Durch den Drei-Alpha-Prozess (3α-Prozess) werden im Inneren von Sternen drei Helium-Kerne, die auch α-Teilchen genannt werden, durch Kernfusionsreaktionen in Kohlenstoff umgewandelt. Dies wird auch als Heliumbrennen oder nach seinem Entdecker Edwin Salpeter als Salpeter-Prozess bezeichnet. Der irreführende Begriff Heliumbrennen ist historisch bedingt hat dabei nichts mit einer chemischen Verbrennung zu tun.
Diese Kernfusionsreaktion kann nur bei Temperaturen über 100 Millionen Kelvin ablaufen und setzt das reiche Vorhandensein von Helium voraus. Daher tritt sie normalerweise nur in den Zentren von Sternen in späten Phasen ihrer Entwicklung auf, in denen ein höherer Druck und höhere Temperaturen als momentan in der Sonne herrschen und ausreichend Helium bereits durch Proton-Proton-Reaktionen und den Bethe-Weizsäcker-Zyklus (CNO-Zyklus) erzeugt wurde. Bei den notwendigen Temperaturen sind alle beteiligten Atomkerne vollständig ionisiert, d. h. ohne Elektronenhülle.
Die Sonne wird erst beim Eintritt in die letzte Phase ihres Lebenszyklus, in etwa 4 Milliarden Jahren, in der Lage sein, das Heliumbrennen zu starten, nachdem in ihrem Kernbereich durch das Wasserstoffbrennen aller Wasserstoff zu Helium fusioniert wurde. Der dadurch bedingte Temperaturanstieg im Sonnenkern wird sie zum roten Riesen werden lassen.
Der frei werdende Nettoenergiebetrag bei diesem Prozess ist 7,275 MeV. Der Kohlenstoffkern 12C kann als Ausgangsstoff beim u. U. später einsetzenden Kohlenstoffbrennen dienen.
Die Energieerzeugungsrate ist beim 3α-Prozess proportional zur 30. Potenz (sic!) der Temperatur. Mithin bewirkt eine Erhöhung der Temperatur um 5% eine Steigerung von 330% bei der Energiefreisetzung.
Der im ersten Schritt erzeugte Berylliumkern8Be ist instabil und zerfällt mit einer mittleren Lebensdauer von 2,6·10-6 s wieder in zwei Heliumkerne 4He; deshalb ist es für die Erzeugung eines Kohlenstoffkerns notwendig, dass drei α-Teilchen nahezu simultan zusammenstoßen (daher der Name 3α-Prozess). Da für ein solches Zusammentreffen eine niedrige Wahrscheinlichkeit besteht, ist ein langer Zeitraum nötig, um Kohlenstoff zu erzeugen.
Eine Konsequenz daraus ist, dass durch den Urknall kein Kohlenstoff produziert wurde, weil die Temperatur rasch unter die für die Fusion benötigte abfiel.
Gewöhnlich ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten des 3α-Prozesses also sehr gering, 8Be besitzt jedoch ein angeregtes Energieniveau, das fast genau der Energie eines α-Teilchens entspricht. Dies erhöht wesentlich die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein ankommendes α-Teilchen mit einem 8Be zu 12C fusionieren wird.
Folgereaktionen
Ein Seiteneffekt des 3α-Prozesses ist, dass einige der Kohlenstoffkerne 12C mit weiteren Heliumkernen 4He fusionieren können, wobei das stabile Isotop16O des Sauerstoffs erzeugt und Energie freigesetzt wird:
12C + 4He → 16O + γ
Der nächste Umwandlungsschritt, bei dem Sauerstoff 16O mit α-Teilchen fusionieren würde, um Neon 20Ne zu erzeugen, stellt sich aufgrund von Kernspinregeln als unwahrscheinlich heraus. Das führt zu einer Situation, in der die stellare Nukleosynthese große Mengen an Kohlenstoff und Sauerstoff produziert, aber von einer Umwandlung der meisten dieser Elemente in Neon und schwerere Elemente abgehalten wird.
Sowohl Sauerstoff als auch Kohlenstoff bilden damit die »Asche« des Heliumbrennens; der Kern des Sterns besteht am Ende dieser Fusionsphase im Wesentlichen aus diesen beiden Elementen.
Kohlenstofflieferant
Da durch den 3α-Prozess bereits die Sterne der ersten nach dem Urknall entstandenen Generation in der Lage waren, 12C in großen Mengen zu erzeugen, wird dieses Isotop auch als primäres Isotop des Kohlenstoffs bezeichnet.
Die Tatsache, dass die Existenz von Kohlenstoff im Universum von der genauen Höhe des angeregten Energieniveaus des Berylliumkerns 8Be abhängt, sowie die geringe Wahrscheinlichkeit weiter führender Fusionsprozesse nach der Synthese von Sauerstoff, wurde von Fred Hoyle als Beweis für das anthropische Prinzip kontrovers diskutiert.
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