Ein Fallschirm dient dazu, den Sprung aus einer großen Höhe unbeschadet zu überstehen. Dies macht man entweder bei einem drohenden Absturz (siehe auch Schleudersitz), als Sportart, oder um an einen Ort zu kommen, der auf anderem Weg schwer zugänglich ist; letzteres wird vor allem für militärische Zwecke von Fallschirmjägern durchgeführt.
Mit einem Fallschirm kann man auch verhindern, dass aus einem Flugzeug geworfene Gegenstände, etwa militärisches Gerät, beim Aufprall zerstört werden. Auch einige von Bombern abgeworfene Fliegerbomben hängen an Fallschirmen, etwa die Daisy Cutter. Weitere Anwendungen sind die Bremsschirme für Raumkapseln und Jagdflugzeuge.
Eine weitere Anwendung, wie sie zum Beispiel in Tunesien an der Küste zu sehen ist, ist das gleiten an einem Fallschirm. Man steht am Strand, schnallt sich den Fallschirm um und wird von einem Boot aufs Meer hinausgezogen wobei man schnell an Höhe gewinnt und einen schönen Blick aufs Meer und das Umland geniessen kann.
Es existieren zwei unterschiedliche Fallschirmsysteme: Rundkappenfallschirme und Flächenfallschirme.
Rundkappenfallschirme
Die älteren Rundkappensysteme verringern den Fall nahezu ausschließlich durch ihren großen Luftwiderstand. Ihre Form gleicht einer nach unten geöffneten hohlen Halbkugel, an deren unterem Rand die Fangleinen und daran ein Fallschirmspringer oder die Nutzlast befestigt ist. An ihrem Scheitel befindet sich eine Öffnung (Scheitelöffnung), durch die angestaute Luft entweichen kann, um so ein Pendeln des Schirms zu vermeiden. Die Sinkbewegung eines gewöhnlichen Rundkappen-Fallschirms verläuft senkrecht zur Erdoberfläche und erhält lediglich durch die Winddrift eine horizontale Komponente. Früher im Sportbereich verwendete Hochleistungs-Rundkappensysteme waren mit Schlitzen versehen, um durch ausströmende Stauluft eine Vorwärtsfahrt zu ermöglichen. Über Steuerleinen konnte die Schlitzöffnung variiert und der Fallschirm in begrenztem Umfang gesteuert werden.
Als Rettungsschirme werden auch seit 1940 unverändert gebaute Schirmtypen verwendet (zum Beispiel der LBA-40.010/01 "Kohnke" der Firma Mertens). Rettungsschirme müssen innerhalb ihrer Packintervalle (zwei bis sechs Monate) regelmäßig von ausgebildetem Personal neu gepackt werden und dürfen, bei einer Lebenszeit von etwa zwölf Jahren nur ein einziges Mal verwendet werden.
Moderne Flächenfallschirme verringern den Fall hauptsächlich durch Auftrieb. Ihr Querprofil entspricht dem einer Flugzeugtragfläche. Der Flächenschirm ist an der vorderen Kante geöffnet und an der hinteren geschlossen, so dass er von der anströmenden Luft gefüllt wird und sich versteift. Sobald die Vorwärtsgeschwindigkeit groß genug ist, liegt eine Strömung an, die zusätzlich zum Luftwiderstand einen Auftrieb erzeugt. Daher sinken Flächenfallschirme nicht senkrecht zu Boden, sondern können aufgrund ihres Gleitwinkels teilweise große horizontale Strecken überwinden. Die rechte und die linke Seite der Hinterkante können getrennt voneinander durch Steuerleinen herunter gezogen und so zur von vorne anströmenden Luft quergestellt werden. Dadurch lässt sich die Vorwärtsfahrt einseitig abbremsen und der Schirm genau steuern. Zur Landung wird die Vorwärtsfahrt durch starkes Herunterziehen beider Kantenteile im Optimalfall auf Null abgebremst. Im Sportbereich werden heute fast ausschließlich Flächenfallschirme verwendet.
Flächenfallschirme werden am häufigsten aus dem Nylongewebe "F-111", aus "Zero-P" (zero porosity: 'keine' Luftdurchlässigkeit, Nullgewebe) oder aus Kombinationen davon hergestellt. An den Enden (bei einer Rundkappe) oder unter der Fläche (bei Flächensystemen) des Fallschirmtuchs sind die Fangleinen befestigt, an dem die Fracht oder der Springer hängt.
