D'Indy entstammte einer alten Adelsfamilie aus dem Vivarais (Ardèche) und wuchs nach dem frühen Tod seiner Mutter bei seiner Großmutter, der strengen Gräfin Rézia d'Indy, auf. Sein Onkel Wilfrid d'Indy (* 1821, Todesdatum unbekannt), selbst ein Amateurkomponist, führte ihn an die Musik heran. Vincent wurde Klavierschüler von Louis Diémer und Antoine François Marmontel und studierte ab 1865 Harmonie bei Albert Lavignac. Nach dem deutsch-französischen Krieg1870-71, in dem er tapfer bei der Verteidigung von Paris kämpfte, veröffentlichte er seine ersten Kompositionen.
1872 begegnete durch die Vermittlung seines Freundes Henri Duparc erstmals César Franck und wurde bald darauf sein Schüler. Beide machten ihn auch mit der deutschen Musik, insbesondere mit Wagner, bekannt; und nach einem Besuch der Bayreuther Festspiele1876, wo er den kompletten Ring des Nibelungen sah, wurde d'Indy ein überzeugter Wagnerianer. 1875 heiratete er seine Cousine Isabelle de Pampelonne und wurde Organist an St Leu-la-Forêt, später dann Chorleiter für Édouard Colonne. Viele Opernprojekte verfolgte er in diesen Jahren, doch einzig Axel, beeinflusst von Wagners Parsifal, floss später in seine OperFervaal (1889-95) ein.
1886 hatte er erste Erfolge mit seiner Symphonie sur un chant montagnard français und der Oper Le chant de la cloche, die einen Kompositionspreis der Stadt Paris gewann. Nach dem Tode von César Franck folgte ihm d'Indy als Präsident der Société Nationale de Musique. Nach der Ablehnung seiner Reformideen für das Pariser Konservatorium gründete er 1894 mit Charles Bordes und Alexandre Guilmant die Schola Cantorum, deren Direktor er 1900 wurde. Seine Lehrziele, veröffentlicht im vierbändigen Cours de composition musicale, basierten auf dem Unterricht Francks, der Beschäftigung mit Bach und Beethoven und der Wiederentdeckung älterer Musik wie etwa von Palestrina, Monteverdi, Rameau und dem Gregorianischen Choral.
Nach den Uraufführungen seiner Opern Fervaal (1897) und L'étranger (1903) sowie bedeutender Ochesterwerke wie den Istar-Variationen (1896) und der zweiten Sinfonie (1903) wurde d'Indy auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Er entwickelte sich zum Wortführer der Gegner Debussys und des aufkommenden Impressionismus, obwohl seine eigenen Werke ähnliche Tendenzen aufwiesen. Zusätzlich verstärkte sich bei ihm eine chauvinistische, militaristische und antisemitische Haltung, die ihren Niederschlag in La légende de Saint Christophe (1908-15) und der dritten Sinfonie De bello gallico (1916-18) fand.
Trotz seiner Tätigkeit für die Schola Cantorum lehrte d'Indy auch 1912-29 am Pariser Konservatorium. Nach dem ersten Weltkrieg gab er sein Sommerhaus in Faugs im Ardèche auf und zog nach Agay an der Côte d'Azur. Dieser Ortswechsel, verbunden mit der beginnenden Beziehung zu Caroline Janson, die er später heiratete, mögen zu der Aufhellung seiner Kompositionen beigetragen haben. In dem Poème des rivages (1921), dem Diptyque méditerranéen (1926) und den späten Kammermusikwerken näherte er sich einem leichteren, unbeschwerteren Neoklassizismus. Ungeachtet dieses Stilwechsels und auch seiner zahlreichen Schüler, zu denen Albert Roussel, Albéric Magnard, Erik Satie und Edgar Varèse zählten, blieb d'Indys Haltung gegenüber der modernen Musik ablehnend und reaktionär.
Sinfonie Nr.3 Sinfonia brevis (de bello gallico) op.70 (1916-18)
weitere Orchesterwerke
Antoine et Cléopatre. Ouvertüre nach Shakespeare op.6 (1876; nicht veröffentlicht)
La forêt enchantée. Sinfonische Legende nach Uhland op.8 (1878)
Wallenstein. 3 sinfonische Ouvertüren nach Schiller op.12 (1879-81) (Le camp; Max et Thécla, Bearbeitung von Les Piccolomini, 1873; La mort de Wallenstein)
Lied für Violoncello oder Viola und Orchester op.19 (1884)
Saugefleurie. Legende nach de Bonnières op.21 (1884)
Sérénade et valse op.28 (1885; Orchestrierung der Klavierstücke op.16,1 und op.17,1)
Fantaisie sur des thèmes populaires français für Oboe und Orchester op.31 (1888)
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