Der Eudämonismus ( griech. eudaimonimós : "das Glücklichpreisen") eigentlich: die Glückseligkeitslehre - bezeichnet eine ethische Lehre, nach der das eigentliche Motiv, letzte Ziel und sittliche Kriterium des menschlichen Handelns die Glückseligkeit ist. In der Regel wird vom Eudämonismus die Glückseligkeit als Genußfähigkeit des Menschen aufgefaßt. Insofern wird der Eudämonismus auch als Philosophie des Genusses bezeichnet.
Zur Unterscheidung der verschiedenen Arten des Eudämonismus
Nach der Art von Glückseligkeit, auf die das menschliche Handeln nach dieser oder jener eudämonistischen ethischen Lehre gerichtet sein soll, kann zwischen einem
egoistischen - Verwirklichung rein individueller Glückseligeit auf Kosten anderer bzw. ohne Rücksicht auf andere
altruistischen oder sozialen - Verwirklichung fremder Glückseligkeit, die der Mitmenschen, besonders im Hinblick auf soziale Wohlfahrt und
individuellen - Verwirklichung sinnlicher oder seelischer Glückseligkeit
Eudäminismus unterschieden werden. Wird in einer ethischen Lehre die Glückseligkeit vornehmlich in der Verwirklichung sinnlicher Genüsse gesehen, so ist der Eudämonismus zum Hedonismus modifiziert.
Zur materialistischen Komponente im Eudämonismus
Innerhalb der ethischen Anschauungen des historischen Materialismus ist eine breite sozial orientierte eudämonistische Tradition zu verzeichnen, die von Demokrit und Epikur über den französischen Materialimus des 18. Jahrhunderts bis zu Feuerbach reicht. In dieser Entwicklungslinie stellt der Eudämonismus ein - alledings historisch und weltanschaulich-philosophisch begrenztes - progressives Moment des Kampfes der sozialen Auseinandersetzungen dar, weil die materialistische Philosophie die Verwirklichung der ethischen Ideale nicht in ein erdachtes Jenseits verlegte, sondern sie in dieser, d.h. der gegebenen Welt zu realisieren trachtete.
Indem dieser Materialismus jedoch - unhistorisch - von einer ein für allemal gegebenen menschlichen Natur ausging, offenbarte er seine Seite seiner weltanschaulichen-philosophischen Grenze: im Hinblick auf die Gesellschaft und Geschichte idealistische Theorien zu entwickeln. Diese Seite des Eudämonismus als gesellschaftliche Zwiespältigkeit hat Karl Marx aufgezeigt:
"Die Philosophie des Genusses war nie etwas andres als die geistreiche Sprache gewisser zum Genuß priviligierter gesellschaftlicher Kreise. Abgesehen davon, daß die Weise und der Inhalt ihres Genießens stets durch die ganze Gestalt der übrigen Gesellschaft bedingt war und an allen Widersprüchen litt, wurde die Philosophie zur reinen Phrase, sobald sie einen allgemeinen Charakter in Anspruch nahm und sich als die Lebensanschauung der Gesellschaft im Ganzen proklamierte....
Die Philosphie des Genusses kam auf in der neueren Zeit mit dem Untergang der Feudalität und der Umwandlung des feudalen Landadels in den lebenslustigen und verschwenderischen Hofadel unter der absoluten Monarchie... Zur eigentlichen Philosophie wird sie erst unter den Händen einiger Schriftsteller der revolutionären Bourgeoisie, die einerseits an der Bildung und Lebensweise des Hofadels teilnahmen und andererseits für die auf den allgemeineren Bedingungen der Bourgeoisie beruhende allgemeinere Anschauunsweise dieser Klasse teilten.
Sie wurde deshalb von beiden Klassen, obwohl von ganz verschiedenen Gesichtspunkten aus, akzeptiert... Als die weitere Entwicklung den Adel gestürzt und die Bourgeoisie mit ihrem Gegensatz, dem Proletariat, in Konflikt gebracht hatte, wurde der Adel devot-religiös und die Bourgeoisie freierlich-moralisch und streng in ihren Theorien..., obwohl der Adel in der Praxis keineswegs aufs Genießen verzichtete und der Genuß bei der Bourgeoisie sogar eine offizielle ökonomische Form annham - als Luxus. (in: Die Deutsche Ideologie).
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