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Außenwirtschaft

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Inhaltsverzeichnis


1 Überblick

2 Güterwirtschaftliche (reine) Außenwirtschaftstheorie

  2.1 Komparative Kostenvorteile und Austauschverhältnis

  2.2 Handelspolitik und Protektionismus

  2.3 Ordnung des Welthandels

3 Monetäre Außenwirtschaftstheorie

  3.1 Darstellung des Außenhandels in der Zahlungsbilanz

  3.2 Wechselkurs und Außenhandel

  3.3 Die internationale Währungsordnung

4 Integration von Wirtschaftsräumen

  4.1 Europäische Integration

  4.2 Andere Integrationsräume

5 Betriebswirtschaftliche Aspekte des Außenhandels


Überblick

Die Außenwirtschaftslehre befasst sich mit allen Fragen, die mit dem grenzüberschreitenden Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital zusammenhängen. Im Bereich der Volkswirtschaftslehre stellt die Außenwirtschaftslehre im Grunde kein eigenständiges Gebiet dar, sondern sie wendet nur Aussagen und Theorien aus der Makroökonomie und Mikroökonomie auf außenwirtschaftliche Fragstellungen an.


Sie muss dabei aber zwei Besonderheiten Rechnungen tragen: Erstens sind Länder in unterschiedlichem Maße mit Produktionsfaktoren und Ressourcen ausgestattet. Mit den daraus resultierenden Fragen befasst sich die güterwirtschaftlich (reine) Theorie des Außenhandels. Zweitens findet Handel zwischen unterschiedlichen Währungsgebieten statt, wodurch Forderungen und Verbindlichkeiten in fremden Währungen entstehen und der Wechselkurs eine entscheidende Rolle spielt. Mit diesem Themenkomplex befasst sich die monetäre Theorie des Außenhandel. Beide Ansätze stehen weitgehend unverbunden nebeneinader, sind aber erforderlich, um alle Facetten der Außenwirtschaft abzuhandeln.


Über diese "klassischen" Themmen hinausgehend haben in den letzten Jahren Fragen der wirtschaftlichen Integration verstärktes Interesse in Wirtschaftstheorie und der Öffentlichkeit gewonnen.


Ein gesondertes Wissensgebiet sind betriebswirtschaftliche Aspekte des Außenhandels, so z.B. der Anbahnung und Abwicklung von Exportgeschäften, der Absicherung gegen Wechselkurs-, wirtschaftliche und politische Risiken.


Güterwirtschaftliche (reine) Außenwirtschaftstheorie

Komparative Kostenvorteile und Austauschverhältnis

Die güterwirtschaftliche Theorie befasst sich mit den Ursachen des Außenhandels. Dieser kommt zu Stande


  • wenn Güter in einem Land nicht verfügbar sind, (z.B. Deutschland importiert Bananen)
  • besondere Präferenzen für ausländische Güter bestehen (Import von französischen Champagner)
  • Länder über unterschiedliche Kostenvorteile verfügen.


Adam Smith ging noch davon aus, dass sich Außenhandel nur beim Vorhandensein absoluter Kostenvorteile lohnt. David Ricardo (1772-1825, englischer Nationalökonom) zeigte aber, dass auch ein Land, das bei allen Gütern über absoluten Kostenvorteile verfügt, dennoch Nutzen aus dem Außenhandel ziehen kann, wenn es seine komparativen Kostenvorteile ausnutzt.


Quintessenz dieser Überlegungen ist, dass Spezialisierung und Außenhandel die Wohlfahrt aller Länder erhöht. Die gilt zumindest dann, wenn sich auf den Weltmärkten ein Austauschverhältnis terms of trade herausbildet, bei dem beide Seiten profitieren. Allerdings sind die Vorteile aus dem Außenhandel an Annahmen geknüpft, die in der Praxis nicht ohne weiteres erfüllt sind. So wird unterstellt, dass Produktionsfaktoren in den beteiligten Ländern flexibel einsetzbar sind, dass also ein Land, das z.B. sein Vorteile auf dem Gebiet der Landwirtschaft verliert, die dort beschäftigten Arbeitskräfte ohne weiters in Industrien einsetzen kann, die über Vorteile im Außenhandel verfügen. Auch kann die Spezialisierung zu Monokulturen führen, wodurch Länder von einem Produkt abhängig werden und sich terms of trade herausbilden können, die nicht mehr vorteilhaft für das Land sind; unter diesem Problem leiden viele Entwicklungsländer.


