Während heute kein Name passender für die europäische Gemeinschaftswährung scheint als das Wort »Euro«, versuchten vor allem die Franzosen und auch die Niederländer, dem neuen Geld die Namen ihrer alten Währungen aufzupflanzen: Euro-Franken und Euro-Gulden waren lange Zeit die wichtigsten Kandidaten. Erst der damalige deutsche Finanzminister Theo Waigel kam auf die zündende Idee, das Geld einfach kurz »Euro« zu nennen. Auf dem Madrider EU-Gipfel 1995 überzeugte er die Runde und wohl auch die EU-Bürger im Grunde mit einem einzigen Satz, mit seiner berühmt gewordenen Replik auf den Einwand Jean-Claude Junckers, der Name klinge aber »nicht sehr erotisch«. Waigel meinte daraufhin: »Der Name klingt vielleicht nicht erotisch - aber er klingt eurotisch.«
Bei der Euphorie über die Prägnanz des Namens in der geschriebenen Sprache wurde die praktische Schwierigkeit wohl übersehen, dass der Name des gemeinsamen Geldes überall anders ausgesprochen wird. Alleine in den neun offiziellen Sprachen der Teilnehmerländer kommt man auf zehn Aussprache-Variationen für dieses kleine Wort. Sie ergeben sich aus sechs verschiedenen Aussprachen des Grundwortes »Euro« und der Kombination mit einem (hörbaren) Plural, den außer Deutsch und Französisch alle Sprachen bilden.
Einführungsprozess
Der Vorläufer des Euro ist der ECU, die zentrale Recheneinheit des Europäischen Währungssystems (EWS), das 1979 in Kraft trat. Obwohl der ECU praktisch im Wertverhältnis 1:1 in den Euro umgetauscht wurde, ist nur der Euro eine echte Währung; der ECU war nur eine Recheneinheit, auch keine Buchwährung. Außerdem sind die Teilnehmerländer teilweise unterschiedlich; nur Deutschland, Frankreich und die Benelux-Länder waren dauerhaft im EWS integriert und sind gleichzeitig jetzt Euro-Länder.
Der Euro wurde am 1. Januar 2002 feierlich vor der Zentrale der EZB begrüßt
Der Umrechnungskurs der einzelnen Landeswährungen in den Euro wurden am 31. Dezember 1998 festgelegt.
Seit dem 1. Januar 1999 konnten Überweisungen und Lastschriften in Euro ausgestellt werden (in Griechenland seit dem 1. Januar 2001). Konten und Sparbücher konnten wahlweise in Euro geführt werden. Wertpapiere und Aktien wurden nur noch in Euro gehandelt.
Am 1. Januar 2002 wurde der Euro für den allgemeinen Geldverkehr in Form von neuen Münzen und Geldscheinen eingeführt.
In der Übergangszeit (unterschiedlich nach Land, meist nur bis Februar 2002) existierten in jedem teilnehmenden Land Zahlungsmittel in Euro und der alten Landeswährung parallel. Mittlerweile sind die ehemaligen Landeswährungen keine gültigen Zahlungsmittel mehr.
Sie können jedoch - auch das ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich geregelt - noch bei den jeweiligen nationalen Zentralbanken gegen Euro eingetauscht werden.
Interessanterweise nahmen weit bis in die zweite Hälfte des Jahres 2002 z. B. manche deutschen Kaufhäuser in Sonderaktionen die alte Währung (in diesem Falle DM) als Zahlungsmittel an, obwohl sie kein offizielles Zahlungsmittel mehr war.
Einige Staaten waren bereits eine Währungsunion mit anderen Teilnehmern der EWU eingegangen, die demzufolge ebenfalls den Euro als gesetzliche Währung einführten. Diese sind:
Neben den offiziellen Teilnehmern haben sich auch einige Territorien dazu entschlossen, inoffiziell den Euro als ihre Standardwährung zu wählen (ohne dass die EU dazu einen Beschluss gefasst hätte):
Andorra (beabsichtigt eigene Euro-Münzen zu prägen, bisher keine Erlaubnis der EU)
EU-Staaten, die sich gegen den EURO entschieden haben
Die EU-Staaten Dänemark, Schweden und Großbritannien haben sich nicht für die neue Währung entschieden und behalten bis auf weiteres ihre alten Währungen. Am 14. September 2003 lehnte Schweden zum zweiten Mal in einer Volksabstimmung den Beitritt Schwedens zur EWU ab.
