Die Eucharistie, auch (Heiliges) Abendmahl oder Herrenmahl, gehört zusammen mit der Taufe zu denjenigen Sakramenten, die in so gut wie allen christlichen Kirchen im Gebrauch sind. Wörtlich bedeutet das griechische Wort Danksagung.
Es gibt im Christentum keine von allen Konfessionen gleichermaßen anerkannte Interpretation der Eucharistie. Sowohl beim Abendmahlsverständnis wie auch bei der Zulassungspraxis zum Abendmahl gibt es unter den christlichen Konfessionen sehr unterschiedliche Auffassungen.
Allerdings lassen sich zwei Hauptgruppen des Eucharistieverständnisses unterscheiden:
Die Vertreter der einen Gruppe lehren, dass in den Elementen von Brot und Wein Christus mit seinem Leib und seinem Blut real gegenwärtig ist (Realpräsenz) und die Teilnehmenden am Abendmahl durch das Essen und Trinken leiblich an Christus Anteil bekommen. Dies ist die Auffassung der orthodoxen, der katholischen, der anglikanischen und der lutherischen Kirchen.
Die Vertreter der anderen Gruppe lehren, dass die Elemente von Brot und Wein nur Zeichen seien, die Christi Leib und Blut "bedeuten", aber nicht "sind". Das Abendmahl ist eine Gedächtnisfeier. Diese Auffassung vertreten die reformierten Kirchen, und die meisten baptistischen Kirchen und Pfingstgemeinden.
Das Abendmahl wird mit Brot und Wein gefeiert. In der katholischen und auch in vielen protestantischen Kirchen verwendet man Hostien aus ungesäuertem Teig, in den Ostkirchen dagegen normales Weißbrot aus Sauerteig. In vielen protestantischen Gemeinden wird seit dem 20. Jahrhundert aus Rücksicht auf Kinder und Alkoholiker kein Wein, sondern Traubensaft zum Abendmahl gereicht. Vor der Erfindung moderner Konservierungsmethoden wäre das natürlich in den meisten Jahreszeiten gar nicht möglich gewesen.
In der Liturgie sind der Text von Lukas und vom Korintherbrief am gebräuchlichsten.
Durch die enge Verknüpfung mit Sterben und Tod Jesu (Jesus setzt das Abendmahl kurz vor seinem Tod ein) wird das Abendmahl mit der Vergebung von Sünde und Schuld verbunden. Zugleich ist es das Mahl des Auferstandenen mit den Seinen (Lk. 24,30f) und das Zeichen der anbrechenden Neuen Welt (Mt. 26,29).
Kirchengeschichte
Jesus hat das Abendmahl als ein um neue Elemente ergänztes jüdisches Passamahl gefeiert.
In der Urkirche wurde das Abendmahl im Zusammenhang mit einer gemeinsamen Mahlzeit der Gemeindeglieder gefeiert. Ungetaufte waren nicht zugelassen, auch nicht als Zuschauer.
Justin der Märtyrer (ca. 110 - ca. 165) verstand Brot und Wein im Abendmahl als Leib und Blut Jesu und ist die älteste erhaltene schriftliche Quelle für den Gedanken des Messopfers, das durch einen Priester dargebracht werden muss (d.h. nicht von Laien).
Eucharistieverständnis
Hier wird an einigen Beispielen das unterschiedliche Abendmahlsverständnis verschiedener Konfessionen gezeigt:
Seit den frühesten Anfängen sieht das Christentum im Kreuzestod Christi ein Opfer, das in der Eucharistiefeier unblutig wiederholt bzw. vergegenwärtigt wird. Im Hebräerbrief 13,10 heisst es:
Wir haben einen Opferaltar, von dem die nicht essen dürfen, die dem Zelte dienen.
