Ab 1507 ist er Dozent an der Universität Wittenberg. Dort setzt er sich vor allem mit den Schriften Wilhelm von Ockhams auseinander. 1510 promoviert er im Fach Theologie. Er wird Professor der Theologie und Diakon an der Stiftskirche Allerheiligen (Schlosskirche Wittenbergs, zur Universität gehörend). Martin Luther promoviert unter Karlstadt.
Durch die Lektüre von Staupitz und Augustinus entwickelt er eigene reformatorische Ansätze. Gemeinsam mit Luther schreibt und disputiert er gegen Johannes Eck. Für eine kurze Zeit wirkt er in Dänemark, kehrt aber bald nach Wittenberg zurück.
1521/22 kommt es in Wittenberg zu Unruhen. Luther befindet sich auf der Wartburg und Karlstadt treibt die Reformation in Wittenberg voran. Er predigt gegen die Bilder(verehrung), das Zölibat und für ein Abendmahl in beiderlei Gestalt (Brot und Wein für die Gemeinde). Das Weihnachtsfest 1521 feiert Karlstadt in weltlicher Kleidung ein Gottesdienst in beiderlei Gestalt und hält seine Predigt auf Deutsch.
Durch seine Predigten angestachelt kommt es Februar zum Bildersturm. Der Rat der Stadt weiß auf die Predigten Karlstadts keine Antwort und auch Melanchthon ist in den theologischen Aussagen unsicher. Karlstadt beruft sich nämlich nicht mehr nur noch auf die Bibel, sondern auch auf eine geistige Berufung. Das Verhältnis von Geist und Schrift ist bei Melanchthon zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig ausgearbeitet.
Der Rat ruft nach Luther, der die Unruhen beenden sollen. Luther gegen den Rat Friedrichs von der Wartburg und hält im März 1522 in Wittenberg seine Invokavitpredigten. Darin heißt er die Reformationen Karlstadts als gut, kritisiert aber dessen Umsetzungen. Karlstadt nimmt in seiner Reformation keine Rücksicht auf die Schwachen.
Nach diesen Unruhen legt Karlstadt seinen Prälatenrock ab und kleidet sich mit dem Bauernrock. Auch den Doktortitel legt er ab und lässt sich ab dann Bruder Andreas nennen. Er muss nach Orlamünde weichen.
Orlamünde
1523 geht er dann als Pfarrer ins sächsische Orlamünde. Dort führt er die Reformation, unterstützt durch dir Gemeinde, in seinem Sinne durch. In vielen Punkten (Bilder, Abendmahlsfrage) ähneln seine Positionen denen Zwinglis und Calvins. Im August 1524 kommt es zu zwei heftigen Streitgesprächen mit Luther in Jena und Orlamünde. Im selben Jahr wird er aus Sachsen vertrieben.
weitere Stationen
Obwohl Karlstadt ein Bündnisangebot Thomas Müntzers abgelehnt hatte, muss er nach der Niederschlagung der Aufstände fliehen. Luther erwirkt für ihn politisches Asyl in Sachsen, nachdem Karlstadt seine Abendmahlslehre widerrufen hat. 1529 kehrt er Sachsen endgültig den Rücken. In Norddeutschland trifft er auf Melchior Hofmann, einen Täufer. Auch ein Aufenthalt in Pilsum / Ostfriesland ist historisch zu belegen.
Schweiz
1530 erneut auf der Flucht, geht Karlstadt nach Basel und Zürich. Für ein Jahr hat er eine Pfarrstelle in Altstätten inne. Auf Fürsprache Heinrich Bullingers wird er 1534 Professor und Pfarrer in Basel. Nach einem bewegten Leben stirbt er dort 1541 an der Pest.
Wirken und Werke
Zunächst Förderer und Weggefährte Luthers, entwickelt Bodenstein bald eine eigene reformatorische Konzeption. Insbesondere in seinen Vorstellungen von der Laienkompetenz ging er weiter als viele andere Reformatoren.
Ulrich Bubenheimer, Consonantia Theologiae et Iurisprudetiae - Andreas Bodenstein von Karlstadt als Theologe und Jurist zwischen Scholastik und Reformation, in: Ius Ecclesiasticum, Bd. 24 (Tübingen 1977)
Ulrich Bubenheimer, Stefan Oehming (Hrsg.): Querdenker der Reformation - Andreas Bodenstein von Karlstadt und seine frühe Wirkung. 1. Aufl. Religion & Kultur-Verlag, Würzburg 2001 ISBN_3933891078
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