Eine Fähre ist ein im Linienverkehr oder nach Bedarf auf einer festgelegten Route fahrendes Schiff oder Boot für den Verkehr über einen Fluss, See oder Meer zum Transport von Personen oder Fahrzeugen. Sie sind somit bei kurzen Strecken eine Alternative zu Brücken oder Tunneln.
In den meisten Städten, ob am Meer oder an einem größeren Fluss gelegen (auch in Städten mit vielen Kanälen), spielen Fährverbindugen eine wichtige Rolle im Nahverkehr. Sie verursachen vergleichsweise weniger Kosten als Tunnel oder Brücken, und ermöglichen eine schnelle, direkte Verbindung zweier Ufer.
Hochseefähren verbinden viele vor den Küsten gelegene Inseln mit dem Festland sowie Mitteleuropa mit Skandinavien und Italien mit Griechenland.
In Europa ist die Linie über den Ärmelkanal (Dover <→ Calais) eine der wichtigsten Fährverbindungen, da sie Großbritannien mit dem europäischen Festland verbindet.
Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Schiffstypen die als Fähre genutzt werden, je nach Länge der Strecke, der benötigten Kapazität, sowie nach Geschwindigkeit und Seetüchtigkeit (Hochseetauglichkeit oder Binnenschifffahrt). Tragflächenboote wurden beispielsweise verwendet um auf beliebten Strecken die Geschwindigkeit zu erhöhen, heute wurden diese großteils durch Luftkissenboote und Katamarane ersetzt. Auf der oben bereits erwähnten Verbindung (Dover/UK <→ Calais/F), stehen die Luftkissenboote in direkter Konkurrenz zu den Shuttle- und Eurostarzügen die den Channel Tunnel benutzen.
Kurze Überfahrten können auch durch sog. Seilfähren geleistet werden, welche durch ein Stahlseil gelenkt und angetrieben werden und dadurch immer fest mit beiden Ufern verbunden sind. Manchmal werden die Seilfähren von jemandem an Bord angetrieben, oft aber maschinell vom Ufer aus. So genannte Gierfähren nutzen die Energie des strömenden Wassers von Flüssen aus, das sie an einem Seil schräg zur Strömung gestellt (gierend) überqueren. Durch die Richtung des Gierens wird die Fahrtrichtung bestimmt.
Auf Flüssen gibt es auch die sog. Rollfähren. Dabei ist ein Stahlseil von einem Ufer zum anderen gespannt. Die Rollfähre selbst bewegt sich an einem Seil über eine Seilrolle von einem Ufer zum anderen. Es wird durch die Strömung getrieben.
Neben Fährschiffen und Fährbooten gibt es auch Schwebefähren, die an einer Seilkonstruktion unter einer Brücke hängen und das Gewässer schwebend überqueren. Beispiele dafür gibt es in Rendsburg (unter der Rendsburger Hochbrücke) und an der Oste.
In manchen Teilen der Erde gibt es auch, auf die Benutzung bezogen, kostenlose Fähren wie z.B. in Woolwich (London, England über die Themse) und in Amsterdam (über den IJ). In Deutschland sind die Fähren über den Nord-Ostsee-Kanal für Benutzer kostenlos.
Die Fahrt mit einer Fähre ist in Mythen und Erzählungen oft als Metapher für Übergang oder entscheidende Phasen einer Reise zu finden. Der Fährmann erscheint dabei meist als ein Führer oder Helfer für jene die er zum anderen Ufer, sei es das Reich der Toten oder der nächste Abschnitt der Reise, bringt.
Bereits im Gilgamesch Epos, einer der ältesten bekannten Dichtungen der Menschheit, die von der Suche des sumerischen Königs Gilgamesch (regierte etwa 2652 v. Chr.-2602 v. Chr.) nach Unsterblichkeit erzählt, erscheint der Fährmann Urschanabi, der den König über die Wasser des Todes bringt. Gemäß dem Ägyptischen Totenbuch bringt Mahaf die Seelen der Toten auf einem Boot aus Papyrus in die Unterwelt. Ein bemerkenswertes Detail: Das Totenschiff steht unter der Obhut des Gottes Aken, der die meiste Zeit damit verbringt am Ruder zu schlafen. Sollen Seelen zu dessen Gemahlin Amet, die die Seelen am Tor der Unterwelt begrüßt, gebracht werden, muß Mahaf ihn erst aufwecken - was allerdings, glaubt man den alten Texten, mitunter nicht einfach ist. Aus der griechischen Mythologie ist der Fährmann Charon bekannt, der ebenfalls die Seelen der Toten über den Fluss Acheron (auch Lethe oder Styx) zum Eingang der Unterwelt begleitet. In der nordischen Mythologie erscheint Odin als Fährmann namens Hárbarðr ("Graubart"), der seinem Sohn Thor eine Lektion erteilt.
Die mythologische Figur des Fährmanns fand auch immer wieder Eingang in die Kunst. So erscheint in Dante Alighieris"Göttlicher Komödie" (Divina Comedia), entstanden im frühen 14. Jahrhundert, im achten Gesang des zweiten Buches (Purgatorio, "Fegefeuer"), der Fährmann Phlegias um Dante und Vergil über den Fluss Styx zu bringen. Das Motiv wird in den 1950er Jahren zum Vorbild für Salvador Dalís "Der Nachen mit dem Engel als Fährmann", in seiner, aus 101Aquarellen bestehenden, Serie zur Divina Comedia.
Hermann Hesse greift das Motiv des Fährmanns in seinem Buch "Siddhartha - eine indische Dichtung" (1922) auf, indem er Siddhartha, den Suchenden, an einem Wendepunkt seines Lebens zum Gehilfen des Fährmanns Vasudeva und später selbst zum Fährmann werden lässt.
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