Als Feminismus wird sowohl die Neue Frauenbewegung (seit ca. 1968), als auch die Theorie der Neuen Frauenbewegung bezeichnet (wobei diese Theorie eigentlich aus vielen einander ergänzenden und einander auch widersprechenden theoretischen Ansätzen besteht). Männliche Anhänger des Feminismus bezeichnet man als Feministen, Weibliche hingegen als Feministinnen.
Heutzutage stehen sich folgende Grundströmungen des Feminismus gegenüber.
Universalismus
Universalistinnen gehen davon aus, dass es im Grund keine (relevanten) Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt.
Radikalfeminismus
Die so genannten Radikalfeministinnen gehen von einer grundsätzlichen Gleichheit der Geschlechter aus und begründen die zwischen den Geschlechtern existierenden Unterschiede hauptsächlich durch gesellschaftliche Machtstrukturen und die Sozialisation der Menschen. Nach dieser Philosophie gibt es kein "typisch männlich" und "typisch weiblich" sondern nur durch die geschlechtsspezifische Sozialisation und Arbeitsteilung begründete Verhaltensunterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Anhängerinnen dieser Strömung kämpfen für die Aufhebung sämtlicher geschlechtsspezifischen gesellschaftlichen Unterschiede, um so den Menschen zu ermöglichen, nach ihren individuellen Fähigkeiten und Vorlieben zu leben, statt nach gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen.
Analytisch wird hier hauptsächlich das Gender-Konzept verwendet, wobei, vereinfacht ausgedrückt, das biologische Geschlecht und das soziale Geschlecht als unterschiedliche Konstrukte der gesellschaftlichen Realität aufgefasst werden.
Hauptwerk dieser Strömung ist Das andere Geschlecht von Simone de Beauvoir. Im deutschsprachigen Raum ist Der kleine Unterschied und seine großen Folgen von Alice Schwarzer eines der wichtigsten theoretischen Werke. Weitere Autorinnen sind Mary Daly
Marxistischer Feminismus
Ein Teil der Feministinnen dieser Strömung steht dem Marxismus nahe und setzt sich vor allem für die gesamtgesellschaftlichen Rechte der Frau ein. Zu diesem Teil gehören auch viele im politischen Spektrum (extrem) links angesiedelte Gruppierungen.
Allerdings wird von feministischer Seite die Unterordnung der "Frauenfrage" als Nebenwiderspruch unter den so genannten Hauptwiderspruch, nämlich jenen zwischen Besitzenden und Besitzlosen, immer wieder in Frage gestellt.
Dekonstruktivistischer Feminismus
Judith Butler (Das Unbehagen der Geschlechter) und andere Vertreterinnen des feministischen Dekonstruktivismus bauen auf dem Beauvoir'schen Radikalfeminismus auf und gehen einen Schritt weiter: Sowohl das biologische Geschlecht als auch das soziale Geschlecht seien gesellschaftliche Konstrukte und das Geschlecht muss deshalb als Klassifikationseinheit abgelehnt werden.
Ins Zentrum dieser Theorie tritt die Differenz unter Frauen, d.h. angenommene Gemeinsamkeiten/Geschlechtsidentitäten innerhalb dieser Genus-Gruppe werden aufgelöst/dekonstruiert. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass es so viele Identitäten gibt, wie es Frauen gibt. Auch die in den vorherigen Ansätzen angenommene Zweigeschlechtlichkeit wird aus dekonstruktivistischer Sicht bestritten und durch das Anerkennen von Vielgeschlechtlichkeit ersetzt.
Differenzialismus
AnhängerInnen des differenzialistischen Feminismus gehen von einer grundsätzlichen Verschiedenheit der Geschlechter aus, d.h. zwischen Männern und Frauen gibt es einen zeitlosen naturgegebenen Unterschied, der ihr Leben von Anfang an bestimmt. Frauen werden naturgegebene Wesenszüge unterstellt, die sie unabhängig von Kultur und Geschichte gemeinsam haben.
Gynozentrischer Feminismus
Es geht um die Entdeckung und Anerkennung von Weiblichkeit, der Suche nach Wurzeln und Ursprüngen des Frauseins. Ziel ist nicht mehr die Aufhebung der Geschlechterungleichheit, sondern eine Rekonstruktion dieser Ungleichheit, die Männlichkeit ab- und Weiblichkeit aufwertet.
Zu dieser Strömung gehören auch die so genannten Ökofeministinnen (z.B.: Maria Mies), die biologistische Theorien von Weiblichkeit, mitunter vermischt mit esoterischen Anschauungen vertreten. So besteht auf dem heutigen Markt eine kontinuierliche Nachfrage nach Workshops zu Menstruations- und Mondzyklus, Tanz und Körper, Göttinnenkult, Matriarchatsforschung etc.
