Die V1 (Vergeltungswaffe 1); auch Fliegende Bombe, Fieseler Fi-103, Kirschkern oder unter dem Tarnnamen FZG-76 (Flak Ziel Gerät) bekannt, war der erste Marschflugkörper, der im Krieg eingesetzt wurde.
Sie wurde von Deutschland entwickelt und im Zweiten Weltkrieg von Juni 1944 bis März 1945 eingesetzt. Sie startete von einer Startrampe aus und wurde hauptsächlich gegen Antwerpen und London eingesetzt. Später wurde sie durch die V2-Rakete ergänzt.
Entwicklung
Entwickelt wurde die V1 von Robert Lusser von der Firma Fieseler und von Fritz Gosslau von der Firma Argus, die das Triebwerk herstellte. Die ersten Tests der V1 fanden Ende 1941 oder Anfang 1942 in Peenemünde statt. Die anfänglichen Probleme mit der Stabilisierung wurden durch die Testpilotin Hanna Reitsch in einer modifizierten V1 beseitigt. Der erste offizielle Start fand am 12. Juni1944 statt - in den frühen Morgenstunden des 13. Juni schlug die erste V-1 in London ein.
So war das fertige Flugzeug ein - für die damalige Zeit - durchaus komplexes Gerät mit einer automatischen Kreisel-Kurssteuerung; ein kleiner Propeller an der Spitze trieb ein Zählwerk zur Reichweitenkontrolle an.
Das Triebwerk war ein so genanntes Verpuffungstriebwerk (keine Rakete, sondern ein intermittierendes Pulso-Schubrohr - erfunden von Paul Schmidt), das auf eine bestimmte Mindestgeschwindigkeit gebracht werden musste, damit es »ansprang«: sobald der Druck vorne am Staurohr einen bestimmten Wert erreicht hatte, drückte es ein federbelastetes, einfaches Ventil auf; die verdichtete Luft strömte in die Brennkammer und wurde dort gezündet: daher auch das typische Geräusch, das die Londoner bald fürchten lernten. Fast schlimmer aber war es, wenn das Geräusch aufhörte; d.h. dass der Reichweitenmesser das Triebwerk abgestellt hat, und daß die Bombe gleich irgendwo einschlagen würde.
Der Marschflugkörper mit weniger als 600 km/h Marschgeschwindigkeit war nicht unerreichbar für die schnellsten alliierten Jäger; neben dem »simplen« Abschießen (das für den Jäger gar nicht so ungefährlich war - ein 850-kg-Sprengkopf hat einen recht großen Explosionsradius) haben einige Piloten eine andere Methode benutzt, eine V-1 zum Absturz zu bringen: wenn sie es schafften, den Flügel der V-1 mit dem eigenen Flügel weit genug anzuheben, wurde der querruderlose Flugkörper instabil, die Kreiselsteuerung versagte und die Bombe stürzte (hoffentlich) ins Meer.
Die Version Fieseler Fi 103R Reichenberg war bemannt; sie sollte gegen die alliierten Bomberströme eingesetzt werden. Der Pilot sollte das Flugzeug auf das Ziel ausrichten und dann mit dem Fallschirm aussteigen. Obwohl 175 Exemplare gebaut wurden, wurde das Vorhaben 1944 aufgegeben.
Es gab ernste Anstrengungen, die V1 als Kamikaze-Waffe zu benutzen. Dazu wurde die Militäroperation Selbstopfer ins Leben gerufen. Die Selbstaufopferungspiloten wurden dem KG 200 unterstellt. Diese Organisation wurde jedoch durch einen Befehl Hitlers wieder aufgelöst.
In den USA wurde unter der Bezeichnung JB-2 (Republic Aviation Corporation / Ford Motor Company)
bereits 1944 eine Kopie entwickelt (Testflüge in Eglin Field - Florida im Oktober 1944) und ab 1945 gebaut. Insgesamt 1.000 Stück, die aber nie zum Einsatz kamen. Ihr Einsatz war bei der Invasion Japans geplant.
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