Im zweiten Jahrhundert spricht die Didache: Am Tage des Herrn versammelt euch, brecht das Brot und sagt Dank, nachdem ihr vorher eure Übertretungen bekannt habt, damit euer Opfer rein sei. Jeder aber, der mit seinem Freund einen Streit hat, soll nicht mit euch zusammenkommen, bis sie sich versöhnt haben, damit euer Opfer nicht entweiht werde. Diese Sichtweise wurde in der katholischen Kirche über die Jahrhunderte bewahrt und ist auch heute die offizielle Lehrmeinung, so lehrt das Konzil von Trient:
Dieses Opfer ist ein wirkliches Sühnopfer._.., Lehre vom Heiligsten Messopfer, 2. Kapitel
Das Opfer wird entsprechend der katholischen Theologie durch Jesus Christus dargebracht, der sich des Priesters bedient. Deshalb spricht der Priester an Christi statt die Einsetzungsworte "Das ist mein Leib" und "Das ist mein Blut". Nach katholischen Verständnis entspricht das Meßopfer in unblutiger Weise dem Kreuzesopfer, das Christus für die Menschen dargebracht hat, für die Vergebung der Sünden. Er teilt dadurch die selben Gnaden aus: der Empfang der Eucharistie vermehrt die Liebe Gottes, bewahrt dadurch vor der Anhänglichkeit an die Sünde und bewirkt die Vergebung lässlicher Sünden. Somit bleibt Christi Kreuzesopfer durch die Geschichte hindurch in seiner Gemeinde lebendig und wirksam, jeder Mensch kann seinem Opfer beiwohnen.
Da der Opfercharakter der Eucharistiefeier in der katholischen Kirche die zentrale Rolle einnimmt, werden andere Teile weniger betont. So kann ein Priester in bestimmten Ausnahmefällen allein die Messe zelebrieren und auf die Gemeinschaft mit den Gläubigen verzichten, ähnlich in einer sogenannten Stillen Messe den Meßtext leise lesen oder auf die Predigt verzichten - unabhängig von den Gläubigen bleibt der Wert der Messe als Opfer für den Katholiken erhalten und gibt ihr Sinn.
Daneben erfährt die Gemeinde in der Eucharistiefeier im Rahmen der Messe die ewig gewährte Gemeinschaft mit dem auferstandenen und verklärten Christus und sagt dafür Dank. Dieser Gedanke wird jedoch als zweitrangig angesehen, die präzise Lehre des Konzils von Trient sagt dazu:
Wer sagt, in der Messe werde Gott nicht ein wirkliches und eigentliches Opfer dargebracht, oder die Opferhandlung bestehe in nichts anderem, als dass uns Christus zur Speise gereicht werde: der sei (aus der Kirche) ausgeschlossen.
Indem das in der Kirche vereinte Volk Gottes beim Mahl des Herrn den Leib Christi empfängt, wird es selbst zum "Leib Christi".
Realpräsenz
Nach katholischer Lehre sind bei der Eucharistie "Leib und Blut Christi wahrhaft, wesentlich und wirklich gegenwärtig" (Realpräsenz). Durch das vom Priester gesprochene eucharistische Hochgebet, speziell durch die Epiklese (Anrufung des Heiligen Geistes) und die Konsekrationsworte, vollzieht sich die geheimnisvolle Wesensverwandlung von Brot und Wein zum Leib und Blut Christi. Da Jesu Auftrag, Brot und Wein zu seinem Gedächtnis zu teilen, an die Apostel erging, kann die Konsekration nach katholischer Auffassung nur von geweihten Priestern gültig vollzogen werden, da nur diese Nachfolger der Apostel sind.
Ab dem 9. Jahrhundert wurde die Wandlung von Brot und Wein in Christi Leib und Blut immer gegenständlicher aufgefasst, unter zunehmenden Einfluß der Philosophie des Aristoteles. Diese Transsubstantiation wurde im 4. Laterankonzil1215 zum Dogma erhoben. Seitdem haben sich innerhalb der katholischen Kirche zahlreiche Andachtsformen entwickelt, die der Verehrung der Hostie und des Blutes Christi dienen - Zurschaustellung von Hostien in Monstranzen, Fronleichnamsprozession etc. Berichte von Hostienwundern, etwa blutenden Hostien oder gar der Verwandlung einer Hostie in den Schmerzensmann während der Messe, unterstreichen das Dogma.
Für die katholische Kirche ist also in der konsekrierten Hostie Jesus real gegenwärtig und bleibt es auch nach der eigentlichen Opferfeier, weshalb die Hostien im Tabernakel verschlossen und auch als Repräsentation Jesu angebetet werden. Vergleiche auch Fronleichnam.