Handelspolitik und Protektionismus

Obwohl ein freier Welthandel nach der Theorie der komparativen Kosten den Wohlstand aller Volkswirtschaft begünstigt, ergriffen und ergreifen Länder protektionistische Maßnahmen zur Beschränkung des Handels. Dass es dazu kommt, liegt unter anderem daran, dass die Vorteile des Freihandels für den Einzelnen gering sind und von diesem nicht bewusst wahrgenommen werden, während Nachteile oft kleine Gruppen (in Deutschland z.B. die Bergarbeiter) sehr hart treffen, die entsprechend laut ihre Interessen artikulieren.


Traditionelle Instrumente einer strategischen Handelspolitik sind Zölle, Kontingente und Exportsubventionen. Man bezeichnet diese auch als tariffäre Handelshemmnisse. Große Bedeutung besitzen aber auch nicht-tariffäre Maßnahmen wie z.B. Selbstbeschränkungsabkommen, Ausländer diskriminierende Vorschriften und Normen oder bürokratische Regelungen.


Ordnung des Welthandels

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Neuordnung des Welthandels 1947 mit der Gründung des Allgemein Zoll- und Handelsabkommen GATT. In seinem Rahmen fanden acht Verhandlungsrunden statt, in denen die Zölle weltweit gesenkt wurden. Die achte Runde (sog. Uruguay-Runde) endete mit der Gründung der Welthandelsorganisation WTO.


Monetäre Außenwirtschaftstheorie

Während im Mittelpunkt der güterwirtschaftlichen Theorie physische Ströme von Waren und Dienstleistungen stehen, betrachtet die monetäre Theorie die denen entsprechenden Geldströme und bezieht auch den internationalen Kapitalverkehr mit ein.


Darstellung des Außenhandels in der Zahlungsbilanz

Definitorischer Rahmen für die Abbildung der grenzüberschreitenden Geld- und Kapitalströme ist die Zahlungsbilanz. Diese ist insgesamt gesehen stets ausgeglichen, da alle Ungleichgewichte letztlich durch die Zentralbank ausgelichen werden, deren Devisenreserven sich entsprechend verändern. Von einer ausgelichenen Zahlungsbilanz spricht man, wenn sich die Devisenreserven nicht ändern, also die Devisenbilanz ausgeglichen ist. Instrumente zum Zahlungsbilanzausgleich sind der Wechselkurs und der Zins.


Wechselkurs und Außenhandel

Die klassiche Annahme der monetären Außenwirtschaftslehre ist, dass das Angebot und die Nachfrage auf den Devisenmärkten allein aus dem Außenhandel ergibt: Exporteure erlösen Devisen und bieten sie an, Importuere benötigen zur Bezahlung ihrer Rechnungen Devisen und fragen sie nach. Bildet sich der Wechselkurs frei nach Angebot und Nachfrage, dann beeinflussen Ungleichgewichte in der Zahlungsbilanz den Wecchselkurs, und der Wechselkurs beeinflusst wiederum die Zahlungsbilanz. (Bei festen Wechselkursen erfolgt die Anpassung über die Inflationsraten). Hat ein Land einen Überschuss in der Zahlungsbilanz, übersteigt das Angebot auf dem Devisenmarkt die Nachfrage, der Kurs der ausländischen Währung gerät unter Druck bzw. die inländische Währung wertet auf.


Eine Aufwertung der heimischen Währung verteuert aber die Ausfuhren, so dass, eine normale Preiselastizität der Nachfrage vorausgesetzt, im Ausland weniger Exportgüter nachgefragt werden, die Ausfuhren also sinken. Gleichzeitig werden Importgüter billiger, so dass die Einfuhren steigen. Damit verringert sich der Überschuss in der Zahlungsbilanz. Diese hier nur vereinfacht wiedergegebene Argumentation war es, die Ende der sechziger Jahre, als das Bretton-Woods-System fester Wechselkurse zusammenbrach, die Forderung nach flexiblen Wechselkursen laut werden ließ.


