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Evangelisch-methodistische Kirche

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Die Evangelisch-methodistische Kirche (englisch United Methodist Church) ist eine weltweite christliche Kirche in der Tradition der Reformation, die im 18. Jahrhundert aus der anglikanischen Kirche hervorgegangen ist. Angehörige der Kirche werden als Methodisten bezeichnet, ihre Lehre als methodistische Lehre - die Bezeichnung Methodismus schätzen die Methodisten weniger, da ismen gewöhnlich als Abgrenzung verstanden werden, und Abgrenzung für Methodisten gerade nicht ein Wesenszug ihrer Kirche ist.


Weltweit gibt es etwa 70 Millionen Methodisten, in Deutschland etwa 64.000, in der Schweiz etwa 8.000.


Inhaltsverzeichnis


1 Geschichte

2 Besonderheiten der Evangelisch-methodistischen Kirche

3 Organisation

4 Links

5 Siehe auch:


Geschichte

Die Wurzeln des Methodismus liegen im England des 18. Jahrhunderts. Eine religiöse Studentengruppe fiel in Oxford durch eine allzu systematische Zeiteinteilung und Lebenseinstellung auf. Die Studenten dieses "heiligen Clubs" wurden deshalb spöttisch als "Methodisten" bezeichnet.


Die Brüder John und Charles Wesley und George Whitefield begründeten zwischen 1729 und 1735 nach einer persönlichen Bekehrung eine enthusiastische Erweckungsbewegung innerhalb der anglikanischen Kirche, die Einflüsse des Puritanismus, Pietismus und der Herrnhuter Brüdergemeine aufnahm.


Nicht das erstarrte kirchliche Ritual der anglikanischen Kirche oder frommes Leben und gute Taten machten nach Ansicht der Methodisten den wahren christlichen Glauben aus, sondern bewusste innere Umkehr (Buße) und Wiedergeburt aufgrund der Rechtfertigung durch Jesus Christus, durch die eine persönliche Heilsgewissheit entsteht. Durch die Beziehung zu Jesus Christus muss der Mensch nicht ein der Sünde verhaftetes Wesen bleiben. Heiligung ist für die Methodisten kein erreichter Zustand sondern ein Ziel, verstanden als ein fortgesetztes Wachstum in der Liebe zu Gott und den Mitmenschen (für die Methodisten gibt es das eine nicht ohne das andere). Evangelisation ist ebenso wie Diakonie eine natürliche Folge dieser wachsenden Liebe, und beides gehörte und gehört für die Methodisten untrennbar zusammen.


