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Civic Education

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Civic Education ist ein im angloamerikanischen Sprachraum entstandenes pädagogische Modell, das darauf abzielt, durch soziales und multikulturelles Lernen, demokratisches Handeln und Denken einzuüben.


Civic Education - wird auch mit Citizenship Education benannt - kann als »lernen für Demokratie und Zivilgesellschaft« übersetzt werden und ist nicht zu verwechseln mit der politischen Bildung in Deutschland und Österreich. Politische Bildung ist wesentlich theoretischer als Civic Education, welche eine pragmatischere Herangehensweise hat. Dabei geht es um die Gestaltbarkeit der Gesellschaft im Sinne einer künftig gerechten und friedlichen Welt. Der Europarat hat deshalb für 2005 das Jahr der "Education for Democratic Citizenship" ausgerufen (Info pdf).


Civic Education soll zum einen politisches Engagement und soziale Kompetenz fördern und zum andern helfen, fundamentale demokratische Prinzipien zu verstehen und sich auch für diese einzusetzen. Civic Education bedeutet deshalb auch die Intervention jedes Einzelnen in die relevanten Prozesse des Alltags.


Civic Education ist eine Reaktion auf spezifische gesellschaftliche Probleme (Immigrationsprobleme, Rassismus, Intoleranz, Egoismus, Gender mainstream, Globalisierung, Ethik, Kulturverlust) und die Notwendigkeit, dass auch die Jugend aktiv die Demokratie und Gesellschaft mitgestalten sollte. Kommunikativer Unterricht und soziales Lernen, stehen dabei im Mittelpunkt. Nach dieser Erziehungsmethode soll nicht nur Toleranz geübt werden; Ziel ist vielmehr eine bewusste Förderung von pluralistischen Anschauungen und divergentem Denken. Die Jugend soll an die Aufgabe herangeführt werden, die Gesellschaft bewusst und aktiv mitzugestalten. Durch Angebote und neue Perspektiven soll humanistische Prägung, die schließlich Zivilcourage hervorbringt, erfolgen.


Jüngste inhaltliche Erweiterungen erfuhr Civic Education aufgrund der neuesten Erkenntnisse in Gen-und Hirnforschung: Life Sience und Self Science. Die evolutionäre Erkenntnistheorie (Popper/Lorenz), teilweise auch die Anthroposophie (Steiner/Beuys/Krischnamurti), die Neurosenlehre Erwin Ringels und die Logoherapie Viktor Frankls, sowie die Dialogpädagogik Martin Bubers waren dabei wesentliche Vorläufer. Da es insgesamt gesehen um die Bekämpfung von Vorurteilen, Klischees (u.a. auch Kitsch) und Illusionen geht, ist neuerdings auch der Erwerb von Medienkompetenz wesentlich geworden. Schließlich bedeutet Civic Education auch die Abkehr von der Millieutheorie und dem Kulturdeterminismus.


Civic Education beruht u.a. auf der pädagogischen Theorie von John Dewey und der Philosophie des Pragmatismus. Diese setzt eine hohe Priorität auf lernendes Handeln im Vergleich zur bloßen Rezeption von Inhalten. Civic Education bietet erfahrungsorientierte Lernsituationen im demokratischen Sprechen und die Übernahme von Verantwortung im Handeln.


Civic education ist auch eine Reaktion auf das Böckenförde-Diktum: "Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist." Wenn die Individuen in der säkularen Gesellschaft aus den Religionen kein soziales Kapital mehr erwerben können, dann könnte dieser Ansatz dem abhelfen.


Innerhalb der Civic Education werden zwei Ansätze unterschieden. Der erste Ansatz (John Rawls, Ronald Dworkin [1] , Bruce Ackermann) betont die Aufgabe (der Schule), die kommunikative Kompetenz (siehe die Methoden unten) der BürgerInnen (SchülerInnen) zu fördern und nicht normative Vorgaben des guten Lebens zu vermitteln.


Der zweite Ansatz (Benjamin R. Barber) betont nicht die Förderung der kommunikativen Kompetenz, sondern die aktive Gestaltung der Lebenswelt. Schule soll hier normative Tugenden vermitteln und diese sollen dann in der Öffentlichkeit angewendet werden um gesellschaftliche Probleme zu lösen.


Der Unterschied der Civic Education zur politischen Bildung in deutschprachigen Ländern: Die politische Bildung beruht in der Schule mehr auf passives, kognitives Lernen. Methoden sind hier häufig der traditionelle Lehrervortrag und Textanalyse (Frontalunterricht), aber seltener Formen des aktiven, partizipatorischen Lernens. Diese konventionelle Methode entspricht jedoch nicht den Erkenntnissen der modernen Erziehungswissenschaft, ist also gewissermaßen kontraproduktiv und nicht evaluierbar.


Weil Civic Education den "Vorhang" lüften will, um wahrzunehmen wie politische und gesellschaftliche Prozesse genaugenommen ablaufen, um zu erkennen,wie in der Regel manipuliert und instrumentalisiert wird, steht die Politik der "Politischen Bildung", aber auch "Civic Education", beinahe reflexartig mit Misstrauen gegenüber. Strenge Regelmentierung und Behinderungen sind deshalb leider immer noch der Fall (siehe: "Der lange Anfang").


Methoden der Civic Education sind u.a.:




  • Lernen durch Vorbildwirkung


siehe auch: Demokratische_Erziehung, Lernen


Literatur:


  • Anne Sliwka: Das anglo-amerikanische Beispiel. Band 2, Weinheim 2001. ISBN_3-935696-02-7 (kann kostenlos bei der Freudenberg Stiftung bestellt werden)
  • Andrea Wolf (Hg.) Der lange Anfang 20 Jahre "Politische Bildung" in den (österr.) Schulen, Sonderzahl, ISBN_3-85449-132-8


Links:




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