Allerdings wird die Zahlungsbilanz inzwischen in hohem Maße durch Kapitalströme beeinflusst, die zwar auch auf Wechselkurse reagieren, aber auch durch Zinsdifferenzen, Wachstumserwartungen etc. beeinflusst werden.


Die internationale Währungsordnung

Noch während des Zweiten Weltkrieges wurde bei einer Konferenz in Bretton Woods die Neuordnung der internationalen Währungsordnung in die Wege geleitet mit Gründung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und seiner Schwesterorganisationen Weltbank und Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD). Die Wechselkursbeziehungen zwischen den IWF-Mitgliedern waren durch das Bretton-Woods-System geregelt, dass durch feste Wechselkurse aller Mitgliedsländer gegenüber dem Dollar gekennzeichnet war, für den wiederum ein Goldstandard galt. Als das System Anfang der siebziger Jahre zusammenbrach, bildete sich in Europa das Europäisches Währungssystem heraus, in dem die stark verflochtenen Länder der Europäischen Union untereinander feste Wechselkurse vereinbarten.


Aufgabe des IWF ist heute vor allem die Überwachung der Stabilität der Währungen ihrer Mitglieder (Surveillance) und die Gewährung von Überbrückungskrediten, um Währungskrisen zu vermeiden. Allerdings verfolgten die IWF-Mitglieder zeitweise informelle Wechselkursziele, so z.B. 1985, als sie in konzertierter Aktion eine außerordentlich starke Aufwertung des Dollar stoppten und 1987, als sie den Fall des Dollar beendeten.


Integration von Wirtschaftsräumen

Zu Definition und Formen der Integration siehe Wirtschaftliche Integration. Zu den Wirkungen siehe auch Zollunion.


Europäische Integration

Vgl. dazu den Überblicksartikel Europäische Union, der zu weiteren Themen und Stichworten der europäischen Integration führt.


Andere Integrationsräume

In Europa hatte sich parallel zur EU die EFTA (European Free Trade Association) gegründet, die meisten ihrer Mitglieder traten aber nach und nach der EU bei. In Osteuropa war als Gegenpol zur Marshallplanhilfe der [Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe]] (RGW, COMECON) entstanden, der sich 1991 mit dem Ende des planwirtschaftlichen Systems auflöste.


In Nordamerika wurde die US-kanadische Freihandelszone 1994 durch den Beitritt Mexikos die NAFTA (Nordamerikanische Freihandelszone) gebildet. In Südamerika gründeten Argentinien, Uruguay, Brasilien und Paraguay den Mercosur. In der Planung ist eine panamerikanische Freihandelsuone FTAA.


In Asien steht die regionale wirtschaftliche Integration noch am Anfang. In Südostasien existiert zwar schon seit 1967 die ASEAN, jedoch unternehmen ihre Mitglieder erst derzeit erste Schritte in Richtung einer Freihandelszone.


Betriebswirtschaftliche Aspekte des Außenhandels

Aus betrieblicher Sicht sind grenzüberschreitende Geschäfte mit besonderen Risiken verbunden:


  • Dadurch, dass Geschäfte häufig in fremden Währungen fakturiert werden, ergibt sich die Notwendigkeit einer Absicherung gegen Wechselkursrisiken (siehe:Hedging).
  • Dadurch, dass die Transportwege länger sind, entstehen auch größere Transportrisiken als im Binnenhandel. Deshalb sind klare Absprachen zu treffen, wo Risiken vom Versender auf den Empfänger übergehen und wer welche Kosten zu tragen hat. Um hier klare Regeln zu schaffen, werden in Verträgen international eindeutig definierte Handelsklauseln verwendet.
  • Ferner unterliegt Außenhandel besonderen Länder- und politischen Risiken. Eine staatlich garantierte Absicherung gegen solche Risiken sind in Deutschland die Hermes-Bürgschaften.
  • Schließlich kann es schweierig sein, Forderungen gegen Vertragspartner durchzusetzen, deren Rechtssitz im Ausland liegt und für die daher das inländische Recht nicht anwendbar ist.
  • Absicherung im Außenhandel auch durch Dokumentenakkreditiv möglich.


Siehe auch: Außenhandelsstatistik


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