Färöisch (Eigenbezeichnung føroyskt, sprich: ['fö:rist]) ist eine westskandinavische Sprache, die von mindestens 44.000 Menschen auf den politisch zu Dänemark gehörenden, weitreichende Autonomierechte besitzenden, Färöern, und weiteren Färingern im Ausland gesprochen wird. Die Gesamtzahl der Muttersprachler auf der Welt ist unklar. Schätzungen reichen von 60.000 bis zu 100.000, wobei die erstere Zahl als realistischer einzuschätzen ist, während die höhere Zahl darauf spekuliert, welche Nachkommen von Muttersprachlern aktiv färöisch sprechen, was schwer belegbar ist.
Färöisch gehört gleichzeitig zu den kleinsten Sprachen in Europa neben Saami (finno-ugrische Sprachfamilie) und Ladinisch (romanisch < indoeuropäisch) mit jeweils unter 100.000 nachgewiesenen Sprechern.
Das Färöische gilt als diejenige Sprache auf der Welt, in der jährlich die meisten Bücher pro Muttersprachler herauskommen.
Färöisch ist mit Isländisch in der Schriftsprache gegenseitig verständlich. Beide modernen Sprachformen gehen besonders eng auf das Altnordische zurück, welches heute in Form des Altisländischen in der Älteren Skandinavistik erforscht wird.
Die gegenseitige Verständlichkeit der gesprochenen Sprachen Färöisch und Isländisch ist hingegen eingeschränkt. Färöisch ist im Vergleich zum Isländischen härter, und beide Sprachen weichen von der Schriftsprache deutlich ab. Wie sich Isländer und Färinger im Gespräch verständigen, hängt davon ab, welche weitere skandinavische Sprache der isländische Gesprächspartner beherrscht, oder ob er nur Englisch als Fremdsprache kann. Nahezu alle Färinger sprechen fließend Dänisch als Zweitsprache, und so ergibt sich oft ein interskandinavischer Sprachmix, häufig auch mit englischen Einflüssen. Anders ist es bei Färingern und Isländern, die längere Zeit im jeweils anderen Land leben. Sie lernen die Nachbarsprache in der Regel schnell.
Aus dem Altwestnordischen (Altnorwegisch) entwickelte sich mit der nordischen Besiedlung der Färöer im 9. Jahrhundert das Altfäröische. Diese Sprachform existierte als Schriftsprache bis 1380, als dänisch alleinige Schriftsprache wurde und sich mit der Reformation um 1530 endgültig durchsetzte. Das Färöische konnte aber in Balladen, Liedern und der gesprochenen Alltagssprache überleben. Bis Ende des 18. Jahrhunderts liegen nur sporadische Schriftzeugnisse vor.
Mit dem Aufkommen der Romantik besannen sich viele europäische Schriftsteller der alten Sagen und Traditionen ihrer Völker, so zum Beispiel im dänischen "Mutterland" (Färinger sind keine Dänen) der Romantiker Adam Oehlenschläger und der später bedeutende dänische Philologe N.F.S. Grundtvig. Gerade jener war es, der, neben allen seinen anderen Leistungen für die Nachwelt, als einer der Geburtshelfer der Renaissance des Färöischen gilt. Denn er reiste persönlich zu den Färöern, wo er den einheimischen PhilologenV.U. Hammershaimb (1819-1909) kennen lernte und mit ihm eine lebenslange Freundschaft schloss. Hammershaimb stellte, so ermutigt, 1846 seine Färöische Orthographie vor, die, 1891 vollständig überarbeitet, bis heute nichts an Gültigkeit verloren hat. Dies ist die Geburtsstunde des Neufäröischen, das auf dem Weihnachtstreffen der Färöer 1888 von der sich bildenden Nationalbewegung als künftige Hauptsprache proklamiert wurde. Grundtvigs Sohn Svend Grundtvig reiste dann auf die Färöer, um bei der Übersetzung vieler alter Sprachdenkmäler zu helfen. Es entstand die färöische Literatur.
Erst 1937 wurde die färöische Sprache offiziell (als Schulsprache) anerkannt, und seit dem Autonomie-Statut von 1948 ist sie Hauptsprache auf der Inselgruppe. Dänisch ist heute offizielle Zweitsprache und Sprache der dänischen Minderheit (schätzungsweise 5%) auf den Färöern.