Für die katholische Theologie besteht kein Widerspruch zwischen der Tatsache, dass es sich beim Brot und Wein der Eucharistie der Gestalt nach weiter um Brot und Wein handelt, und dem Glauben, dass die letzte, eigentliche Wirklichkeit des eucharistischen Brots und Weins der wirklich gegenwärtige Christus ist. In der traditionellen Sprache der katholischen Theologie: Die Akzidentien (Eigenschaften) sind Brot und Wein, die Substanz, das Wesenist der Leib und das Blut Christi. Christus ist unter den Gestalten von Brot und Wein wahrhaft gegenwärtig.
Kommunion
Das Sakrament wirkt durch seinen korrekten, der Einsetzung gemäßen Vollzug, ex opere operato. Die katholische Kirche empfielt die häufige und sogar tägliche Kommunion - jedoch nicht mehr als einmal pro Tag. Allerdings darf nur kommunizieren, wer mehrere Voraussetzungen erfüllt. Zum einen ist zur Kommunion der Glaube an die Realpräsenz Christi nötig, weshalb kleine Kinder nicht kommunizieren dürfen, die die Hostie noch nicht von normalem Brot unterscheiden können. Weiterhin muss der Kommunizierende auch frei von schweren Sünden sein - gegebenenfalls muss er sich vor der Kommunion in der Beichte mit Gott versöhnen.
Nach katholischem Glauben ist Jesus Christus unter der Gestalt des Brotes als auch unter der Gestalt des Weines ganz und lebendig mit Leib und Blut, Seele und Gottheit enthalten - im Gegensatz zu dem Glauben, Christi Leib sei nur unter der Gestalt des Brotes und sein Blut nur unter der Gestalt des Weines gegenwärtig. Somit ist die Kommunion unter beiden Gestalten theologisch betrachtet nicht notwendig. Aus diesem Glauben entwickelte sich seit dem Hochmittelalter die Eucharistiepraxis, dass der Kelch von den Laien mehr und mehr gemieden und ihnen schließlich entzogen wurde; nur der Priester trank den Wein, damit nichts verschüttet wurde. Heute ist der Empfang der Kommunion unter beiderlei Gestalt wieder möglich (besonders empfohlen für den Gründonnerstag), wird aber nicht immer und überall praktiziert.
Auch die Orthodoxen Kirchen sind der Auffassung, dass Brot und Wein wirklich Leib und Blut Christi sind. Die Liturgie hat Parallelen zum jüdischen Tempelgottesdienst. Im Gegensatz zur römisch-katholischen Eucharistielehre gibt es für die orthodoxe Theologie jedoch keine konkrete Formel, durch die der Priester die Wandlung vollzieht - das Mysterium des Abendmahls geschieht durch die Liturgie als Ganzes. Auf eine philosophische Klärung des "wie" der Wandlung wird verzichtet, der Ausdruck Transsubstantiation wird gewöhnlich nicht verwendet, teilweise sogar explizit abgelehnt. Die Eucharistie gilt als Opfer, genauer als Vergegenwärtigung des einen Opfers Christi. Der Empfang der Eucharistie durch nicht-orthodoxe Christen gilt als unmöglich, da nach orthodoxem Glauben der Teilnehmerkreis der Eucharistie (und nichts anderes) die Kirche ist, und nicht-orthodoxe somit quasi automatisch zur Orthodoxen Kirche überträten wenn sie teilnähmen. Wenn ein Gläubiger die Eucharistie empfangen möchte, meldet er sich üblicherweise am Vortag beim Priester an; dies gilt vor allem für Auswärtige, die der Priester nicht persönlich kennt.