Estland, Litauen und Slowenien sind dem Europäischen Wechselkursmechanismus II (WKM II) mittlerweile beigetreten. Damit können sie Mitte 2006 die europäische Gemeinschaftswährung einführen. Allerdings hatte Slowenien im Juni 2004 noch eine zu hohe Inflationsrate.
Ökonomische Folgen der Einheitswährung
Von der Einführung des Euro erwartete man verstärkten Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern der Eurozone. Es wurde vermutet, dass dies von Vorteil für die Bevölkerung der Eurozone sein würde, da Handel in der Vergangenheit eine der Hauptquellen ökonomischen Wachstums war.
Weiterhin ging man davon aus, dass Preisunterschiede für Produkte und Dienstleistungen in den Ländern der Eurozone abnehmen würden: Durch Arbitrage-Handel (Handel gleicher Produkte und Dienstleistungen zwischen den Euro-Ländern) sollten bestehende Unterschiede schnell ausgeglichen werden. Dies führe zu verstärktem Wettbewerb zwischen Anbietern und damit zu niedriger Inflation und mehr Wohlstand der Verbraucher.
Einige Wirtschaftswissenschaftler äußerten Bedenken zu den Gefahren einer Einheitswährung für eine große und heterogene Wirtschaftszone wie Euroland. Insbesondere wenn nicht alle beteiligten Länder gleichzeitig einen wirtschaftlichen Aufschwung oder eine Abkühlung durchlaufen sollten, bereite eine angemessene Geldpolitik Schwierigkeiten.
Politisch war und ist fraglich, ob EZB und Europäische Kommission die Mitgliedsländer zu hinlänglicher Haushaltsdisziplin werden anhalten können: Entziehen sich einzelne Länder oder Ländergruppen ihrer haushaltspolitischen Verantwortung, werden Inflationsrate und Finanzierungskosten für diese Länder solange relativ niedrig bleiben wie sich der Großteil der restlichen Euro-Länder nicht zu stark verschuldet. Dies könnte verspätete oder nicht ausreichende Korrekturen der Haushaltspolitiken fördern und zu Wohlstandseinbußen führen (Süddeutsche Zeitung, 25.11.2003).
Mit der Einführung des Euro stellten viele Verbraucher eine Verteuerung von Waren und Dienstleistungen über der Inflationsrate fest. Diese Verteuerung wird in Deutschland darauf zurückgeführt, dass einige Anbieter Preise für Waren und Dienstleistungen zum Teil bis zu 1:1 zwischen D-Mark und Euro umrechneten. Teilweise wurde auch vor der Euro-Einführung der Preis moderat angehoben, um nach der Währungsunion Preise auf »runde« Euro-Beträge aufrunden zu können. Deshalb bekam der Euro in der Bevölkerung auch weitläufig den Namen »Teuro«. Den offiziellen Statistiken gemäß ist es aber zu keiner bedeutenden Teuerung gekommen.
Ein weiterer, und vielleicht entscheidender Effekt, betrifft den Erdölpreis. Die Eurozone verbraucht eine größere Menge importierten Öls als die Vereinigten Staaten. Das bedeutet, dass der Eurofluss in die OPEC-Länder den des Dollars übertrifft - allerdings wird nach wie vor Öl in Dollarpreisen angegeben (mit der Ausnahme des Iraks unter Saddam Hussein bis zur Invasion 2003). Innerhalb der OPEC wird heftig diskutiert, die Preise auf Euro umzustellen, was auch viele Drittländer dazu zwingen würde, Teile ihrer Devisenreserven vom Dollar in Euroguthaben umzuwandeln, um so Öl kaufen zu können. Ein solcher Wechsel würde eine deutliche Verschiebung der weltwirtschaftlichen Bedeutung von den USA weg auf die Eurozone bedeuten. Venezuela unter Hugo Chavez ist ein besonders lautstarker Vertreter dieses Wechsels, obwohl sie selber einen Großteil ihres Öls an die Vereinigten Staaten verkaufen.
Umrechnungskurs des Euro
Der Wechselkurs der Währungen der an der Währungsunion teilnehmenden Staaten wurde am 31. Dezember 1998 zum 1. Januar 1999 festgelegt. Basis ist dabei der Umrechnungswert der zuvor bestehenden ECU (European Currency Unit) gewesen.
