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Bevölkerungswachstum

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Das Bevölkerungswachstum bezeichnet die Zu- oder Abnahme der Zahl der Einwohner einer Raumeinheit. Es ist eines der zentralen Untersuchungsgebiete der Demografie.


Inhaltsverzeichnis


1 Demografische Grundgleichung

2 Quantifizierung des Wachstums

3 Theoretische Auseinandersetzung mit Bevölkerungswachstum

4 Problemkreis weltweit

5 Abmindernde Faktoren des Bevölkerungswachstums

6 Siehe auch

7 Weblinks


Demografische Grundgleichung

Es existieren zwei zentrale Einflussfaktoren für das Bevölkerungswachstum in einer einzelnen Raumeinheit:




Dieser Sachverhalt wird in der so genannten demografischen Grundgleichung festgehalten:



mit:


Pt = Bevölkerung zum Zeitpunkt t (Population)
Pt+n = Bevölkerung zum Zeitpunkt t + n
Bt,t+n = Zahl der Geburten zw. t und t + n (Birth)
Dt,t+n = Zahl der Sterbefälle zw. t und t + n (Death)
It,t+n = Zuwanderung zw. t und t + n (Immigration)
Et,t+n = Abwanderung zw. t und t + n (Emigration)

In verbaler Beschreibung gibt die Gleichung die Bevölkerung zum Zeitpunkt t+n an, als Resultat der vormaligen Bevölkerungszahl zum Zeitpunkt t, modifiziert durch die Differenz von Geburten und Sterbefällen (B - D) und durch die Differenz von Zu- und Abwanderungen (I - E) im Betrachtungszeitraum


(n).


Quantifizierung des Wachstums

Tabelle


Das Ausmaß des Bevölkerungswachstums wird als Wachstumsrate in Prozent ausgedrückt. Bei einem Bevölkerungswachstum von 1,5% (die mittlere globale Wachstumsrate beträgt gegenwärtig rund 1,9%) braucht eine gegebene Bevölkerung ca. 48 Jahre für eine Verdoppelung der Bevölkerungszahl; beträgt die Wachstumsrate 2% verkürzt sich die Verdoppelungszeit auf 37 Jahre. Bei einer Rate von 3,5%, die in einigen afrikanischen Ländern erreicht bzw. überschritten wird, beträgt die Verdoppelungszeit nur noch 22 Jahre (siehe auch Geburten- und Sterberate).


Theoretische Auseinandersetzung mit Bevölkerungswachstum

Das Grundprinzip des Bevölkerungswachstums und seine Abhängigkeiten von den natürlichen Umweltbedingungen erkannte bereits Thomas Malthus und beschrieb sie in seinem 1798 erschienenen "Essay on the Principle of Population". Seine Hauptthese lautete, dass Bevölkerungswachstum grundsätzlich exponentiell, das Wachstum der verfügbaren Nahrungsmittelressourcen jedoch stets linear verlaufe. Nach dieser Annahme muss es also früher oder später (abhängig von den Wachstumsraten) zu einem Überschreiten der natürlichen Tragfähigkeitsgrenze kommen ("Wachstumsfalle", malthusian checks).


Die Vorstellung eines exponentiellen Wachstums überschreitet meist das menschliche Vorstellungsvermögen, denn im Alltag wird man zumeist mit Wachstum in geometrischen Schritten konfrontiert. Ein exponentieller Wachstumsprozess (als vereinfachtes Modell für Bevölkerungswachstum - unbegrenzt, bei konstanter Wachstumsrate) wird durch folgende Formel beschrieben:



wobei Nt die zu bestimmende Bevölkerung zu einem Zeitpunkt t ist, N0 die Bevölkerung zum Ausgangszeitpunkt t0, e die Euler'sche Zahl (2,1718...) ist und rt die Wachstumsrate zum Zeitpunkt t darstellt.

Ein anschauliches Beispiel (Quelle: Hoimar von Ditfurth, 1988, So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen) gibt die Überlegung, wie dick ein Blatt Zeitungspapier (0,2mm) nach fünfzigmaligem Falten sein wird?


Das (theoretisch) entstehende Papierungetüm würde eine "Dicke" von 225.179.981 km aufweisen und damit nur unwesentlich kleiner sein als die durchschnittliche Distanz zwischen Sonne und Mars (227.940.000 km).