Die Gegenwart der Gläubigen ist für die Feier der Eucharistie ebenso wichtig wie der Priester - eine eucharistische Liturgie ohne die Gläubigen ist so wenig möglich wie ohne Priester. Ein Priester darf die Eucharistie höchstens einmal am Tag feiern, sie darf auch in jedem Kirchengebäude nur maximal einmal am Tag stattfinden und ein Gläubiger darf ebenfalls nur höchstens einmal am Tag daran teilnehmen. Tägliche Kommunion ist jedoch in der Orthodoxie auch für Priester ziemlich unüblich, gewöhnlich ist eher der wöchentliche Rythmus. Alle getauften orthodoxen Christen dürfen die Eucharistie empfangen, auch Kleinkinder, da die orthodoxe Kirche "Glauben" vor allem im Sinne eines Vertrauens versteht, zu dem auch kleine Kinder schon fähig sind, weniger im Sinne eines "Für-wahr-Haltens", dass einen entwickelten Verstand erfordern würde. Allerdings verlangen einige Kirchen von erwachsenen Teilnehmern eine vollständige Beichte am Vorabend, was dazu geführt hat, dass in manchen orthodoxen Kirchen die Erwachsenen gewöhnlich nur einige Male im Jahr selbst die Eucharistie empfangen, während sie sonst nur als Zuschauer teilnehmen. Es gibt zur Zeit jedoch Bestrebungen, den wöchentlichen Empfang wieder zur Norm zu machen.
In den Orthodoxen Kirchen werden das Mittelteil eines runden, gesäuerten, beim Backen mit christlichen Symbolen gestempelten Brotlaibs - Sauerteig gilt als Gleichnis des Reiches Gottes - und durch Beigabe von 1/3 kochendem Wasser ungefähr auf Blutwärme erwärmter Rotwein verwendet. Brot und Wein werden vor der Ausgabe an die Gläubigen in einem goldenen Kelch vermischt und die Mischung wird dann auf kleinen, meist ebenfalls goldenen Löffeln an die Gläubigen ausgegeben. Bleibt ein Rest, wird dieser sofort vom Priester verzehrt; die Aufbewahrung ist nicht üblich. Nur wenn die Kommunion zu bettlägerigen Kranken gebracht werden soll, wird ein Teil unvermischt zurückbehalten.
Der restliche, äußere Teil des Brotlaibs, welcher nicht geweiht wurde - das sogenannte Antidoron - wird nach der Liturgie an die Gläubigen verteilt und von diesen mit nach Haus genommen. Hiervon können auch nicht-Orthodoxe etwas bekommen.
Martin Luther hat am römischen Verständnis des Sakramentes an entscheidenden Stellen Kritik geübt und es vom Evangelium her neu zur Geltung gebracht. Seine Kritik betraf das römisch-katholische Verständnis der Messe und die Transsubstantiationslehre.
Luthers Argumente gegen das Römisch-Katholische Abendmahl
1. Bei Katholiken wird die Messe als Opfer verstanden welches der Priester Gott darbringt (Opferpriestertum). Luther stellte neu den Gnadencharakter der Messe heraus, indem den Gläubigen im Abendmahl die durch Christi Tod erwirkte Gnade durch den Priester ausgeteilt wird (Gnadenpriestertum). Vor allem aus diesem Grund war für ihn die römische Messe "das größste und schrecklichste Greuel" von allen "päpstlichen Abgöttereien".
2. Das Sakrament wurde nur in einer Gestalt (sub una) den Gläubigen gereicht. Stattdessen forderte Luther die stiftungsgemäße Austeilung des Kelchs auch an die Laien.
3. Luther wies die Wirkung des Sakraments ex opere operato zurück. Um vom Sakrament Nutzen zu ziehen ist nach Luther der Glaube notwendig. Glaube und Sakrament gehören zusammen. Ansonsten wirkt es zwar, aber nicht zum Heil, sondern zum Jüngsten Gericht.
4. Die Wandlung zu sehen und dieser im Gottesdienst beizuwohnen galt als segensvoll. Aus diesem Grund nahmen die mittelalterlichen Gläubigen zwar an der Messe teil, empfingen aber das Sakrament sehr selten. Oft ging man weniger als alle drei Jahre zur Kommunion. Luther dagegen betonte, dass es auf das Empfangen des Sakraments ankommt. Wer der Messe nur passiv beiwohnt, hat keinen Nutzen vom Sakrament.
5. Das viele Zeremoniell, das um das Sakrament veranstaltet wurde, ging zu Lasten der Predigt, für die kaum noch Zeit blieb. Die Predigt spielt in evangelischen Kirchen eine große Rolle.