Ab diesem Zeitpunkt wird der Euro als Währung international gehandelt, mit steigender Tendenz. Alle teilnehmenden Länder haben dabei einen festgelegten konstanten Kurs gegenüber dem Euro. Am 4. Januar 1999, dem ersten Tag des Börsenhandels in Euro an der Frankfurter Börse hatte der Euro einen Wechselkurs von rund 1,17 US-Dollar pro Euro. Der Kurs des Euro entwickelte sich in Relation zum US-Dollar zunächst eher negativ und erreichte über die ersten zwei Jahre des Börsenhandels immer weitere Tiefstände, das Allzeittief liegt bei rund 0,82 US-Dollar pro Euro. Dieser Trend änderte sich jedoch und zum Jahreswechsel 2003/04 verteuerte sich der Euro stark und übersprang am 12. Januar 2004 sogar kurz die Marke von 1,29 Dollar. Von Vorteil ist der gemeinsame Währungsmarkt insofern, als er eine größere verfügbare Geldmenge schafft, und daher den Geldmarkt fördert.
Sollen Beträge verschiedener Währungen ineinander umgerechnet werden, so ist immer zuerst von der Ausgangswährung in den Euro und dann vom Euro in die Zielwährung umzurechnen. Dieses als Triangulation bezeichnete Verfahren wurde von der Europäischen Kommission verbindlich vorgeschrieben, um Rundungsfehler zu minimieren.
Das internationale Drei-Buchstabenkürzel des Euro lautet EUR. Beim Euro wurde damit das ansonsten gültige Schema aufgegeben, nach dem die ersten beiden Buchstaben des internationalen Kürzels das Land bezeichnen, und der Dritte Buchstabe für den Namen der Währung steht.
Euro-Währungssymbol
Das Euro-Währungssymbol € wurde von Arthur Eisenmenger entworfen (genaue Geometrie des Zeichens). Es ist ein großes, aber rundes E, welches in der Mitte zwei waagerechte Striche besitzt (oder auch wie ein C mit einem Gleichheitszeichen (=) kombiniert). Es erinnert an den griechischen Buchstaben Epsilon (ε) und damit an den antiken Ursprung Europas. Die zwei geraden Striche stehen für die Stabilität des Euro und des europäischen Wirtschaftsraums ([1], [2]).
Das Euro-Währungssymbol wird im Unicodesystem durch den hexadezimalen Code 0x20AC representiert. Auch in der älteren Achtbit-Normenfamilie ISO 8859 existieren mit ISO 8859-15 (ISO-Latin-9) und ISO 8859-16 (ISO-Latin-10) zwei Zeichenkodierungsschemata, welche unter dem hexadezimalen Code 0xA4 das das Eurosymbol representieren. Unter Microsoft Windows kommt häufig die proprietäre Zeichenkodierung Windows-CP-1252 zum Einsatz, in der das Euro-Symbol durch 0x80 (hexadezimal) representiert wird. In HTML kann es durch € kodiert werden. Das Cent-Symbol ¢ ist in HTML mit ¢ darstellbar, soll aber nicht für Eurocent verwendet werden. Die direkte Eingabe über die Tastatur ist vielfach über die die Tastenkombination Alt Gr + E möglich.
Euromünzen
Die Euromünzen sind mit ihrer Vorderseite in allen Ländern identisch. Sie haben allerdings auf der Rückseite nationale Motiv-Prägungen. Dennoch kann in der gesamten Währungsregion damit bezahlt werden. Ein Euro wird in einhundert Cent unterteilt. Die Münzen zu 1 und 2 Euro bestehen aus zwei unterschiedlichen Legierungen. Unter Gebrauchsbedingungen entsteht ein elektrochemisches Spannungsgefälle, das Nickel-Ionen aus der Legierung herauslöst. Ob dies möglicherweise allergische Reaktionen hervorrufen kann, wird noch diskutiert.
Als Sondermünzen werden in verschiedenen Ländern unterschiedliche Nennwerte angefertigt, die aber nur im jeweiligen Prägungsland gültig sind. In Deutschland etwa prägt man (nach dem Vorbild der Deutschen Mark) Sondermünzen mit 10 Euro Nennwert.
Folgende Euromünzen gibt es:
Cent-Münzen:
· 1 Cent - Durchmesser: 16,25 mm, Dicke: 1,67 mm, Gewicht: 2,3 g, Rändelung: glatt
2 Cent - Durchmesser: 18,75 mm, Dicke: 1,67 mm, Gewicht: 3,06 g, Rändelung: glatt mit Einkerbung
5 Cent - Durchmesser: 21,25 mm, Dicke: 1,67 mm, Gewicht: 3,92 g, Rändelung: glatt
10 Cent - Durchmesser: 19,75 mm, Dicke: 1,93 mm, Gewicht: 4,1 g, Rändelung: grob geriffelt
20 Cent - Durchmesser: 22,25 mm, Dicke: 2,14 mm, Gewicht: 5,74 g, Rändelung: glatt mit Dellen
50 Cent - Durchmesser: 24,25 mm, Dicke: 2,38 mm, Gewicht: 7,8 g, Rändelung: grob geriffelt
Euro-Münzen:
· 1 Euro - Durchmesser: 23,25 mm, Dicke: 2,38 mm, Gewicht: 7,5 g, Rändelung: gebrochen geriffelt
2 Euro - Durchmesser: 25,75 mm, Dicke: 2,2 mm, Gewicht: 8,5 g, Rändelung: fein geriffelt mit Schriftprägung
Eurobanknoten
Die Eurobanknoten hingegen sind in allen Ländern identisch. Es gibt 5 Euro, 10 Euro, 20 Euro, 50 Euro, 100 Euro, 200 Euro und 500 Euro.