Systemaufbau
Systeme für den Fallschirmsprung bestehen heute im Wesentlichen aus folgenden Baugruppen:
Gurtzeug, über Haupttragegurte und Fangleinen mit der Hauptkappe und dem Reservefallschirm verbunden - es ist die Aufnahme und Halterung für die Nutzlast (Springer) und als Verpackung (Container) der beiden (nochmals gepackten) Schirme
Hauptkappe (üblicherweise Rip-Stop Nylon), die im Notfall (beispielsweise bei Öffnungsproblemen) mit Hilfe eines Schlosssystems (zum Beispiel Drei-Ring-System) abgetrennt werden kann
Reservefallschirm mit Hilfsschirm, meistens ein Flächenfallschirm (selten ein Rundkappenschirm). Ausgelöst wird der Reservefallschirm entweder manuell über einen Griff, automatisch über die Reserve Static Line (bei Abtrennung der Hauptkappe) oder über einen Öffnungsautomaten
POD (Parachute Opening Device), eine kleine halboffene Tasche, in der der gepackte Fallschirm liegt und an der die Fangleinen in S-Schlägen eingeschlauft sind
Hilfsschirm zur Öffnung der jeweiligen Kappe. Zum Auslösen des Hilfsschirms werden vornehmlich vier verschiedene Mechanismen verwendet:
Hand Deploy (Throw Out): Der Hilfsschirm ist in einer am Gurtzeug angebrachten Tasche verstaut und wird zur Öffnung in den Luftstrom gezogen, dort losgelassen und zieht zunächst den Container auf und dann den Schirm aus seiner Verpackung (POD)
Pull Out: Ein (oft kissenförmiger) Griff öffnet zunächst den Container, an der weitergeführten Leine hängt der Hilfsschirm und wird in der Folge in den Luftstrom gezogen und dort losgelassen, wodurch der Schirm aus seiner Verpackung (Container und POD) gezogen wird
Auslösegriff: Der Griff ist mit der Reißleine verbunden, welche an ihrem anderen Ende durch eine Schlaufe geführt ist und so die Klappen des Containers unter Verschluss hält (ähnlich dem Drei-Ring-System). Durch Ziehen am Griff wird die Reißleine aus der Schlaufe gezogen, dadurch werden die Klappen freigegeben und der Hilfsschirm schnellt durch eine gespannte Feder in den Luftstrom. Weiter wie oben
Static Line (Zwangsauslösung, automatische Auslösung): durch eine mehrere Meter lange Leine (Aufziehleine) wird der Öffnungsmechanismus des Fallschirms direkt mit dem Flugzeug verbunden. Dadurch wird sofort nach dem Absprung die Fallschirmhülle geöffnet und der Hilfsschirm oder auch direkt die Fallschirmkappe aus der Packhülle gezogen. Nach erfolgter Öffnung wird die Aufziehleine vom Fallschirmsystem mittels Klettverschluss oder einer anderen Sollbruchstelle getrennt. Diese Technik ist oft bei Rettungsschirmen oder Schirmen von militärischen Fallschirmjägereinheiten im Einsatz
Fangleinen in Kern-Mantel-Konstruktion (Kern üblicherweise aus Kevlar oder Polyethylen, Mantel aus UV-beständigem Polyester), die die Verbindung zwischen der Hauptkappe und dem Tragesystem darstellen
Ein Öffnungsautomat, der den Reserveschirm automatisch auslöst (beispielsweise bei Bewusstlosigkeit des Springers), wenn in einer bestimmten Höhe die Fallgeschwindigkeit einen bestimmten Wert noch überschreitet
Beim Fallschirmspringen als eigener Luftsportart (heutzutage nach englischem Vorbild auch Skydiving genannt) haben sich mittlerweile zahlreiche unterschiedliche Sprungtechniken und Disziplinen entwickelt.
Geschichte
In China sprangen schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts wagemutige Zirkusartisten mit einer Art Sonnenschirm von hohen Türmen. Man kann sie deshalb als die ersten Fallschirmspringer überhaupt bezeichnen.
Die erste Skizze eines Fallschirms wurde um 1500 von Leonardo da Vinci angefertigt (Cod. atl. Bl. 381).
Der erste Mensch, der mittels Fallschirm freiwillig aus einem Ballon ausstieg, war der Franzose André-Jacques Garnerin am 22. Oktober1797. Sein Sprung aus einem selbstgebauten Wasserstoffballon in 400 m Höhe über dem Pariser Parc Monceau, war der erste Fallschirmsprung Europas.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfand die deutsche Luftfahrt-Pionierin Käthe Paulus den zusammenfaltbaren Fallschirm. Sie gilt als eine der ersten Frauen, die mit einem Fallschrim gesprungen sind.
Neben den Fallschirmen gibt es auch Gleitschirme, die sich aus den Flächenfallschirmen entwickelt haben und vor allem als sportliche Fluggeräte eingesetzt werden.
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