Luthers Kritik an der röm.-kath. Transsubstantiationslehre
Luthers Kritik an der römischen Transsubstantiationslehre betraf nicht die Realpräsenz (wirkliche Gegenwart) Christi in den Elementen von Brot und Wein. Darin war er durchaus mit den römischen Theologen einig. Er wandte sich jedoch gegen zwei Aspekte dieser Lehre:
1. In der Transsubstantiationslehre versuchte menschliche Vernunft mit den Begriffen der aristotelischen Philosophie das Geheimnis der Identität von Element und Christus zu erfassen. Demgegenüber verwehrte Luther der menschlichen Vernunft diesen unerlaubten Zugriff. "Dieses Brot ist der Leib Christi" - es "enthält" ihn nicht nur in einer wie auch immer beschreibbaren Weise. Es ist kennzeichnend für Luther, dass er demgegenüber die Begrifflichkeit des christologischen Geheimnisses auf das Abendmahl anwendete: Ebenso, wie in Jesus Christus Gott und Mensch ununterscheidbar und untrennbar eins geworden sind, ist im Abendmahl Brot und Wein eins geworden mit dem Leib und dem Blut Christi. Auf geheimnisvolle Weise ist Christus "in, mit und unter Brot und Wein" gegenwärtig.
2. Seine zweite Kritik betraf den Rang als Dogma, den die Transsubstantiationslehre in der römischen Kirche hatte: Sie war für alle als einziggültige Kirchenlehre verpflichtend. Diesen allgemeingültigen Anspruch wies Luther zurück. Und die darausresultierende Überordnung des Sakramentes über das Wort. Seiner Ansicht nach ist das Sakrament gleichbedeutend mit dem Wort bzw sichtbares Wort.
Realpräsenz Christi bei der Eucharistie
Luthers Standpunkt zur römisch-katholischen Lehre von der bleibenden Präsenz Christi in den konsekrierten Elementen ist sehr differenziert.
Er lehnt es ab, dass das Sakrament entgegen seiner Stiftung verwendet wird, also beispielsweise in der Fronleichnamsprozession. Das Sakrament soll ausgeteilt und von den Gläubigen empfangen werden. Allerdings hält Luther an der bleibenden Präsenz Christi in den konsekrierten Elementen fest.
Noch weit über Luthers Tod hinaus werden die konsekrierten Hostien in der Monstranz und in einer Sakramentsnische oder einem Tabernakel auch in lutherischen Kirchen aufbewahrt und sorgsam von den unkonsekrierten unterschieden. Luther selbst ließ sogar Pfarrer, die konsekrierte von nichtkonsekrierte Hostien nicht deutlich unterschieden, ihres Amtes entheben und schwer bestrafen.
Außerdem zeigt seine persönliche Frömmigkeit seinen Glauben an die bleibende Realpräsenz: Mehrmals tropfte bei Messfeiern etwas vom konsekrierten Wein auf den Boden. Luther warf sich unter Tränen und lautem Stöhnen zu Boden und sog mit dem Mund den Wein vom Boden auf, damit das Blut Christi nicht entweiht würde. Im Anschluss an den Gottesdienst wurden dann die Kleidungsstücke, auf die das Blut Christi getropft war, verbrannt. Auch die Kniebank, die mit dem konsekrierten Wein benetzt worden war, wurde abgehobelt. Die Hobelspäne wurden ebenfalls verbrannt.
Weil Luthers Realpräsenzglaube so konkret war, war es für ihn auch klar, dass im Abendmahl sowohl die Gläubigen als auch die Ungläubigen Christi Leib und Blut empfangen. Nicht der Glaube macht das Sakrament, sondern Christi allmächtiges Wort: "Das ist mein Leib - Das ist mein Blut". Er wehrte die These vehement zurück, dass nur für den Gläubigen Christus in Brot und Wein gegenwärtig wäre, da sonst der Gläubige keine Heilsgewissheit und keinen Frieden finden könnte. Das Sakrament schafft den Glauben, nicht umgekehrt.