Die Scheine zeigen verschiedene Motive zu den Themen Zeitalter und Baustile in Europa.
Die Vorderseiten zeigen als Motiv ein Fenster oder eine Fensterfront, die Rückseiten jeweils eine Brücke. Dabei sind keine realen Bauwerke abgebildet, sondern es wurden die Stilmerkmale der einzelnen Epochen in eine archetypische Abbildung eingebracht.
Anhand des Anfangsbuchstabens der Seriennummer lässt sich jedoch das Herkunftsland feststellen.
Die Währungen der Niederländischen Gebiete (Aruba-Florin und Antillen-Gulden) sind und waren an den Dollar gebunden und waren von der Euro-Einführung nicht betroffen.
In allen Gebieten gilt seit 1. Januar 1999 der Euro, die Départements wurden jedoch »automatisch« vom Vertragswerk mit Frankreich erfasst, für die Gebietskörperschaften wurde eine gesonderte Ratsentscheidung notwendig. (Entscheidung des Rates vom 31. Dezember 1998 über die Währungsregelungen in den französischen Gebieten Saint-Pierre und Miquelon sowie Mayotte (1999/95/EG))
Darüber hinaus erlangt der Euro in vielen Ländern als Devise große Bedeutung als Alternative zum Dollar. Einige Währungen, die früher an eine der Vorgängerwährungen des Euro gekoppelt waren, haben nun einen festen Wechselkurs zum Euro:
Die neuen EU-Mitglieder Estland, Litauen und Slowenien haben ihre Währungen an den Euro gekoppelt. Damit haben sie den ersten Schritt gemacht, um die Gemeinschaftswährung ab 2006 einführen zu können.
Umtauschphase alter Währungen gegen Euro
Ab Mitte Dezember 2001 konnte bei Banken und Sparkassen in Deutschland eine erste Euro-Münzmischung (Starter Kit) zum Preis und Wert von 20 DM erstanden werden.
Die enthaltenen Münzen konnten dann ab dem 1. Januar 2002 verwendet werden. Banknoten gab es ab dem 1. Januar 2002 an Geldausgabeautomaten und ab dem 2. Januar 2002 an den Schaltern der Banken und Sparkassen. Insgesamt wurde die Umstellung praktisch in einem großen Rutsch innerhalb von ein bis zwei Monaten vollzogen. Trotzdem wurden bis Ende November 2003 nach Auskunft der Bundesbank (Frankfurt) noch 8,5 Milliarden DM in Scheinen und 7,4 Milliarden DM in Münzen nicht umgetauscht.
Seit dem 28. Februar 2002 besteht in Deutschland gesetzlich ein Anspruch auf gebührenfreien Geldumtausch von D-Mark in Euro bei den Landeszentralbanken.
Akzeptanz in der Bevölkerung
Deutschland: Ein Forschungs-Team der Fachhochschule Ingolstadt hat zweieinhalb Jahre nach Einführung des Euroeine Studie zur Akzeptanz des Euro in der deutschen Bevölkerung vorgelegt. Ihr Resultat: Fast 60 Prozent sind mittlerweile dem Euro positiv gegenüber eingestellt, doch in bestimmten Momenten trauert man doch der D-Mark noch hinterher. Beim Umrechnen gilt: Je höher die Beträge, desto verbreiteter wird umgerechnet. Bei allen Preise rechnen lediglich 48 Prozent der Befragten um. Bei Preisen über 100 Euro rechnen 74 Prozent um.
Bei Reisen und im Urlaub gewinnt der Euro deutlich an Sympathie. Auch der bessere Preis-Vergleich innerhalb Europas wird positiv bemerkt. Die Befragten ließen auch äußerliche Aspekte nicht außer Acht: Viele finden es gut, dass durch die einheitliche und internationale Währung eine Gegenposition zu Dollar und Yen geschaffen wurde.
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