Die Erzählperspektive (engl. Point of view) gibt wieder, aus welchem Blickwinkel eine Handlung in einem epischen Text beschrieben wird. Sie bezeichnet den Erzählerstandpunkt, den Blickpunkt in der Erzähltheorie, der Analyse von Texten, von literarischenWerken.
Dabei kann der Erzähler einen (nahezu) absoluten Überblick über das gesamte Geschehen haben (olympischer point-of-view) oder der Erzähler ist so nah an der Figur, dass er quasi mit deren Augen sieht.
Zwischen diesen Polen kann der Erzählerstandpunkt variieren.
Für die Analyse stellt sich dem "Analytiker" folgende Frage:
Wer sieht? (im Unterschied zum: Wer spricht? - des Modus' Stimme)
Die folgende allgemeine Einteilung lässt sich insbesondere auf Prosatexte anwenden.
neutrale Erzählperspektive
Der Erzähler befindet sich außerhalb der Handlung und erzählt nur das, was er selbst wahrnimmt oder von dritten erzählt bekommt.
auktoriale Erzählperspektive
Auch hier berichtet der Erzähler von außen, er bleibt aber nicht neutral, sondern mischt sich ins Geschehen ein und tritt als allwissender Kommentator auf. Auch Gedankengänge der Charaktere und der Hintergrund der Handlung bleiben ihm nicht verschlossen.
Beispiel: Die Rosen, die Thomas ihr mitgebracht hatte, landeten im nächsten Mülleimer. Ebenso verwarf sie alle Gedanken an ihn. Sie wusste nicht, wie ernst es ihm war.
personale Erzählperspektive
Es wird nur aus dem Blickwinkel einer einzigen Person erzählt (meist »Er..«, »Sie..«, etc.). Dem Leser werden alle Gedankengänge, Gefühle und Ereignisse aus der Sicht dieser Person mitgeteilt. Eine wichtige Rolle spielen daher die erlebte Rede und der innere Monolog.
Beispiel: Das gleichmäßige Rattern des Aufzugs machte Thomas nur noch nervöser. Er fühlte dass er, wenn er noch länger in der engen Kabine bleiben müsste, wieder Herzrasen bekommen würde.
Ich-Erzählperspektive
Als Sonderform der personalen Erzählweise: Der Erzähler ist identisch mit einer am Geschehen beteiligten Person und beschränkt sich auf deren Denkweise und Eindrücke.
Beispiel: Ich war stolz auf mich. Er hatte mich dumm angemacht und ich hatte ihn zusammengeschlagen. Dieser Penner glaubte wirklich, es mit mir aufnehmen zu können.
Als Sonderform der auktorialen Erzählweise: Der Ich-Erzähler sieht das Geschehen von außen und kommentiert, spricht auch den Leser direkt an.
Er-/Sie-Erzählperspektive
Beides kann als auktoriale, neutrale oder personale Erzählweise auftreten. In der personalen Form, erkennt man diese Perspektive z.B. an der erlebten Rede.
Ein Wechsel der Erzählperspektive ist jeder Zeit möglich, daher treten in der Prosa auch viele Mischformen auf.
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