1961 schließlich, kam die erste offizielle färöische Bibel heraus (vorher gab es schon eine baptistische Ausgabe); das Färöische wurde aber bereits vorher von der Kanzel gepredigt.
Das färöische Alphabet und Phoneminventar
Das färöische Alphabet hat 28 Buchstaben, die wie folgt klingen können:
"Vorderes und hinteres a, i und í" bezeichnen nur die alphabetische Reihenfolge, keineswegs einen Artikulationsort im Gaumen. Die entsprechenden Paare verhalten sich weitgehend identisch im Falle des a und vollkommen gleich klingend bei i,y bzw. í,y'. Gerade die letzteren beiden Paare machen es dem Schüler im Diktat schwer.
Ø, ø wird manchmal auch Ö, ö geschrieben.
Der Großbuchstabe Ð wird nur verwendet, wenn ein Eigenname ganz in Großbuchstaben gesetzt wird, so zum Beispiel auf Landkarten oder bei Firmenlogos, denn ð kommt immer nur innerhalb oder am Ende eines Wortes vor. Im Gegensatz zum Isländischen ist es immer ein stummer Gleitlaut (wenige Ausnahmen), und nie der stimmhafte Dentallaut, welcher im Isländischen und Englischen erhalten ist: wie in mother oder Sey<eth>isfjör<eth>ur. Etymologisch ist es auch verwandt mit dem weichen dänischend. Dort, wo der dänische Sprecher in verwandten Wörtern der eigenen Sprache ein weiches d sprechen würde, kommt meist im färöischen Pendant das <eth> vor. Das liegt an der "etymologisch ausgerichteten" morphophonemischen Standardschreibung, die 1846/91 von Hammershaimb eingeführt wurde, und sich gegenüber den phonetischen Orthographie-Modellen (von Jens Christian Svabo (1746-1824) und später Jakob Jakobsen (1864-1918)) durchsetzen konnte.
Alle Vokale und Diphtonge können sowohl kurz als auch lang sein, wobei die kurze Form oft anders realisiert wird (siehe "Lautschrift"). Unbetonte Vokale treten immer nur als a, i oder u auf. Bestimmte lange Diphtonge werden in ihrer kurzen Form monophtongisiert, sodass sich beispielsweise ein kurzes /ó/ nicht vom /ø/ unterscheidet.
In der "vereinfachten eingedeutschten Lautschrift" dieses Artikels wird vorausgesetzt, dass ein deutscher Sprecher ein kurzes /e, i, u, ö/ ebenso aussprechen würde, wie im Deutschen, wobei also der Vokal dunkler ist als in der langen Variante und in der IPA-Lautschrift anders dargestellt wird.
Das ú ist der einzige "gewöhnungsbedürftige" Laut für deutsche Muttersprachler (von anderen Feinheiten der färöischen Phonetik abgesehen, die aber in der Artikulation nicht bedeutungsunterscheidend sind). Dieser Diphtong baut auf einem abgedunkelten ü auf und wird zum hellen u, wobei noch ein Gleitvokal [w] am Ende angedeutet werden kann. Letzteres kann auch über den anderen "u-Diphtong" ó gesagt werden, der in früheren Orthographie-Modellen auch als "ow" dargestellt wurde.
Flektion der Wortarten
im Aufbau
Nominal flektierte Wörter
Das Färöische ist im Gegensatz zu anderen germanischen Sprachen wie Dänisch oder Englisch reicher an Formen. Zum Beispiel ist das Genus-System dem deutschen sehr ähnlich, es wird also bei Nomen, Pronomen, Adjektiven, etc. zwischen drei Geschlechtern unterschieden. Auffallend - und unter den germanischen Sprachen alleine stehend - ist im Färöischen die Pluralform des Zahlworts und unbestimmten Artikels ein, der genauso geschrieben, gesprochen und (im Singular) verwendet wird, wie im Deutschen, aber anders gebeugt wird.