Die frühen Methodisten zogen als Wanderprediger durch ganz Großbritannien und später auch durch die amerikanischen Kolonien mit dem Ziel, durch begeisternde Erweckungspredigten die Menschen, vor allem einfachere Bevölkerungsschichten, die von der anglikanischen Kirche vernachlässigt wurden, zum Glauben zu bekehren und zu einem geheiligten christlichen Leben zu führen. Wegen ihres ungewöhnlichen, unkonventionellen Auftretens und ihres leidenschaftlichen missionarischen Eifers wurden sie vielfach zur Zielscheibe des Spotts und mussten sich einer harschen Kritik der offiziellen Kirche stellen. Eine Vielzahl von zeitgenössischen Pamphleten zeugt von den heftigen Kontroversen jener Tage: So warf man den Methodisten vor, dass sie religiöse Fanatiker seien, die den Geist des Puritanismus oder Papismus in England wieder aufleben ließen, dass sie Streit innerhalb der anglikanischen Kirche hervorriefen und den Menschen einen zu leichten, aber völlig falschen Weg zum Heil vorgaukelten, indem sie die Rechtfertigung durch Glauben allein propagierten, ohne dass gute Taten zu folgen hätten. Bischof William Warburton schrieb sogar, dass wohl der Teufel die "männliche Hebamme" bei der methodistischen Wiedergeburt sei. Offizielle anglikanische Geistliche gaben die Losung aus: "Man muss die Methodisten mit Schlägen vertreiben, nicht mit Argumenten!" In der Tat bezogen etliche Methodistenprediger regelrecht Prügel. Man bewarf sie mit faulen Eiern und Steinen, man schlug mit Knüppeln auf sie ein, und manche ihrer Häuser wurden demoliert. Einige trampelten auf den Methodisten herum, "um den Heiligen Geist herauszutreten". Man scheute sich auch nicht, die Anhänger Whitefields und Wesleys auf eine Stufe mit den Verrückten im Londoner Irrenhaus Bedlam zu stellen, zumal es tatsächlich Bekehrte gab, die unter medizinische Aufsicht gestellt werden mussten, und John Wesley selbst einräumte, dass dies eine mögliche Konsequenz der Bekehrung sei. Einige Kritiker gingen so weit, den Methodisten sexuelle Ausschweifungen auf den von ihnen veranstalteten "Love Feasts" vorzuwerfen. Den Predigern hielt man vor, junge Mädchen verführt zu haben, zumal sie gerade bei Frauen großen Erfolg mit ihren Bekehrungsversuchen hatten. Zeitgenössische Karikaturisten trugen das Ihrige dazu bei, die Methodisten zu verunglimpfen und lächerlich zu machen. Die derart Angegriffenen predigten weiter, verteidigten sich mit Gegenschriften, und organisierten die rasch wachsende Zahl ihrer Anhänger, besonders unter den Volksgruppen, die von der anglikanischen Kirche vernachlässigt wurden. Im Todesjahr von Charles Wesley gab es in England 75.000 Methodisten.


Wesentliche Merkmale der frühen Methodisten waren ein persönlicher, engagierter Glaube, das Laienpredigertum, die Organisation in kleinen lokalen Gruppen (Klassen) mit Bibelstudium und strenger gegenseitiger Rechenschaftspflicht, das Ideal eines heiligen christlichen Lebens und die Sozialarbeit. John Wesley war nicht nur Prediger, sondern auch ein ausgezeichneter Organisator, der Armenapotheken und Darlehenskassen gründete, Bücher über Volksmedizin schrieb, und sich für Gefängnisreformen und gegen die Sklaverei engagierte.


In den USA stellte sich heraus, dass der Methodismus mit den Bedingungen des "Wilden Westens", wo es keine staatlichen oder anderen Strukturen gab, besser zurechtkam als andere Konfessionen, und im 19. Jahrhundert waren die Methodisten zur größten Religionsgemeinschaft in den USA geworden. In dieser Zeit entwickelte sich in den USA auch ein deutschsprachiger Zweig der Methodisten, die Evangelische Gemeinschaft (Evangelical United Brethren Church).


Auf dem europäischen Kontinent fasste der Methodismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Fuß, in erster Linie durch zurückkehrende Auswanderer, die in Amerika Methodisten geworden waren, aber parallel dazu auch durch Missionare der englischsprachigen Methodisten aus England und den USA, so dass sich der kontinentale Methodismus aus drei methodistischen Zweigen entwickelte, die sich schließlich zur Evangelisch-methodistischen Kirche vereinigten.