Im Blick auf die Frage nach der Realpräsenz kam es nach Luthers Tod zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Luthertums. Schüler des Theologen Philipp Melanchthon setzten ihre Anschauungen mehr und mehr durch. Der Glaube an die bleibende Präsenz Christi wurde geschwächt oder ging verloren, sicher ganz und gar nicht im Sinne Luthers.
Bei den Anglikanern ist die schwer verständliche Lehre von der Transsubstantiation schon früh ein Stein des Anstoßes gewesen. Zunächst hielt man, nachdem Heinrich VIII. mit der katholischen Kirche gebrochen hatte, noch eine Weile an der katholischen Auffassung fest. Doch zwinglianisch-calvinistische Einflüsse sorgten Mitte des 16. Jahrhunderts dafür, dass das Abendmahl nur noch als Erinnerungsmahl an den Tod Christi verstanden wurde, bei dem das Brot zwar den Leib Christi repräsentiere, es aber von den Gläubigen "only after an heavenly and spiritual manner" genossen würde. Radikale anglikanische Theologen verglichen die Vorstellung des Verspeisens des Leibes Christi beim Abendmahl sogar mit Kannibalismus. Erzbischof John Tillotson ging in seinem Discourse against Transubstantiation (1684) so weit, den Begriff hocus pocus vom lateinischen hoc est corpus abzuleiten und schrieb, dass es lächerlich und ein Skandal sei, daran zu glauben, dass man beim Abendmahl das Fleisch des Menschensohns esse und sein Blut trinke: "what can any man do more unworthily towards a friend? How can he possibly use him more barbarously, than to feast upon his living flesh and blood?"
Die anglikanische Kirche erlebte im 19. Jahrhundert allerdings hier eine entscheidende Wende durch die sog. Oxford-Bewegung (John Henry Newman). Die Realpräsenz wurde neu entdeckt, allerdings in einer eher der römisch-katholischen Auffassung nahestehenden Weise. Heute stehen sich in der anglikanischen Kirche beide Auffassungen gegenüber.
Die aus der anglikanischen Tradition kommende methodistische Kirche geht von der wirklichen, persönlichen, und lebendigen Gegenwart von Jesus Christus im Abendmahl aus, ohne diese vollständig erklären zu wollen. Die Lehre von der Transsubstantiation wird abgelehnt. Das Abendmahl ist Sakrament, Eucharistie (Dank), Gemeinschaft der Kirche, Erinnerung und Gnadenmittel. Es ist auch ein Opfer, allerdings nicht als Wiederholung des Opfers Christi sondern als Wieder-Darstellung, wobei sich die Kirche in Einheit mit Christus als Opfer gibt (Römer 12,1).
Das Abendmahl ist für die Methodisten eine Feier der ganzen Kirche - alle Christen sind willkommen, auch nicht getaufte, die im Glauben daran teilnehmen wollen. Niemand darf wegen Alter oder mangelndem Verständnis abgelehnt werden. Das Abendmahl ist eine liturgische Feier, bei der immer ein ordinierter Geistlicher präsidiert. Die methodistische Kirche war im 19. Jahrhundert aktiver Teil der Abstinenzbewegung und verwendet aus dieser Tradition heraus Traubensaft und keinen Wein.
Kirchen, die der Lehre von Zwingli und Calvin folgen, vertreten die Auffassung, Brot und Wein seien nur Zeichen für Jesus. Wenn Jesus sagt: "Das ist mein Leib", dann sei dieses ist als bedeutet zu verstehen, so Ulrich Zwingli (1484-1531). Das Abendmahl gilt als ein reines Gedächtnismahl zum Gedenken an den Opfertod Christi. Für Zwingli ist das Fleisch nach Joh. 6, 63 "nichts nütze", es könne unseren Geist nicht nähren. Gott handle vielmehr als Geist im Geiste des Menschen. Die Vorstellung von der Transsubstantiation ist für ihn daher ein Wahn. Auch für Calvin sind Brot und Wein beim Abendmahl lediglich "Zeichen und Zeugnisse" der Gegenwart Christi, den wir leiblich aber nur in der "Höhe", im Himmel finden. Dort allein ist er zuhause. Es hat daher keinen Sinn, ihn hier auf Erden im Brot und Wein zu suchen. Erfahrbar wird der himmlische Leib Christi allein durch den Glauben an ihn und durch das Band des Heiligen Geistes.
