Mit dem Filioque ist ein Zusatz zum nicänischen Glaubensbekenntnis von 381 gemeint, der in der ursprünglichen Fassung nicht enthalten ist.
Filioque bedeutet lateinisch und dem Sohn. Konkret handelt es sich um den Zusatz im Absatz über den Heiligen Geist:
...Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,.._.
lateinisch:
...Et in Spiritum Sanctum, Dominum et vivificantem,
qui ex Patre Filioque procedit..._.
Der Zusatz wurde erstmals in Spanien beim Konzil von Toledo 589 eingeführt, um sich gegen den Arianismus abzugrenzen, der die Ansicht vertrat, dass Jesus Christus weniger ist als Gott der Vater - der Zusatz sollte deutlich machen, dass Jesus Christus mit Gott dem Vater gleichberechtigt ist.
Karl der Große ging dann so weit, den Glauben an das Filioque als heilsnotwendig hinzustellen, und klagte die Orthodoxe Kirche (und den Konkurrenz-Kaiser in Konstantinopel) an, den Zusatz absichtlich entfernt zu haben. Der damalige Papst Leo III. akzeptierte die Änderung nicht und ließ das Glaubensbekenntnis ohne Zusatz in griechisch und lateinisch im Petersdom eingravieren. Die Franken blieben jedoch bei dem Zusatz.
Die katholische Kirche hat den Zusatz erstmals 1215 am 4. Laterankonzil (nach der gegenseitigen Exkommunikation des Papstes und Patriarchen von Konstantinopel 1054) offiziell zum Dogma erhoben. Für die Orthodoxe Kirche war und ist das Filioque nicht akzeptabel, da es eine einseitige Abänderung des Entscheids eines allgemein anerkannten ökumenischen Konzils ist, und da es ihrer Interpretation der Dreieinigkeit widerspricht.
Die tiefere Ursache des Filioque-Disputs ist eine unterschiedliche Interpretation der Dreieinigkeit: Die östliche Kirchentradition betonte bei der Dreieinigkeit mehr die drei unterschiedlichen Personen, während die westliche Kirchentradition mehr die Einheit der drei betonte. Bis zum Filioque-Zusatz im Glaubensbekenntnis war das jedoch nur eine unter mehreren örtlich unterschiedlichen Interpretationen, die die Einheit der Kirche nicht in Frage stellten.
Bis heute sind das Filioque und der Primat des Papstes die zwei Punkte, bei denen sich die orthodoxen und die katholische Kirche nicht einigen können.
Die protestantischen Kirchen haben, so weit sie die klassischen Glaubensbekenntnisse verwenden, die katholische Version angenommen, da sie bezüglich der Interpretation der Dreieinigkeit in der westlichen und nicht in der östlichen Tradition stehen, sehen darin jedoch im Allgemeinen kein grundsätzliches Problem.
Die alt-katholischen Kirchen sind zur Fassung des Glaubensbekenntnisses ohne Filioque zurückgekehrt, dies einerseits aus theologischer Überzeugung, andererseits in bewusster Annäherung an die orthodoxen Kirchen.
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