Country-Musik (auch: Country & Western oder C&W) ist eine aus den USA stammende Musikrichtung, die Anfang des 20. Jahrhunderts aus traditionellen Elementen der Volksmusik der europäischen Zuwanderervölker - insbesondere Irland und England - hervorging. Die ursprünglich in den südlichen Appalachen beheimatete Hillbilly-Musik entwickelte sich durch urbane Einflüsse und Übernahme von Elementen anderer Musik-Genres - wie etwa dem Blues - in die heutige Country-Musik.
die Traditionalisten befürworten eine Rückbesinnung auf die ursprünglichen textlichen und musikalischen Themen
die Erneuerer experimentieren mit neuen Stilvarianten und Instrumenten
die Kommerzorientierten suchen die Nähe zur Popmusik, um ein möglichst großes Publikum anzusprechen
Mal gewinnt die eine und mal die andere Bewegung für ein paar Jahre die Oberhand. Ständige Veränderungen sind somit garantiert, Phasen der Stagnation die Ausnahme.
Ein typisches Merkmal der Countrymusik sind sinnige Texte, die sich oft auf die amerikanischen Lebensverhältnisse beziehen, persönliche Erfahrungen beschreiben, aktuelle Ereignisse kommentieren und nicht selten auch humorvoll sind. Im Gegensatz zu fast allen anderen Genres sind die Texte gleichrangig zur Musik.
Beim traditionellen Country werden hauptsächlich Saiteninstrumente, wie Gitarre, Banjo, Mandoline, Bass oder Fiddle (eine einfache Geige), aber auch Akkordeon, Klavier oder Mundharmonika verwendet. Einige vor allem in der ersten Jahrhunderthälfte populäre Instrumente wie die Autoharp oder die Steel Guitar sind außerhalb der Country-Musik nahezu unbekannt. Im zeitgenössischen Country kommen Schlagzeug, sowie Elektrogitarre und -Bass hinzu. Blasinstrumente werden normalerweise nicht eingesetzt.
Die Country-Musik läßt sich in Stilrichtungen unterteilen, von denen einige über viele Jahrzehnte lang bis heute aktuell sind, andere dagegen nur regionale, ethnische oder temporäre Bedeutung besitzen. Die ursprüngliche Country-Musik vor 1920 wurde und wird als Old-Time oder Hillbilly-Musik bezeichnet.
Wird hauptsächlich mit akustischen Instrumenten im 2/4 Takt gespielt. Charakteristisch sind die Virtuosität der Musiker, der Harmoniegesang (mehrstimmiger Satzgesang) und die flotten Instrumentalstücke. Die typische Instrumentalisierung dieser Richtung ist Fiddle (=Violine, Geige), Mandoline, Upright-Bass (=Kontrabass, Steh-Bass) und akustische Stahlsaitengitarre (=Westerngitarre). Aus dem Bluegrass entwickelte sich in den sechziger Jahren der New Grass.
Der Honky Tonk entstand in den Kneipen und Dance Halls rund um die texanischen Ölfelder. Dort war es so laut, dass die Instrumente elektrisch verstärkt werden mussten und ein Schlagzeug unverzichtbar war. Gespielt werden meist einfache und langsame 2/4-Takte, welche durch ein spezielles Timing den typischen Groove erreichen. Die Texte befassen sich mit Alltagsproblemen und sind ungekünstelt und direkt. Sie haben mit den folkloristischen und heimatverbundenen Inhalten der traditionellen Country-Musik nur noch wenig gemein.
Mitte der fünfziger Jahre verlor die Country-Musik dramatisch gegen den Rock'n' Roll an Boden. Einflussreiche Produzenten - allen voran Chet Atkins und Owen Bradley - begannen daraufhin, die ungeschliffene Musik zu glätten, um sie so einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Das Ergebnis war ein weicherer Sound, der oft durch Hintergrund-Chöre verstärkt wurde. Klassische Country-Instrumente wie Fiddle oder Steel-Guitar wurden noch selten eingesetzt.