Das reformierte Abendmahlsverständnis wird auch von vielen Freikirchen, insbesondere von den Baptisten geteilt. Sie betonen allerdings den Gemeinschaftscharakter des Abendmahls stärker als die Reformierten: Die Ortsgemeinde versammelt sich um den Tisch des Herrn, um aus der Hand des erhöhten Christus Brot und Kelch als Zeichen seiner Liebe zu empfangen. Dies wird auch in der formalen Gestaltung der baptistischen Abendmahlsliturgie deutlich: Während die refomierten Abendmahlsteilnehmer aus ihren Sitzreihen heraus treten, um vorne am Abendmahlstisch Brot und kelch zu empfangen, bleiben die Baptisten auf ihren Plätzen; Brot und Kelch werden ihnen durch die Diakone gebracht. Sie selbst reichen dann - mit einem Segenswort - das Abendmahl an ihren Sitznachbarn weiter. Wer nicht teilnehmen möchte, läßt Brot und Kelch an sich vorüber gehen.
Auch in den Brüdergemeinden wird das Abendmahl als Erinnerung an das Leiden und Sterben Jesu Christi gefeiert. Die Gestaltung der sonntäglichen Feier - in Brüdergemeinden Brotbrechen genannt - unterliegt keiner festgeschriebenen Liturgie, hat jedoch oft folgende Elemente: Die Gemeinde versammelt sich in aller Stille um den Abendmahlstisch, auf welchem sich Brot und Wein befinden. Die beiden Substanzen des Abendmahls - Brot und Wein - werden als "Zeichen der Liebe Gottes" verstanden. Nicht Menschen, sondern der Heilige Geist soll die Feier gestalten. Er bewegt nach Auffassung der Brüdergemeinde verschiedene Männer der Gemeinde, zur Gestaltung der Feier beizutragen. So werden in nicht festgelegter Reihenfolge Bibeltexte gelesen, kurze Ansprachen gehalten, über Erfahrungen mit Gott berichtet, freie Gebete gesprochen und gemeinsam zu singende Lieder vorgeschlagen. Auffällig ist allerdings, dass in den meisten Brüdergemeinden die Frauen - abgesehen vom gemeinsamen Gesang - den Gottesdienst schweigend feiern. In vielen Brüdergemeinden sitzen die Frauen auch von den Männern getrennt. Am Abendmahl teilnehmen kann in der Regel nur, wer zum Abendmahl zugelassen wurde. Diese Zulassung setzt den persönlichen Glauben an Jesus Christus und ein seelsorgerliches Gespräch mit den Brüdern der Gemeinde voraus. Die Zulassung wird der Gemeinde bekannt gegeben. Auswärtige Abendmahlsteilnehmer haben in einigen Gemeinden ein Empfehlungsschreiben ihrer Heimatgemeinde vorzuzeigen oder zumindest glaubhaft zu versichern, dass sie dort zum Abendmahl zugelassen sind.
Ein zeitgenössisches Verständnis des Abendmahles ist z.B. das des evangelischen Theologen Ernst Lange (1927-1974). Er definiert Abendmahl anhand des Satzes "Geber und Gabe des Abendmahls ist Jesus Christus selbst" folgendermaßen:
Im Abendmahl geschieht nichts und wird nichts mitgeteilt, was nicht auch in den anderen Akten des christlichen Gottesdienstes geschieht. Nicht Sachen, heilige Dinge, heilige Substanzen sind Gabe des Abendmahls, sondern eine Person. Die Art und Weise, wie eine Person sich der anderen mitteilt, ist die Weise der Liebe. "Das Abendmahl ist eine in eine Gleichnishandlung gefasste Liebeserklärung Christi". Das Abendmahl ist nicht der besondere Moment, in dem Jesus zur Gemeinde tritt, sondern in dem die Gemeinde und der Einzelne zu Jesus treten. Das bedeutet, das Abendmahl unterscheidet sich von den Akten christlichen Gottesdienstes wie Wort (Bibellesung, Predigt) und Taufe nicht dem Inhalt, sondern nur der Funktion nach.
