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Etrusker

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Die Etrusker (von lat. Etrusci, Tusci), die sich selbst Rasennae nannten, sind ein antikes Volk welches im nördlichen Mittelitalien im Raum der heutigen Regionen Toskana und Umbrien lebte. Die eigenständige etruskische Kultur ist in diesem Gebiet zwischen 800 und 100 v. Chr. nachweisbar. Die Etrusker gingen nach der Eroberung durch die Römer (300 bis 100 v. Chr.) im Römischen Reich auf.


Inhaltsverzeichnis



1 Herkunft der Etrusker

  1.1 Einwanderungstheorie

  1.2 Autochtone Theorie

  1.3 Synthese

2 Geschichte

3 Kultur

4 Religion

5 Schrift und Sprache

6 Literatur

7 Weblinks


Herkunft der Etrusker

[Bild extern:] Etruskerin, Terrakottafigur


Die Frage nach der Herkunft der Etrusker ist berechtigt, erweckt jedoch einen falschen Eindruck. Jene Kultur, die wir die etruskische nennen, hat sich nämlich erst auf dem Boden Etruriens aus eingewanderten (Oberschicht, Sprache) und autochthonen (Villanova-Kultur) Elementen entwickelt.


Präziser wäre deshalb die Fragestellung: Woher kam die etruskische Oberschicht und ihre Sprache, die ein wesentlicher Baustein der etruskischen Kultur wurde? Schon im Altertum waren dazu zwei verschiedene Hypothesen bekannt.


Einwanderungstheorie

Die Etrusker stammen aus Kleinasien (Lydien) und sind nach dem Jahr 1000 v. Chr. in das Gebiet der heutigen Toskana ausgewandert. Für diese Annahme sprechen eine enge Sprachverwandtschaft des Etruskischen mit dem Lydischen und die erstaunliche Parallele in der künstlerischen Entwicklung im frühen 1. Jhtsd. (orientalische Phase). Diese Theorie wird von Herodot vertreten


Autochtone Theorie

Die etruskische Kultur entwickelt sich aus den in Mittelitalien ansässigen Stämmen. Die etruskische Sprache ist Teil einer vor-indoeuropäischen Sprache, welche durch die Einwanderung von indoeuropäischen Stämmen (Italiker, Latiner) in der italienischen Halbinsel isoliert wurden. Die kulturelle und künstlerische Blüte erklärt sich durch die Einbindung des toskanischen Raumes in den erblühenden Handel im Mittelmeerraum (Phönizier, Griechen) des frühen 8. Jhdts. Die Nutzung der reichen Erzvorkommen beschleunigt die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung. Diese Theorie wird durch den nahtlosen Übergang der Villanova-Kultur in die etruskische Kultur vor allem in Norden (Bologna - Felsina) unterstützt. Um die Zeitenwende vertritt Dionysios von Halikarnassos diese Theorie.


Im 18. Jhdt. wurde vom französischen Gelehrten N. Frèret die Hypothese vertreten, bei den Etruskern handle es sich um indoeuropäische Einwanderer aus dem Norden. Diese Hypothese stützt sich auf das Eindringen der Brandgräberkultur aus dem Norden und interpretiert dies als Teil der frühen Völkerwanderung des späten 2. Jhtsd. (in Verbindung mit der Einwanderung der Hyksos in Ägypten). Diese Theorie ist jedoch eindeutig durch epigrafisches Material widerlegt.


Synthese

Die heutigen Etruskologen fragen nicht mehr nach der Herkunft der Etrusker sondern nach deren Entstehung (Ethnifikation). Dabei geht man von einer alt-meditteranen Volksschicht aus, welche im Früh-Metallikum (bis ca. 1000 v. Chr.) eine sesshafte Bauernkultur entwickelt und in welche fremde Volkselemente sowohl aus dem Osten (mykenische und phönizische Seefahrer) wie aus dem Norden (indoeuropäische Italiker) eindringen. Es entsteht die Villanova-Kultur. Diese Bevölkerung wird durch eine sehr dünne Schicht von Einwanderern aus Kleinasien (Tyrrhener) überlagert. Aus der Vermischung mit der lokalen Bevölkerung entwickelt sich das etruskische Volk.


Geschichte

Um 750 v. Chr. entwickelt sich die etruskische Seeherrschaft über das tyrrhenische Meer. Dabei geht die Entwicklung vor allem von den Städten im südlichen Etrurien aus. Um 600 v. Chr. sind die Etrusker auf der Höhe ihrer Macht. Sie beherrschen, zusammen mit den verbündeten Karthagern, das westliche Mittelmeer und expandieren sowohl nach Süden bis in die Gegend des heutigen Kampanien (Salerno), wie nach Norden in die Poebene (Bologna, Adria).


In Küstennähe und im Süden Etruriens sind die wichtigsten Zentren der etruskische Kultur Pupluna (Populonia) mit der Verhüttung des Eisenerzes der Insel Elba, Tarquinia mit der Bronzeverarbeitung, Caere (Cerveteri) welches die Kupfer-, Eisen- und Bleigruben der Tolfaberge ausnutzt, Vulci und Veij im südlichen Landesinneren.


Im Norden und im Landesinneren entwickekn sich Cortona, Arezzo, Perugia, Chiusi und Volterra zu wichtigen Zentren. Dabei sind hier vor allem die Metallverarbeitung, die Keramikproduktion und wohl auch die Produktion landwirtschaftlicher Produkte vorherrschend.


Die Städte sind in einen losen Städtebund zusammengeschlossen, welcher vor allem religiösen, weniger politischen Charakter hat. Religiöses Zentrum ist das "Fanum Voltumnae", bei Orvieto oder Bolsena gelegen.