Der Western Swing, eine der lebendigsten Stilrichtungen der Country-Musik, wurde in den dreißiger Jahren von Bob Wills entwickelt. Durch Integration von Jazz-Elementen und Hinzunahme von weiteren Instrumenten entstand eine lebhafte, tanzbare Musik, die insbesondere in den großen Dance Halls von Texas und Oklahoma populär war. Der Western Swing gehört zu den wichtigeren Stilrichtungen der Country-Musik, hat aber seit Ende der vierziger Jahre an Bedeutung verloren.
Anfang der sechziger Jahre entstand im kalifornischen Bakersfield eine an Rock'n'Roll und Honky Tonk angelehnte Variante der Country-Musik, bei der erstmalig elektrisch verstärkte Instrumente vorherrschten. Gegenüber dem weichen Nashville Sound klangen die Gitarren hart und höhenbetont. Die Arrangements waren einfacher. Geprägt wurde der Bakersfield Sound von Persönlichkeiten wie Buck Owens oder Merle Haggard und ab Mitte der achziger Jahre von Dwight Yoakam.
Französische Siedler, Acadiens genannt, die um 1760 von den Briten aus Ost-Kanada vertrieben worden waren und sich im Südwesten des heutigen Louisiana und dem Osten von Texas angesiedelt hatten, brachten ihren eigenen Musikstil mit, die Cajun Music (Aussprache: käidschn). Das dominierende Instrument war ursprünglich die Fiddle. Dazu kam um 1880 durch dt. Einwanderer das Melodeon, eine einfache Ziehharmonika, heute besser bekannt als Cajun accordion. Charakteristisch war früher auch der besondere laute Gesang, als die Sänger ihre Stimme noch ohne elektrische Verstärkung durchsetzen mußten. Die Ursprünge der Melodien waren französische Volksweisen. Ihre Musik beeinflußte die Entwicklung der Country Music, wie diese wiederum in den 1960er Jahren die Cajun Music beeinflußte.
Cowboy
In den 20er und 30er Jahren waren die Cowboys und Landstreicher (Hobos) zwei wichtige Figuren in der Country Musik. Viele Lieder handeln daher auch von ihrem Leben und der so sprichwörtlichen Freiheit.
Der Cowboy dominierte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Thema der Country Musik. Auffällig gekleidete Künstler sangen in den Westernfilmen. Die Songs waren so populär, das sogar der Begriff "Country & Western" entstand.
Entstand in den 70er Jahren, als Nashville immer mehr vom typischen Honky Tonk zu weicheren Sounds überging. Einige wollten sich dem nicht beugen und kreierten ihren eigenen Stil. Zu diesen Stars zählen Willie Nelson und Waylon Jennings.
Rockabilly war die erste rein weiße Spielart des Rock'n'Roll und entstand, als junge weiße Musiker den schwarzen Rhythm & Blues interpretierten und mit Countryelementen vermischten. Der Boom dieser Musik beschränkte sich auf die amerikanischen Südstaaten und auf die Zeit etwa zwischen 1954 und 1957. Merkmale sind sparsame Besetzung mit Kontrabass, der percussiv gespielt wird (geslappt), elektrische Leadgitarre, nervöser Schluckaufgesang. Häufig wird ein Bandecho verwendet, was dem Rockabilly einen blubbernden Groove verleiht. Vergl.: Elvis PresleyBaby let's play house
Typische Vertreter dieser Stilrichtung waren neben dem frühen Elvis Presley auch Carl Perkins, Eddy Cochran und Gene Vincent.
Tex-Mex
In den USA verbreitet im Südwesten und in Texas. Wird auch als Norteño oder Tejano bezeichnet. Die Bands benutzen hauptsächlich dreireihige Akkordeons und "Bajo-Sextos", wie der 6-saitige Bass bezeichnet wird. In den USA gibt es eine Reihe bekannter Tex-Mex Stars wie Freddy Fender, Flaco Jiménez, und dessen Bruder, Santiago Jiménez, Janie C. Ramírez und viele andere, vorwiegend Gruppen, die als Conjuntos bezeichnet werden. Die Musik besteht vorwiegend aus Balladen, Polkas, Boleros und Rancheras.