Charakteristisch für die nominal flektierten Wörter im Färöischen ist deren häufige Endung -ur. Dabei ist das (aus dem Kontext gerissen) keineswegs ein Indikator für eine bestimmte Wortart, noch für ein Geschlecht oder einen Numerus oder Kasus. Ebenso verhält es sich mit den typischen Endungen -ir und -ar. Wie oben bereits erwähnt, können unbetonte Silben (und das sind im Färöischen allgemein die Endsilben) keine anderen, als diese drei Vokale a, i, u tragen. Damit ist es freilich komplizierter als im Deutschen (und anderen Sprachen), wo in diesem Fall meist das e verwendet wird, falls eine Flektionsendung einen Vokal trägt. Dieses System ist auch für Muttersprachler manchmal schwer durchschaubar, zumal erschwerend hinzu kommt, dass die gesprochene Sprache bestimmte Endungsvokale anders realisiert und manchmal auch in der Rechtschreibung zwei Varianten einer Form zulässig sind.
Andererseits kann gesagt werden, dass sich sowohl bestimmte Paradigmen in der gesprochenen Sprache kaum oder gar nicht von dem altnordischen Ursprung entfernt haben als auch selbst unregelmäßige Formen in bestimmten Fällen Parallelen zum Deutschen aufweisen.
Nomen
Die färöischen Nomen werden, wie im Deutschen, in drei Gruppen eingeteilt: Männlich, weiblich und sächlich. Die ersten beiden untergliedern sich in jeweils 6 verschiedene Beugungsmuster (Klassen mit teilweise weiteren Unterklassen), und die Nomen des Neutrums bilden 3 Klassen, die manchen des Maskulinums ähneln. Stellvertretend für die drei Geschlechter seien hier zur Veranschaulichung drei "einfache" Klassen genannt, deren Stammvokale sich nicht ändern.
Die Dativendung -um des Plurals findet sich grundsätzlich in allen Klassen (nicht nur der Nomen) und wird in allen färöischen Dialekten als [un] ausgesprochen. Generelle Eselsbrücke für diese Form: í Føroyum [ui 'förjun] ("in den Färöern" = auf den Färöern).
Die Genitivform wird üblicherweise in Klammern gesetzt, weil sie in der gesprochenen Sprache (aber auch der geschriebenen) selten vorkommt, gewisse Genitivformen bei bestimmten Wörtern als "nicht existent" gelten, und der Genitiv meist zusammen mit Präpositioen im Dativ umschrieben wird. Dennoch gilt:
1. Die Genitivform des Singulars entscheidet bei allen Nominalklassen mit über deren Zugehörigkeit und wird im Wörterbuch neben der Grundform und dem Plural genannt.
2. In festen Wendungen taucht der Genitiv auf, wie zum Beispiel mit der Präpositionvegna ("wegen") und verhält sich also wie in der deutschen Standardsprache.
3. Bei zusammengesetzten Wörtern steht der erste Bestandteil oft im Genitiv, wie auch in deutschen Wörtern wie "Sonntagsfahrer" - gleichwohl Muttersprachler (in beiden Sprachen) dies nicht immer als Genitivform (an)erkennen. Siehe zum Beispiel:grindabo<eth>, markatal, wo der ersten Bestandteil im Genitiv steht.
4. Namen von Institutionen wie Postverk Føroya ("Postverwaltung der Färöer") belegen überdies, dass diese Form zur lebenden Sprache gehört. *Postverk Føroyar würde immer als "ungrammatisch" empfunden werden. Das -oy im Landesnamen der Färöer ist übrigens eine alte Form des heutigen oyggj und verhält sich genau so, wie im obigen Paradigma beschrieben.
Artikel
Allgemein unterscheiden sich die skandinavischen Sprachen von den anderen germanischen Sprachen dadurch, dass der bestimmte Artikel dem Nomen angehängt wird, also ein Präfix ist. Dies ist im Färöischen nicht anders, und es bildet in dieser Hinsicht eine Gemeinsamkeit mit dem Norwegischen und Schwedischen indem es in atributiven Stellungen eine doppelte Determination gibt - im Gegensatz zum Dänischen und Isländischen. Das heißt: Wenn ein determiniertes Substantiv durch ein Adjektiv näher beschrieben wird, taucht in dem Satz nicht nur der Artikel als einzelnes Lexem auf, sondern zusätzlich noch als Präfix an dem betreffenden Nomen.
