Der Ausdruck Einbildungskraft bezeichnet das Vermögen (Fähigkeit) des Menschen, die sinnlichen Abbilder der Dinge und Erscheinungen in der Vorstellung auf beliebige Weise miteinander zu verbinden. Hieraus erklärte Holbach das Zustandekommen solcher Phantasiegebilde wie Kentauren, Hippogryphen, Götter und Dämonen (in: Holbach, System der Natur oder über die Gesetze der physischen und geistigen Welt, 1783).
Nach dem Grimmschen Wörterbuch stammt das Wort von dem Philosophen Christian Wolff. Es war eigentlich die Übersetzung der in etwa gleich bedeudetenden Begriffe Imagination oder Phantasie.
Immanuel Kant gab diesem Wort eine neue und wichtige Stelle in seiner Kritik der reinen Vernunft. Dort bildet die Einbildungskraft die Vermittlung zwischen Anschauung und Verstand, und gibt damit dem Sinnlichen ein Schema, mit dem dieses die Erfahrung aufnimmt. Auf der anderen Seite befasst sich Kant mit der reflektierenden Urteilskraft in seiner dritten Kritik, "Kritik der Urteilskraft", 1790. Dort befinden sich Einbildungskraft und Verstand in einem freien Spiel und in diesem Spiel von Verstand und Einbildungskraft findet die Bildung des Geschmacksurteils statt.
Der Begriff von der Einbildungskraft interessierte den frühen Fichte. Er erweiterte diesen Begriff zur Basis der Ichvorstellung.
Bei Schelling ist der Einbildungskraft wieder eine ästhetische Kraft, aber in seiner Identitätsphilosophie wird sie zu einem göttlichen Vermögen, dessen Gegenbild die menschliche Phantasie ist. Als solche nennt Schelling sie die In-Eins-Bildungs-Kraft, denn es ist hier das Vermögen der göttlichen Schöpfung, die hier wieder in zwei menschlichen Seinsweisen konstruiert wird einerseits als Kunst, andererseits als Philosophie, in Schellingschen Worten, die ästhetische und die intellektuelle Anschauung.
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