Magischer (esoterischer) Feminismus
Eine weitere Unterteilungsmöglichkeit stellt die Ausbildung eines magisch orientierten Feminismus neben dem rationalistischen, politisch-sozial bestimmten dar. Kritik an der Hexenjagd und Hexenverfolgung steht hier unter dem Aspekt, dass diese mit unvorstellbarer Grausamkeit das Wissen von Frauen im Zusammenhang mit einer in der Hand von Frauen befindlichen Frauenheilkunde zerstört hat. Gleichzeitige Selbstidentifikation als Hexe oder Magierin steht in Zusammenhang mit dem Versuch, sich derartiges Wissen wieder anzueignen. Frauen feiern die Walpurgisnacht mit Demonstrationen nach dem Motto: Wir sind Frauen, wir sind viele. Wir erreichen unsere Ziele! In Deutschland kann Luisa Francia als Antipode zu Alice Schwarzer betrachtet werden.
Individualfeminismus
Eine relativ junge Strömung vertritt libertären Theorien bis hin zum Objektivismus.
Diese ist oft stärker an individuellen Berufschancen fur Frauen interessiert. Das Ziel dieser Gruppe ist es, die Individualrechte der Frauen zu sichern respektive zu stärken.
Theoretische Zusammenhänge mit dem Anarchismus werden herausgearbeitet. Wichtig ist die Verwirklichung des Individuums, deren Grenzen dort gezogen werden, wo ein anderes Individuum in seiner Entwicklung behindert wird.
"Individuelle Feministinnen" können sowohl einen radikalen als auch einen differenzialistischen Ansatz vertreten.
Zentrale Themen
Unter anderem werden folgende Problemkreise immer wieder von Feministinnen aufgegriffen:
Gleichstellung/Gleichberechtigung in Politik, Arbeit, Gesellschaft, Familie
Freigabe der Abtreibung - Motto "Ob Mütter oder keine, bestimmen wir alleine"; "Mein Bauch gehört mir"
Sichtbarmachung von Frauen innerhalb der Sprache (Verwendung des großen I, wie etwa in StudentInnen oder Verwendung beider Formen), siehe Feministische Linguistik (Luise F. Pusch, Senta Trömel-Plötz).
Stellung von Müttern in der Gesellschaft (breite Diskussion um das so genannte Müttermanifest), Mutterschaft allgemein
weibliche Homosexualität: Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften mit heterosexuellen Formen des Zusammenlebens und Sichtbarmachen von Lesben im gesellschaftlichen Leben
Diskussion von Pornografie - die u.a. von Alice Schwarzer ins Leben gerufene PorNO Kampagne wird von feministischer Seite breit diskutiert und vielfach mit dem Argument abgelehnt, es sei problematisch, nach Zensur von staatlicher Seite zu rufen, die dann vielleicht gerade engagierte, mit sexueller Darstellung arbeitende KünstlerInnen treffe (hierzu interessant der Fall um die US-amerikanische feministische Autorin Kathy Acker, deren Buch "Harte Mädchen weinen nicht" in Deutschland auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften gesetzt wurde).
Die politische Theorie des Marxismus vertritt die Ansicht, dass im Spätkapitalismus - der angenommenen Endphase des Kapitalimus - alle gesellschaftlichen Widersprüche immer größer werden, darunter auch der zwischen Männern und Frauen, was dem Feminismus aus marxistischer Sicht Berechtigung verleiht.
Kritik
Feministinnen und Frauenrechtlerinnen wurde seit dem Beginn der Frauenbewegung nicht nur von seiten der Männer Unweiblichkeit vorgeworfen. Einigen Strömungen des Feminismus werden heute Dogmenlastigkeit oder gar geschlechterrassistische Züge vorgeworfen (Biologismus).
Der politische Einfluss des Feminismus wird von Teilen der Männerbewegung als Frauenlobbying kritisiert. Analog zum Feminismus hat sich seit den späten 1960er Jahren in den westlichen Staaten eine Männerbewegung entwickelt. Hier wird u.a. auch der Ansatz vertreten, dass ohne eine Befreiung der Frauen auch kein Mann frei sein könnte. Dieser Ansatz folgt der Theorie, dass auch der Unterdrücker den Strukturen der Unterdrückung, auch wenn er von ihnen profitieren könne, quasi ausgeliefert sei.
FemistInnen üben auch selbstreflexive Kritik aus:
Androzentrismus-Vorwurf: Vor allem Differenzialfeministinnen werfen Radikalen Feministinnen vor, sich an "männlichen" Idealen zu orientieren und dadurch patriarchale Strukturen zu reproduzieren.
Eurozentrismus-Vorwurf: Von Seiten von Frauenrechtlerinnen aus Asien, Afrika, Südamerika und aus dem arabischen Raum wird den US-amerikanischen und europäischen feministischen Organisationen immer wieder vorgeworfen, auf die spezifischen Bedürfnisse von Frauen aus anderen Kulturräumen und insbesondere aus Entwicklungsländern, keine Rücksicht zu nehmen und mit ihrem eurozentrierten Diskurs die "Frauenrechtsfrage" für die spezifischen Bedürfnisse der Frauen aus dem europäisch-US-amerikanischen Kulturraum zu monopolisieren.
Desweiteren herrscht Uneinigkeit über die Frage, wie mit bestehenden Geschlechtsrollenstereotypen umzugehen sei, ohne diese festzuschreiben. Andererseits sollen eventuell bestehende wichtige Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht verleugnet werden. Die Konstruktion von Geschlecht selbst ist ebenfalls Thema der feministischen Diskussion.
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