Beispiel:
Wikipedia,
tann
frælsa/fría
alfrø<eth>in/ensyklopediin
Wikipedia,
die
freie
Enzyklopädie-die
Anmerkung:
Die färöische Sprachpolitik richtet sich sehr nach derjenigen in Island, und daher ist der Begriff ensyklopedi als (aus dem Dänischen entlehnter) Internationalismus zwar nicht unüblich, wird aber meist durch das Wort alfrø<eth>i - was ungefähr die Vorstellung vermittelt, dass hier "alle Wissenschaften" (-frø<eth>i = -wissenschaft) zusammengetragen werden - ersetzt.
angehängter bestimmter Artikel
Grundsätzlich gilt, dass die Nominativform des angehängten bestimmten Artikels bei männlichen und weiblichen Nomen immer -(i)n und bei sächlichen -(i)<eth> ist, wobei sich das in den anderen Kasi anders darstellt. Als Faustregel kann gelten, dass sich die oben aufgeführten Nominalflektionen auch im Neutrum (wie den anderen beiden Geni) so verhalten, dass ein n zwischen Stamm und Flektionsendung tritt, und dass die Dativendung -um in diesem Fall nicht im Plural, sondern im Singular auftritt (als -num).
unbestimmter Artikel
Der unbestimmte Artikel ein verhält sich wie folgt (identisch mit dem Zahlwort):
Die Aussprache verhält sich wie im Deutschen erwartet - mit Ausnahme der bereits bekannten Dativendung -um, die auch hier als [un] realisiert wird.
Wie oben bereits erwähnt, gibt es die Pluralform dieses Wortes in keiner anderen germanischen Sprache. Hiermit wird zum Beispiel unterschieden, dass man sich "ein Paar Schuhe" kauft, und nicht "einige Schuhe", wobei diese Konstruktion nicht als Dual dargestellt wird, den es im Altnordischen noch gab. Beispiel:eg keypti einar skógvar = "ich kaufte *eine Schuhe" (ein Paar) gegenüber: eg keypti skógvar = "ich kaufte Schuhe" (egal wieviele und ob Paare).
Adjektive
Zahlwörter
Pronomen
Verben
Präpositionen, Adverben und Konjunktionen
Färöische Textproben
Poul Poulsen Nolsøe (Mythen um den Nationalhelden Nólsoyar Páll, färöisch und deutsch)
W.B. Lockwood: An Introduction to Modern Faroese, Føroya Skúlabókagrunnur 4. Aufl., Tórshavn 2002 [1] (zuerst bei Munksgaard, Copenhagen 1955, weitere unveränderte Auflagen 1964 und 1977)
Richard H. Kölbl: Färöisch Wort für Wort, Reise Know-How Verlag Rump, Bielefeld 2004, ISBN_389416350X (dazu ist ein Kauderwelsch AusspracheTrainer mit den wichtigsten Sätzen und Redewendungen erhältlich ISBN_3831760918)
Wörterbücher
Färöisch-Dänisch-Färöisch
Die beiden hier aufgeführten Titel sind färöisch-dänische bzw. dänisch-färöische Wörterbücher. Das Føroysk-Donsk Orðabók erschließt einen großen Teil des färöischen Wortschatzes, während das Donsk-Føroysk Orðabók wichtige Rückschlüsse auf den färöischen Umgang mit Internationalismen, Anglizismen und niederdeutschen Lehnwörtern gestattet, die im Dänischen häufig sind und in der färöischen Schriftsprache meist vermieden werden.
M.A. Jacobsen und Christian Matras: Føroysk-Donsk Orðabók, Føroya Fróðskaparfelag, Tórshavn 1961
Jóhannes av Skarði: Ensk-Føroysk Orðabók, Føroya Fróðskaparfelag, Tórshavn 1984
Sprachgeschichte
Christian Gebel: Die Färöer - Geschichte und Sprachgeschichte, Schriftenreihe des Deutsch-Färöischen Freundeskreises - Heft 1, Düsseldorf 1988 (18 Seiten, Abbildungen. Ein Vortrag, der anläßlich der Gründung des Deutsch-Färöischen Freundeskreises in Düsseldorf am 9. Oktober 1988 gehalten wurde)
Das 2004 erschienene Buch Faroese. An Overview and Reference Grammar (s.o.) stellt die Sprachgeschichte des Färöischen in einem eigenen Kapitel äußerst detailliert dar.
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