Dieser Artikel beschreibt die deutschen Tempusformen.
Zur zeitlichen Einordnung eines Vorganges verfügt die deutsche Sprache über acht Tempora (Hinweis: nach der klassischen Ordnungsweise werden nur sechs Tempora unterschieden.). Sie werden grundsätzlich nach Vergangenheit und Gegenwart aufgetrennt. Innerhalb dieser beiden Zeitfenster regeln vier Darstellungsoptionen die Entscheidung für eine Zeitform:
Darstellungsoption
Wiedergabe eines Verlaufs
Wiedergabe eines erwartbaren Eintreffens
Wiedergabe von etwas Vollzogenem, Vollendetem
Wiedergabe von erwartbarem Eintreffen und dessen Vollzug
Je nach Anwendungsgebiet - gesprochene Sprache, geschriebene Sprache - variiert die Nutzung der Tempusformen. Im allgemeinen Sprachgebrauch nutzt man gegenwärtig drei Tempusformen: Präsens, Perfekt und Futur I. Die übrigen Formen erscheinen eher selten und sind dazu oft auf schriftliche literaische Produkte begrenzt.
Formal wird die zeitliche Bestimmung eines Vorganges von der grammatischen Form des Verbs bestimmt; zur Differenzierung setzt man Adverben und zuweilen auch Präpositionen ein. Ebenso kann der Ersatz des Verbs gegen ein Synonym eine gesetzte zeitliche Einordnung weiter präzisieren.
In der gesprochenen und in der geschriebenen Sprache ist die bevorzugte und universelle Tempusform das Präsens. Es wird gebraucht zur Darstellung von gerade ablaufenden Vorgängen oder zur Beschreibung von aktuellen Zuständen.
Unabhängig vom grammatischen Aufbau kann das Präsens weitere Zeitfenster abbilden. Mit Hilfe von Satzergänzungen können Vorgänge erfasst werden, die sich erst zukünftig ereignen. In besonderer Anwendung bei Erzählungen (Wiedergabe von Vergangenem) kann das Präsens auch als Ersatz für eine Zeitform der Vergangenheit auftauchen (so genanntes Präsens historicum).
Beispiele
Unmittelbare Gegenwart:
Ich schreibe einen Brief.
Wir gehen zum Bahnhof.
Sie laufen auf der Straße.
In die Zukunft reichend:
Er sammelt Briefmarken.
Sie spricht fließend deutsch.
Periodische Vorgänge:
Er arbeitet samstags nur bis zum Mittag.
Zeitunabhängige Zustände:
Wasser fließt nicht bergauf.
Gold ist ein begehrtes Edelmetall.
Von der Vergangenheit ausgehend oder in ihr liegend:
Zur Kennzeichnung zurückliegender Vorgänge oder Zustände dient das Präteritum. Es definiert Vorgänge im Verlauf mit einen zeitlichen Abstand zum Jetzt. Das Geschehen wird mithilfe des Präteritum als damals ablaufend dargestellt. Ausschlaggebend bei der Auswahl dieser Zeitform ist die Bewegungsrichtung: Es handelt sich um Ablaufendes - im Gegensatz zum Perfekt, bei dem die Darstellung auf die Vollendung abhebt.
Vor allem für die Erzählung oder die Wiedergabe von Erinnerung wird diese Zeitform eingesetzt. Ihre Fixierung auf den Verlauf eignet sie auch besonders für den Bericht: die wiedergegebenen Vorgänge bleiben in ihrer Folge zusammenhängend.
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