Das Evangelium nach Markus ist das zweite Buch des Neuen Testaments der Bibel und wird seit dem Mittelalter in 16 Kapitel eingeteilt. Es ist das kürzeste der vier kanonischen Evangelien.
Die früheste Erwähnung eines "Markus" als Autor des Evangeliums findet sich bei Papias von Hierapolis (ca. 130 / 140 n. Chr.). Die altkirchliche Überlieferung bezeugt eindeutig, dass Johannes Markus das Evangelium aufgrund der mündlichen Berichte von Simon Petrus aufgezeichnet hat. Bemerkenswert dabei ist, dass dieser Johannes Markus im Neuen Testament nur eine Nebenfigur und keine besondere Autorität ist.
Empfänger
Jüdische Sitten und aramäische Ausdrücke werden im Evangelium sorgfältig erklärt, was darauf hinweist, dass die Empfänger keine Juden waren. Gleichzeitig gibt es wenig Hinweise auf alttestamentliche Prophezeiungen und ähnliches, was für Juden von Interesse gewesen wäre. Von daher ist die Angabe der Kirchenväter, dass Markus sein Evangelium in Rom für Heidenchristen geschrieben habe, plausibel.
Verfasser, die die Autorschaft des Johannes Markus anzweifeln, nehmen oft auch andere Orte an, z.B. Antiochia oder Ägypten.
Datierung
Das Markusevangelium wird je nach Autor zwischen den Vierziger- und den Neunzigerjahren des 1. Jahrhunderts datiert, mit einem Schwergewicht in den Siebzigerjahren.
Die Passionsgeschichte und Grablegung könnten aus einer sehr alten Tradition stammen, Hinweise darauf sind der sehr sachliche Stil und insbesondere der Umstand, dass der Name des Hohenpriesters im Gegensatz zu den anderen Evangelien nirgends erwähnt ist, was darauf deutet, dass der Text noch während der Amtszeit von Kaiaphas (18 - 37) entstand.
Besondere Merkmale
Das Markusevangelium erzählt schlicht und realistisch. Jesus wird in 1,1 als Jesus Christus der Sohn Gottes vorgestellt, aber in diesem Evangelium auch besonders menschlich geschildert, er wird zornig und traurig (3,5), hat Hunger (11,12), ist müde (4,38), herzt Kinder (10,16).
Markus ist in seinem Evangelium nicht an Kindheitserzählungen über Jesus interessiert. Er konzentriert sich auf das Wirken des erwachsenen Jesus. Er schildert besonders den Eindruck, den Jesus auf seine Mitmenschen machte: Staunen, Ehrfurcht, Bestürzung und Unverständnis. Für Markus lag aber das Zentrum des Wirkens von Jesus im unschuldigen Tod am Kreuz.
Viele Theologen sehen es als das älteste der drei synoptischen Evangelien und vertreten die These, dass sowohl das Matthäus- als auch das Lukasevangelium unabhängig voneinander Materialien aus dem Markusevangelium übernommen haben, und dann einige gemeinsame sowie eine Reihe unabhängiger Quellen hinzugefügt haben. Es gibt allerdings auch andere Thesen zur Entstehung der synoptischen Evangelien.
Inhalt
Galiläa - Handeln (1,1-8,26)
Vorgeschichte
Johannes der Täufer (1,2-8)
Taufe Jesu (1,9-11
Versuchung (1,12-13)
Erste Zeit in Kapernaum (1,14-45)
Berufung der ersten Jünger (1,16-20)
Heilung der Schwiegermutter des Petrus (1,29-31)
Streitgespräche
Heilung eines Gelähmten (2,1-12)
Berufung des Levi (2,13-17)
Frage nach dem Fasten (2,18-22)
Abreissen der Ähren am Sabbat (2,23-28)
Heilung am Sabbat (3,1-6)
Jesu Verwandte (3,20-21, 31-35)
Gleichnisse
Machttaten
Sturm auf dem See (4,35-41)
Heilung des Besessenen von Gerasa (5,1-20)
Auferweckung der Tochter des Jairus und Heilung der blutflüssigen Frau (5,21-43)
Ablehnung in der Heimat (6,1-6)
Enthauptung des Täufers (6,17-29)
Weitere Machttaten
Speisung der Fünftausend (6,30-44)
Gang auf dem Wasser (6,45-52)
Erhörung der Bitte einer heidnischen Frau (7,24-30)
Heiling eines Taubstummen (7,31-37)
Jerusalem - Leiden (8,27-16,20)
Weg nach Jerusalem (8,27-10,52)
Messiasbekenntnis des Petrus
Erste Leidens- und Auferstehungsankündigung
Zweite Leidens- und Auferstehungsankündigung
Verklärung
Dritte Leidens- und Auferstehungsankündigung
Heilung des Blinden bei Jericho
In Jerusalem (11,1-13,37)
Einzug
Endzeitrede
Passion (14,1-15,47)
Passahmahl
Gebet in Getsemane
Gefangennahme
Verhör vor dem Hohen Rat
Verleugnung des Petrus
Verhandlung vor Pilatus
Kreuzigung und Tod
Begräbnis
Auferstehung (16,1-20)
Das leere Grab (16,1-8)
Erscheinungen des Auferstandenen (16,9-20)
Missionsbefehl an die Jünger (16,15-18)
Hinweise auf editorische Kürzungen
Seit dem Fund eines Clemens von Alexandria zugeschriebenen Briefes im Jahr 1958 wird die These vertreten, dass einige Passagen aus dem Markus-Evangelium gekürzt wurden, weil sie nicht in das Glaubensbild der Kirchenväter passten. Zwei dieser Stellen, von denen eine auf eine körperliche Beziehung zwischen Jesus und Lazarus hinweist, sind durch den Clemens-Brief unbeabsichtigter Weise erhalten geblieben. Ihre Authentizitiät ist jedoch nicht unumstritten. Siehe auch:Geheimes Markus-Evangelium
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