Urban Cowboy
Randgebiete
Country Blues
Den "Blues" zu haben heißt eigentlich, traurig zu sein und mit dem momentanen Leben nicht fertig zu werden. Country-Sänger wie Jimmie Rogers und Hank Williams machten sich die Grundzüge des schwarzen Blues zu eigen und entwickelten den "White Country Blues", eine Mischung aus Negro Blues, Liedern der Berge des Südens und Cowboy Songs. Der Blues ist als eine eigene, autonome Hauptstilrichtung anzusehen, beeinflusste jedoch auch die Country-Musik.
Country-Pop
Durch den Riesenerfolg der Country-Musik in den 70ern wurden Country-Songs immer mehr auch in den Pop-Charts gespielt. So entstand der Begriff Country-Pop. Beispiele dafür sind Kenny Rogers und Don Williams. Gegen Ende der 90er Jahren wurden die Interpreten immer mehr zur Umpolung in Richtung Country-Pop bewogen, was eine massive Abwanderung der verwöhnten Zielgruppe zur Folge hatte. Inzwischen werden ehemalige Country-Interpreten nur mehr unter dem Genre Pop verkauft.
Country-Folk
Hier müsste man unterscheiden zwischen Urban Folk Musik und Country Folk. Es sind meist Lieder, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Country Folk Songs basieren oft auf Geschichten und werden mit wenig Instrumentation gesungen. Urban Folk Musik befasst sich oft mit politischen Themen. Folk Songs waren immer schon ein wichtiger Teil der Country Musik.
Country-Gospel
Der Country-Gospel gehört zu den ältesten Stilrichtungen der Country-Musik. Wichtigstes Merkmal sind die religiösen Inhalte. Die Arrangements sind einfach gehalten. Den aus dem schwarzen Gospel bekannten Chorgesang gibt es in der Country-Variante nicht. Stattdessen wird häufig ein mehrstimmiger Harmonie-Gesang verwendet, der oft durch einen tiefen und prägnanten Bass ergänzt wird.
Die Kombination der einfachen Country-Musik-Instrumentierung mit dem Rock Beat entwickelte sich zum Country Rock. Diesen gibt es hauptsächlich an der Westküste der USA.
Hawaiian Musik
Ist ebenfalls eine Stilrichtung der Country-Musik, zumindest seit 1959, als Hawaii zu den USA stieß. Die Steel Guitar (Pedal-Steel, Lap-Steel,...), die aus der Country-Musik nicht mehr wegzudenken ist, hat dort ihren Ursprung.
k.d.lang - Jim Lauderdale - Tracy Lawrence - Chris LeDoux - Brenda Lee - Little Texas - Hank Locklin - Lonestar - John D. Loudermilk - Louvin Brothers - Patty Loveless - Lyle Lovett - Bob Luman - Loretta Lynn
Aufgelistet sind hier nur Bücher, die sich allgemein mit dem Thema Country-Musik befassen. Biographien sind in den Artikeln zu den einzelnen Interpreten aufgeführt.
Das neue große Buch der Country Musik von Walter Fuchs - Heel Verlag, Königswinter
- Erscheinungstermin Dezember 2004 -
Das Buch der Country Musik von Walter Fuchs - Heel Verlag, Königswinter.
Das umfassendste deutschsprachige Werk - behandelt auch die europäische Country-Szene All Music Guide to Country - Miller Freeman Books, San Franzisko Englischsprachiges Standardwerk der Country-Musik mit zahlreichen Biographien und einem hervorragenden Index - sehr umfangreich The Harmony Illustrated Encyclopedia of Country Music von Alan Cracket - Salamander Books Ltd.
Liebevoll aufgemachte, gut lesbare Enzyklopädie mit zahlreichen Bildern - englischsprachig The Nashville Sound von Paul Hemphill - Reiner Wunderlich Verlag, Tübingen und Stuttgart Kritische Auseinandersetzung mit dem Musikgeschäft Nashvilles - deutschsprachig - erschien Ende der sechziger Jahre
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