die Frage-Endung -ko oder -kö (s. Vokalharmonie) angehängt.
Das sieht dann beispielsweise so aus:
Puhutko suomea? - Sprichst du finnisch?;
Etkö puhu suomea? - Sprichst du nicht finnisch?
Die Endung -ko/-kö entfällt, wenn im Satz schon ein Fragewort enthalten ist (Bestimmungsfragen):
Kuka puhuu suomea? - Wer spricht finnisch?
"Haben"
Es gibt im Finnischen kein Wort für "haben". Wenn man einen Besitz ausdrücken will, nimmt man die 3. Person EZ von olla (= sein) → on und die Adessivform des Personalpronomens.
Beispiel: minulla on auto. - (Wörtlich: bei mir ist ein Auto): ich habe ein Auto.
Verneinend sagt man: Minulla ei ole autoa. - (Wörtlich: bei mir nicht ist Auto): ich habe kein Auto.
Bei Verneinung wird das Objekt in den Partitiv gesetzt (auto - autoa).
Stufenwechsel
Eine Besonderheit des Finnischen und der mit ihm am nächsten verwandten Sprachen ist der Stufenwechsel: Er betrifft die Konsonanten /p/, /t/ und /k/ im Anlaut der letzten Wortsilbe, die unter bestimmten Umständen stimmhaft werden, sich völlig an die Umgebung assimilieren oder sogar schwinden können.
Die "starke Stufe" steht, wenn die letzte Wortsilbe offen ist, beispielsweise in sil-ta "Brücke".
Die "schwache Stufe" steht, wenn an das Wortende ein Suffix angefügt wird, wodurch die ursprünglich letzte Wortsilbe geschlossen wird, zum Beispiel in sil-ta + -lla -> sil-la-lla "auf der Brücke".
1.Stufenwechsel von der starken zur schwachen Stufe:
kk-k K-Schwund 1 beispielsweise Mikko (finn. Name) - Mikolla on jano. (= Mikko hat Durst)
k-O K-Schwund 2 zum Beispiel lukea (= lesen) - minä luen (= ich lese)
k-g K-Schwund 3 beispielsweise Helsinki - Helsingissä (= in Helsinki)
pp-p P-Schwund 1 zum Beispiel Lappi (= Lappland) - Lapin kulta (= Lapplands Gold, finn. Biermarke)
p-v P-Schwund 2 beispielsweise rapu (= Krebs) - ravun (= des Krebses)
tt-t T-Schwund 1 zum Beispiel matto (= Teppich) - matolla (= auf dem Teppich)
t-d T-Schwund 2 beispielsweise lähteä (= abfahren, weggehen) - minä lähden (= ich gehe weg)
2. Stufenwechsel von der schwachen zur starken Stufe p-pp zum Beispiel opas (= Reiseführer) - oppaan (= des Reiseführers)
d-t beispielsweise sade (= Regen) - sateenkari (= Regenbogen)
t-tt zum Beispiel osoite (= Adresse) - osoitteen (= der Adresse)
Die Stufenwechsel der Gruppe 2. erklären sich dadurch, dass diese Wörter im Nominativ ursprünglich auf einen Konsonanten (/s/ bzw. später geschwundener Knacklaut */?/) auslauteten. Da also die letzte Wortsilbe geschlossen ist (o-pas) bzw. war (sa-de?), steht schwache Stufe.
Im Genitiv ist die betroffene Silbe hingegen offen, also steht die starke Stufe, vgl. *op-pa-san bzw. *sa-te-?en.
Nützliche Redewendungen
Begrüßung:
Unter Freunden: Hei! oder Moi! (mehr Umgangssprache bei Jugendlichen)
Unter lockeren Bekannten: Terve!
Formell: Hyvää huomenta! (Guten Morgen!)
Hyvää päivää! (Guten Tag!) Hyvää iltaa! (Guten Abend!) Hyvää yötä! (Gute Nacht!)
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