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Autonome

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Als Autonome oder autonome Gruppen werden umgangssprachlich in Deutschland bestimmte Mitglieder unabhängiger radikal linker Bewegungen bezeichnet, die bei entsprechenden Demonstrationen teilweise durch eine erhöhte Gewaltbereitschaft gegen ihre Gegner auffallen.


Autonome Gruppen sind weder parteipolitisch noch sonst formal als Vereine organisiert. Untereinander bestehen lose Verbindungen und Netzwerke.


Die Autonomen streben danach, auch unabhängig der bestehenden Gesellschaftsordnung, selbstbestimmte Freiräume zu schaffen. Dogmatische Etikettierungen werden von ihnen in der Regel abgelehnt. Im Allgemeinen verfolgen sie dem Sozialismus bzw. Anarchismus nahe stehende Ideale.


Inhaltsverzeichnis


1 Geschichte der Autonomen in Deutschland

2 Theorie und Inhalte

3 Subkulturelle Einflüsse

4 Weiterführende Artikel:

5 Literatur

6 Weblinks


Geschichte der Autonomen in Deutschland

Die Autonomen sind aus der Tradition bestimmter Teile der APO während der Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre hervorgegangen. Die Neue Linke, die so genannte "Spontibewegung" und Aktionen der "Spaßguerilla", beispielsweise von Mitgliedern der Kommune 1 in Westberlin übten einen wesentlichen Einfluss auf Inhalte und Aktionen der deutschen Autonomen aus.


In den 1970er Jahren waren es vor allem auch Autonome, die im Ruf standen, linksterroristische Gruppen wie die RAF, die Bewegung 2. Juni und besonders die Revolutionäre Zellen (RZ) u.a. zu unterstützen oder mit ihnen zu sympathisieren.


Zwischen den 1970er und 1990er Jahren bis in die Gegenwart nahmen und nehmen autonome Gruppen oft an Demonstrationen und Aktionen der neuen Sozialen Bewegungen teil, beispielsweise der Friedensbewegung oder der Anti Atomkraft-Bewegung. Massiver beteiligt waren sie zum Beispiel unter anderem an den Auseinandersetzungen und dem Widerstand gegen das Atomkraftwerk in Brokdorf um 1982, die geplante Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf bis 1986, gegen den Bau der Startbahn West in Frankfurt am Main in den 1980er Jahren. Bis in die Gegenwart beteiligen sich auch viele Autonome an den Aktionen zur Behinderung der Castor-Transporte aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage in La Hague ins deutsche Endlager in Gorleben.


Je nach Zielsetzung und Inhalt der Aktionen sind Autonome von den Organisatoren der jeweiligen Demonstrationen und Aktionen mal willkommen und mal unerwünscht. Umstritten ist die Militanz der Autonomen bzw. deren Bereitschaft, je nach Eskalationsphase einer Demonstration oder einer anderen politischen Aktion auch Gewalt, etwa in Form von Wurfgeschossen (Molotow-Cocktails, Anwendung von Zwillen u.a.) oder Rangeleien usw. gegen ihre Gegner, gegebenenfalls auch gegen die polizeiliche Staatsgewalt, anzuwenden.


Um nicht erkannt zu werden, treten Mitglieder der autonomen Gruppen immer wieder geballt in Teilgruppen und vermummt als so genannter Schwarzer Block (wegen der bevorzugten schwarzen Kleidung) bei Demonstrationen auf. Dieses Verhalten stellt sich als Reaktion gegenüber polizeilicher Gewalt dar. Das Auftreten in geschlossenen Reihen und nach außen abgesichertem Block setzte sich als Schutz gegen Polizeigewalt und willkürliche Festnahmen durch, seitdem Helm, Schienenbeinschoner, Brille, Atemmaske usw. als Schutz vor Einsatzmitteln der Polizei vom Gesetzgeber als "passive Bewaffnung" bei politischen Demonstrationen verboten wurden. Das uniforme schwarze Auftreten erschwert es der Polizei, einzelne Personen wieder zu erkennen.


Schwerpunktmässig von den Autonomen besetzte Aktionsfelder bilden in der neueren Gegenwart vor allem die Hausbesetzerbewegung mit Besetzungen leerstehender ungenutzter Wohnräume (Beispiel Hafenstraße in Hamburg), Aktionen gegen Aktivitäten von alten und neuen Nazis (Antifa) sowie Solidarisierungsaktionen mit Immigranten und politisch Verfolgten, die in Europa Asyl suchen (vgl. auch: Antirassismus).


