Katholische und orthodoxe Christen auf der einen, protestantische Christen und Juden auf der anderen Seite, sind sich über den Umfang des Buches nicht einig. Katholiken und Orthodoxe folgen der Texttradition der Septuaginta, und betrachten das Gebet des Asarja (Dan 3,24-50), den Lobgesang der drei jungen Männer im Feuerofen (Dan 3,51-90), die Rettung der Susanna durch Daniel (Dan 13, bei den Orthodoxen am Anfang des Buches vor Dan 1) und die Szenen vom Bel und dem Drachen (Dan 14) als kanonische Bestandteile des Buches (deuterokanonisch). Juden und Protestanten folgen der masoretischen Texttradition, die diese Texte nicht überliefert, und halten sie für apokryph.
Kapitel 1 bis 2,4a und 8 bis 12 sind in Hebräischer Sprache abgefasst, Kapitel 2,4b bis 7 in Aramäisch. Zusammen mit zwei im Buches Esra wörtlich zitierten Briefen und einem Einzelvers bei Jesaja stellen diese Passagen die einzigen auf Aramäisch überlieferten Teile des Alten Testaments dar.
Das Buch gibt an, die Erlebnisse und Prophezeiungen eines Propheten Daniel aus der Zeit des Babylonischen Exils darzustellen. Jedoch wird die Zeit der Abfassung des Buches vom Mainstream der modernen historisch-kritischen Forschung auf eine Zeit lange nach Daniels angeblicher Lebenszeit angesetzt, nämlich auf die Zeit der Makkabäer und ihrer Kämpfe gegen die griechische Oberhoheit. Möglicherweise wurde das Buch dabei mehrmals von jeweils unterschiedlichen Autoren umgearbeitet; dafür sprechen unter anderem die Tatsache, dass das Buch im Judentum nicht zu den "Propheten" (Nevi'im), sondern zu den im allgemeinen späteren "Schriften" (Ketubim) gezählt wird; sowie dass die Teile des Buches in drei verschiedenen Sprachen (hebräisch, aramäisch und griechisch) überliefert sind. Möglicherweise stammt ein kleiner Teil des Materials tatsächlich aus der Zeit des Babylonischen Exils, das meiste dürfte aber jüngeren Datums sein.
Interessant ist vor allem Daniels Vision der vier Weltreiche - symbolisiert durch vier wilde Tiere, welche aus dem Meer aufsteigen. Die Löwin für das Reich Babylons, der Bär für das Reich der Meder und Perser, der Leopard für das Griechenreich Alexander des Großen und schließlich ein gehörntes Tier, welches für das Römerreich steht. (So zumindest die klassische Interpretation sowohl bei Juden wie auch bei Christen; dagegen historisch-kritisch: Babylonier, Meder, Perser, Griechen; bei den Zeugen Jehovas: Babylonier, Perser, Römer, Angloamerikaner)
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