[Bild:] Mit zunehmender Annäherung an eine Tragfähigkeitsgrenze (tg) wächst der Umweltdruck (rot) und sinkt die Wachstumsrate

Man geht davon aus, dass biologisches Wachstum nicht ohne Regulation stattfindet und Anpassungsvorgänge stattfinden, bevor eine natürliche Tragfähigkeitsgrenze erreicht oder überschritten wird. Empirische Erkenntnisse, beispielsweise aus der Beobachtung von Tierpopulationen, legen nahe, natürliche Wachstumsprozesse als logistische Wachstumsprozesse zu begreifen:


Mit der Annäherung an eine Tragfähigkeitsgrenze nimmt der Umweltdruck auf eine wachsende Population zu, das heißt beispielsweise, dass die Versorgung mit Lebensmitteln zunehmend schwieriger wird, die Sterblichkeit in der Population zunimmt, die Geburtenraten sinken usw. Der Verlauf eines derartigen Wachstums nähme die Form einer S-Kurve an (vergleiche Abbildung).


Das weltweite Bevölkerungswachstum ist nur begrenzt beeinflussbar. Eine langfristige Stabilisierung der Weltbevölkerung wird jedoch allgemein angenommen (siehe UNFPA). Zwei Trends sind möglich:


  • 1. Schnelles Wachstum bis zu einem Gipfel, danach krisenhafter Rückgang.
  • 2. Logistischer Wachstumsverlauf mit anschließender Stabilisierung der Bevölkerungszahl. Eventuell nimmt die Weltbevölkerung in einem weiteren Stadium dann langsam wieder ab.


Problemkreis weltweit

Umgangssprachlich wird oft das Wachstum der Weltbevölkerung mit dem Begriff Bevölkerungswachstum gleich gesetzt. Ungehemmtes Wachstum führt zu dramatischen ökologischen Problemen und politischen Herausforderungen. Bis vor kurzem wuchs die Weltbevölkerung exponentiell. Heute gibt es Anzeichen für eine Verminderung des Bevölkerungswachstums in sehr vielen Ländern. In fast allen Industrieländern ist in den nächsten 50 Jahren mit einem Bevölkerungsrückgang zu rechnen.


Ein solcher Rückgang ist auch in der Volksrepublik China und in einigen Ländern des südlichen Afrika zu erwarten. Dort gibt es bereits Länder, die praktisch kein Bevölkerungswachstum mehr aufweisen (Botswana (-0,55% 2003), Simbabwe, Südafrika), vor allem wegen Misswirtschaft, Hunger, Krieg und Seuchen v.a. (Aids aber auch Tuberkulose und Malaria).


In Russland und der Ukraine gibt es bereits einen größeren Bevölkerungsrückgang (ca. 0,5-1% pro Jahr). Auch in Nordamerika ist die Zahl der Geburten pro Frau auf unter 2 gerutscht und in vielen Länder Südamerikas ist ein Rückgang auf 2 Geburten pro Frau zu beobachten.


In Mittel- und Osteuropa und den Nachfolgestaaten der UdSSR sind 1,1 bis 1,4 Geburten pro Frau heute schon die Regel. Lediglich in islamischen Ländern und in Südostasien ist noch mit größerem Bevölkerungswachstum zu rechnen.


Die so genannte Bevölkerungsexplosion in den Entwicklungsländern wird zwar in den entwickelten Ländern allgemein beklagt, es werden aber nur wenige Maßnahmen getroffen, um den Wachstumstrend zu bremsen. Darüber wird im Rahmen der Weltbevölkerungskonferenzen der UNO debattiert.


Abmindernde Faktoren des Bevölkerungswachstums

  • Krankheiten führen zu einer Begrenzung des Bevölkerungswachstums
    • AIDS und andere Krankheiten können sich bei der großen Zahl von Menschen ("Monokultur Mensch") und ihrem besonderen Verhalten explosionsartig ausbreiten.
  • Hungersnöte und soziale Konflikte wie Krieg und Bürgerkrieg oder Drogensucht, die vor allem junge, heranwachsende Menschen betreffen.
    • Erreichen und Überschreiten der Höchstfördermenge fossiler Brennstoffe (Peak-Oil), was eine Begrenzung und schließlich einen Rückgang der Energieverfügbarkeit für die Landwirtschaft (Dünger, Pestizide, Treibstoff) haben wird, sollten nicht rechtzeitig Ersatz-Energieformen gefunden werden. Folge kann eine zunächst stagnierende und dann stetige Verringerung des Nahrungsangebots sein.
  • Einige Länder haben Bevölkerungsprogramme gestartet, die teilweise mit recht autoritären Mitteln das Wachstum stoppen sollen. In Indonesien, China und Thailand laufen solche Programme mehr oder minder erfolgreich.


Siehe auch



Weblinks



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