Theorie und Inhalte

Zu den am meisten diskutierten Inhalten in Autonomen Gruppen gehören die Frage von Selbstbestimmtheit und Militanz.


Im Verständnis der Autonomen sei es dabei nicht möglich, letztlich autonom, d.h. selbstständig im Sinn von selbstbestimmt, und unabhängig zu sein. Jeder Mensch lebe in einem Geflecht von Abhängigkeiten, was für ein soziales Wesen auch normal sei. Das Hauptaugenmerk liege auf der Frage, inwieweit diese Abhängigkeiten fremd- oder selbstbestimmt seien, wobei angestrebt wird, möglichst ohne Fremdbestimmung leben zu können.

Militanz wird in den Autonomen Gruppen im Wortsinn als "kämpferisch", nicht als "militärisch" verstanden. Gewalt als Selbstzweck oder als inhaltsleeres Ritual wird abgelehnt. Das Gewaltmonopol des Staates wird jedoch ebenso verneint.

Ziele militanter Aktionen waren und sind neben den beschriebenen Aktionsfeldern auch Sexshops, Veranstalter von Sextourismus und ähnlichem (Sexismus), Ausländerbehörden (Rassismus), Schulungszentren und Treffpunkte von Nazis (Faschismus und Neofaschismus) oder auch einzelne Betriebe, die sich durch einen besonders ausbeuterischen Umgang mit Angestellten und/oder der Natur einen Namen machten (Kapitalismus).


Zu den theoretischen Grundlagen der Autonomen zählt die "triple oppression" (Beschrieben in "Drei zu eins" von Klaus Viehmann). Diese verwirft das Bild sozialistischer und kommunistischer Klassiker, nach denen im Kapitalismus der Hauptwiderspruch liege, und für die andere Formen von Ausbeutung und Unterdrückung wie Rassismus und Sexismus nur Nebenwidersprüche darstellten. Vielmehr sei jeder Mensch Teil eines Netzes aus allen drei Gewaltformen die sich nur, je nach Lebenssituation, unterschiedlich stark ausprägen.


Subkulturelle Einflüsse

Ab Anfang der 1980er Jahre übte die aufkommende subkulturelle Punkbewegung mit einer Lebensstil- und Musikrichtung, die sich gegen die kommerzialisierte Rock- und Popmusik ebenso wie gegen konventionelle Mode und Lebensstilrichtungen wandte, einen prägenden Kulturellen Einfluss auf große Teile vor allem der noch relativ jungen Autonomen aus.


Allerdings gab es immer auch Interessenskonflikte zwischen Punks und den von ihnen so bezeichneten "Automaten". Während in vielen Autonomen Zusammenhängen auch theoretische und ihnhaltliche Diskurse anstehen, gelten Punks als eher theoriefeindlich. Während Autonome in der Regel Wert auf eine gewisse Disziplin legen (z.B. kein Alkohol bei Aktionen und Demonstrationen, keine sinnlose Gewalt, keine Duldung sexistischen Verhaltens._..), gelten Punks oftmals als undiszipliniert und unkalkulierbar.


Weiterführende Artikel:

Alternativbewegung, Anarchie, Anarchismus, APO, Antifa, Atomkraftgegner, Hausbesetzerbewegung, Neue soziale Bewegungen, Punk, Revolutionäre Zellen, Schwarzer Block, Sponti


Literatur

Geronimo: Feuer und Flamme. Zur Geschichte der Autonomen, 5. Auflage, Berlin 2000 (zuerst 1990), m. umfangr. Literaturliste Almut Gross/Thomas Schultze: Die Autonomen, Hamburg 1997


Bernd Langer: Kunst als Widerstand. Plakate, Ölbilder, Aktionen, Texte der Initiative Kunst und Kampf, Bonn 1997


Jan Schwarzmeier: Die Autonomen zwischen Subkultur und sozialer Bewegung, Books on Demand 2001 (http://www.die-autonomen.de)


A.G. Grauwacke: Autonome in Bewegung, Berlin 2003, http://autox.nadir.org/


Sebastian Haunss: Identität in Bewegung? Prozesse kollektiver Identität bei den Autonomen und in der Schwulenbewegung, Wiesbaden 2004


Weblinks



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