Die Etrusker beherrschen auch Rom. Um 510 v. Chr. beginnt mit der Vertreibung der Tarquinii aus Rom der langsame aber stetige Niedergang der Etrusker.


Die Niederlage gegen die griechische Flotte bei Kyme (524 v. Chr.) schwächt erstmals die Seeherrschaft Etruriens. Um 396 v. Chr. wird Veij von Rom erobert und zerstört. Wenig später überrennen die Gallier das etruskische Gebiet. Bis 265 v. Chr. wird das südliche Etrurien stückweise von Rom erobert. Die Städte im Norden (Arezzo, Volterra, Perugia, Cortona) schließen Bündnisverträge mit Rom ab und erreichen damit eine weniger dramatisch verlaufende Assimilation ins Römische Reich. Diese wird im Jahr 87 v. Chr. durch die Gewährung der uneingeschränkten Staatsbürgerschaft durch Rom auch formal abgeschlossen.


  • siehe auch: Portal und Themenliste Rom, Tyrrhenos



Kultur

Die Epochen der etruskischen Kultur entwickeln sich parallel zu denen Griechenlands und zeugen von intensiven Kontakten im Mittelmeerraum:


  • Orientalisierende Kunst (800 bis 650 v. Chr.). Parallelen sind sowohl zum Nahen Osten (Anatolien) wie zu Karthago festzustellen.
  • Archaische etruskische Kunst (650 bis 500 v. Chr.). Ein starker Einfluss der ionischen und korintischen Kultur ist festzustellen. Eine Reihe griechischer Künstler und Handwerker sind in Etrurien nachweisbar.
  • Blütezeit (500 bis 300 v. Chr.). Der griechische Einfluss ist sehr groß, sowohl in klassicher wie in hellenistischer Zeit. Die Kunst erlebt ihre Blütephase trotz des langsamen wirtschaftlichen und politischen Niedergangs.
  • Spätzeit (300 bis 100 v. Chr.). Man kann von einem Dialekt des Hellenismus sprechen. Der etruskische Charakter geht im Hellenismus auf.


Der größte Teil der Kunstgegenstände wurde in den etruskischen Nekropolen (Cerveteri, Tarquinia, Populonia, Orvieto, Vetulonia, Norchia) ausgegraben. Erst in letzter Zeit sind auch Reste von Tempeln und Gebäuden (Murlo bei Siena, Acquarossa bei Viterbo, Talamone) wissenschaftlich ausgegraben und ausgewertet worden.


Die wichtigsten Museen für etruskische Kunstgegenstände sind das Museum der Villa Giulia in Rom und das Archäologische Museum in Florenz. Daneben sind die Sammlungen in Tarquinia, Chiusi, Orvieto, Arezzo, Volterra und Cortona wichtig.


Religion

Auch die Religion der Etrusker ist stark von der griechischen Überlieferung beeinflusst. Obwohl es sich um eine Offenbarungsreligion, im Gegensatz zu allen anderen vorchristlichen Religionen des Abendlandes, handelt, werden die Gottheiten durch griechischen Einfluss anthromorphisiert und lehnen sich, vor allem in der Spätzeit, stark an den griechischen Olymp an.


Im Altertum sehr berühmt war die "Disciplina etrusca", die Lehre von der Interpretation göttlicher Signale und dem korrekten Umgang mit der Götterwelt. Leberschau und Interpretation des Vogelfluges und der Blitze sind ebenso Teil dieser Lehre wie das korrekte Vorgehen bei der Landvermessung. Diese Überlieferungen wurden von der etruskischen Priesterschaft streng gehütet.


Schrift und Sprache

[Bild extern:] Beispiel für etruskische Schrift


Nur wenige längere Schriftstücke in etruskischer Sprache sind erhalten . Die vielen Grabinschriften sind sehr kurz und geben keine wirklichen Einblick in die Sprache. Von den längeren Schriftstücken ist vor allem die Agramer Mumienbinde (schon seit dem 19. Jhdt. bekannt), die Tontafel von Capua und die Goldbleche von Pyrgi zu nennen.


Die etruskische Schrift hat sich aus einem frühen griechischen Alphabet entwickelt, wird von rechts nach links geschrieben, und kann problemlos abgelesen werden. Die Sprache ist auf Grund des spärlichen Materials nicht vollständig entschlüsselt, die vorhandenen Texte können jedoch, mit einigen Unschärfen, übersetzt werden. Ein Vokabular von etwa 200 Wörtern ist inzwischen bekannt.


Sicherlich handelt es sich um keine indoeuropäische Sprache. Eine Ähnlichkeit mit alten kleinasiatischen Sprachen kann festgestellt werden, ein schlüssiger Nachweis diese in eine Sprachgruppe einzuordnen, fehlt jedoch.


Siehe auch: Tabula cortonensis


Literatur

  • Andreae, Bernard ; Spielmann, Heinz [Hrsg.]: Die Etrusker. München 2004. (Katalog zur Doppelausstellung in Hamburg)
  • Camporeale, Giovannangelo: Die Etrusker. Geschichte und Kultur. Düsseldorf/Zürich 2003.
  • Aigner-Foresti, Luciana: Die Etrusker und das frühe Rom. Darmstadt 2003. (wissenschaftliche Einführung als Taschenbuch)
  • Prayon, Friedhelm: Die Etrusker. 3. Auflage. München 2003.
  • Pfiffig, Ambros: Einführung in die Etruskologie. 4. Auflage. Darmstadt 1991.



Weblinks



Jüngste mtDNA Untersuchungen geben keine eindeutige Antwort auf die Herkunft der Etrusker (Englisch)




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