Umstrittene Neue Liturgie
Während des evangelischen Kirchentages am 14.-17. Juni2001 gab es einen Versuch, eine neue Abendmahlsliturgie einzuführen. Der Grund war gewesen, dass Christen Anstoß an der Vorstellung, Christi Fleisch zu essen und Blut zu trinken genommen hatten. In dem Liturgievorschlag des Kirchentags zum Feierabendmahl hieß es: "Wir lassen die Vorstellung, Fleisch zu essen und Blut zu trinken, endgültig hinter uns." Statt der traditionellen Einsetzungsworte "Das ist mein
Leib" und "Das ist mein Blut", sollte es nach neuer Liturgie heißen: "Mein Leben für Euch".
Sowohl von Seiten der Römisch-Katholischen Kirche als auch von vielen protestantischen Gläubigen wurde dies massiv kritisiert, so dass sich die Kirchentagsleitung am Ende von diesem Vorschlag distanzierte und in den meisten der 120 Gemeinden zum Kirchentag die korrekte Liturgie verwendet wurde.
Eine Variation auf die Liturgie ist es, zum Brechen des Brotes die Worte "Mein Leben für Euch", und zum Kreisen des Weines die Worte "Der Kelch des Heils" zu verwenden. Die Liturgie ist für die Evangelischen wie die Katholischen Kirchen mittlerweile praktisch bedeutungslos, wird aber zeitweise von Laien erbeten.
Zulassung zum Abendmahl
Die Zulassung zum Abendmahl wird je nach Konfession unterschiedlich gehandhabt - bezüglich Kirchenmitgliedschaft und ebenso bezüglich Teilnahme von Kindern.
In der Orthodoxen Kirche können nur orthodoxe Christen am Abendmahl teilnehmen (siehe oben)
In der Römisch-Katholischen Kirche sind nur Gläubige dieser Kirche (nach der Erstkommunion), einschließlich Christen der mit Rom unierten Kirchen, zum Abendmahl zugelassen.
In den Lutherischen und Reformierten Kirchen sind alle getauften Christen zugelassen, in der Regel jedoch erst nach Katechese und Konfirmation. Die Schweizer Reformierte Kirchen kennen das Kinderabendmahl seit Jahrzehnten und es hat seinen Ort in der Praxis gefunden. Dieser Brauch wird auch von immer mehr Kirchen außerhalb der Schweiz übernommen.
In manchen Freikirchen sind alle wiedergeborenen Christen zugelassen, in anderen nur die, die aufgrund eines persönlichen Bekenntnisses ihres Glaubens an Jesus Christus getauft worden sind (Glaubenstaufe)
Die Evangelisch-methodistische Kirche kennt keine Einschränkungen in der Zulassung zum Abendmahl, jeder der es wünscht, kann teilnehmen (der Gastgeber ist Jesus Christus selbst, also steht es keinem Menschen zu, Einschränkungen zu machen). Die meisten Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden verfahren heute ähnlich.
Abendmahlsgemeinschaft zwischen Kirchen
Manche Kirchen haben Abendmahlsgemeinschaft untereinander, d. h. ihre Mitglieder können in allen beteiligten Kirchen am Abendmahl teilnehmen. Abendmahlsgemeinschaft besteht z. B.
zwischen Altkatholiken und Anglikanern sowie protestantischen Kirchen
zwischen der lateinischen und den uniert-ostkirchlichen katholischen Kirchen
zwischen Anglikanern und der indisch-orthodoxen Mar Thoma Kirche
zwischen allen reformierten und lutheranischen Kirchen, die der Leuenberger Konkordie angeschlossen sind
Dagegen ist eine gemeinsame Feier von Protestanten und römischen Katholiken derzeit nicht möglich (siehe auchInterzelebration, Konzelebration).
Literatur
Literatur zur lutherischen Abendmahlslehre
Hardt, Tom G.A., Venerabilis et adorabilis Eucharistia. Eine Studie über die lutherische Abendmahlslehre im 16. Jahrhundert, Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte, Band 42, Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1988 (Deutsche Übersetzung von Hardts auf Schwedisch verfasster Dissertation).
Diestelmann, Jürgen, Über die Lutherische Messe. Gemeindevorträge und Abhandlungen, Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 1998.
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