Besonderheiten der Evangelisch-methodistischen Kirche

  • Eine Besonderheit der Evangelisch-methodistischen Kirche ist, dass sie theologisch keine Sonderlehre vertritt, sondern sich ganz bewusst als Teil der allgemeinen christlichen Kirche sieht.
  • Die methodistische Kirche hat sich, im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen nie wegen einer Lehrdifferenz von einer anderen Kirche abgespaltet - die Entstehung von unterschiedlichen methodistischen Kirchen war durch politische Verhältnisse, sprachliche oder kulturelle Unterschiede bedingt. Es ist auch öfters vorgekommen, dass sich zwei methodistische Kirchen vereinigt haben, zum Beispiel 1968 die Bischöflich-methodistische Kirche und die Evangelische Gemeinschaft zur Evangelisch-methodistischen Kirche (englisch United Methodist Church) oder dass sich methodistische Kirchen mit anderen Kirchen zusammengeschlossen haben; zum Beispiel in Kanada mit der Congregational Union und der Presbyterianischen Kirche zur United Church of Canada.
  • Im Gegensatz zu manchen anderen Freikirchen ist die methodistische Kirche weltweit gesehen eine der größten protestantischen Kirchen (es gibt insgesamt mehr Methodisten als Lutheraner oder Reformierte).
  • Durch ihre Größe und geographische Verteilung auf alle Kontinente umfasst sie ein vergleichsweise weites theologisches Spektrum in der protestantischen Mitte (weder extrem liberal noch fundamentalistisch).
  • Die evangelisch-methodistische Kirche besteht nicht aus autonomen Gemeinden, sondern sie ist weltweit verbunden durch ein Netz von lokalen und regionalen Konferenzen bis zur weltweiten Generalkonferenz (paritätisch aus Pastorinnen/Pastoren und Laien zusammengesetzt), deren Beschlüsse für die Kirche verbindlich sind.
  • Kindertaufe ist die Regel, führt aber nicht zur automatischen Mitgliedschaft: Methodist ist nur, wer sich als Erwachsene bewusst dafür entscheidet, der methodistischen Kirche beizutreten und aktiv am Gemeindeleben teilzunehmen (es gibt in jeder methodistischen Kirche auch mehr oder weniger zahlreiche Gäste, die keine offiziellen Mitglieder sind, aber ebenfalls am Gemeindeleben teilnehmen).
  • Die Laien (ehren- oder hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne Ordination) haben bei den Methodisten einen großen Stellenwert, sowohl in der Gemeinde selbst, wo sie auch Predigt und Führungsaufgaben übernehmen können, als auch bei der Willensbildung in den Konferenzen auf allen Ebenen, zu denen gleichviele Laien wie Pastorinnen/Pastoren delegiert werden.
  • Die evangelisch-methodistische Kirche ist eine Kirche, die sich bewusst in der Ökumene engagiert und für Christen anderer Konfessionen offen ist. Zur Abendmahlsfeier sind nicht nur Bekehrte, Glaubende oder Mitglieder der eigenen Kirche zugelassen, sondern jeder, der Gottes Vergebung sucht und das aufrichtige Verlangen hat, an der Tischgemeinschaft Jesu Christi teilzunehmen.
  • Gemeinschaft und soziale Tätigkeit sind für Methodisten ein wesentlicher Bestandteil des christlichen Lebens.



Organisation

Die Evangelisch-methodistische Kirche ist lokal und weltweit stark vernetzt, im Gegensatz zu anderen Freikirchen, die die Selbständigkeit der Gemeinden betonen.


Die Pastorinnen/Pastoren (in der Schweiz Pfarrerinnen/Pfarrer) sind nicht von der Gemeinde, sondern von der übergeordneten Konferenz angestellt und wechseln alle paar Jahre zu einer anderen Gemeinde. Im deutschsprachigen Raum erfolgt ihre Ausbildung in der Regel im Theologischen Seminar der Evangelisch-methodistischen Kirche in Reutlingen. Als Freikirche verzichtet die Evangelisch-methodistische Kirche auf den Einzug von Kirchensteuern; sie finanziert sich allein durch freiwillige Beiträge ihrer Mitglieder.


Ein weiteres Kennzeichen der Methodisten sind die Konferenzen, paritätisch aus Pastorinnen/Pastoren und Laien zusammengesetzte Gremien, die über Glaubens- und Verwaltungsfragen bis hin zur Kirchenordnung der Gesamtkirche entscheiden. Es gibt Konferenzen auf lokaler, regionaler und gesamtkirchlicher Ebene. In Europa gibt es drei Zentralkonferenzen, die jeweils die unter der Leitung eines Bischofs stehen:







Links




Siehe auch:



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