Als Kaiser Arcadius im Jahr 408 verstarb, wurde der erst siebenjährige Theodosius II. zum Kaiser des oströmischen Reiches gekürt. Aelia Pulcheria, seine dreizehnjährige älteste Schwester überredete ihren Bruder, den Beamten zu entlassen, der mit der Regentschaft betraut war. Fortan leitete sie selbst den Haushalt und kümmerte sich um ihre jüngeren Geschwister.
414 verlieh ihr Theodosius den Titel Augusta, damit wurde sie offiziell Mitregentin ihres Bruders, ihr standen damit auch kaiserliche Würden zu. Vorher hatte sie als Nobilissima bereits Vorteile gegenüber anderen Mitgliedern der kaiserlichen Familie. Pulcheria regierte als "jungfräuliche Prinzessin" das oströmische Reich, indem sie ihren jüngeren Bruder Theodosius leitete. Im Jahre 447 führten Gegensätze mit der ebenfalls zur Augusta erhobenen Kaisergattin Eudokia und dem Minister Chrysaphios dazu, daß Pulcheria für einige Zeit den byzantinischen Kaiserhof verliess und im Palast Hebdomon in klösterlicher Einsamkeit lebte. Nach dem Tod ihres Bruders im Jahr 450 übernahm sie selber die Regierung, was aber nur möglich war, wenn sie verheiratet wäre. Daraufhin heiratete sie Markian, führte wegen ihres Keuscheitsgelübdes eine Josefsehe und herrschte fortan mit ihrem Gatten bis zu seinem Tod 457.
Regierung
Eine selbstständige Regierung im engeren Sinne führte Pulcheria nicht, immer war sie entweder an ihren Bruder oder später an ihren Mann gebunden. Aelia Pulcheria galt einerseits als sehr sozial. Sie wurde für ihre Grosszügigkeit gegenüber Armen gelobt und war fürsorglich gegenüber Mönchen, dem Klerus in deren Projekte.
Andererseits war sie in ihrem teils überbordenden christlichen Eifer sehr intolerant gegenüber Andersgläubigen. Auf ihr Betreiben hin wurden Juden und Heiden vom römischen Beamtentum und aus der Armee ausgeschlossen. Es wird ihr auch nachgesagt, Gesetze befürwortet zu haben, die zur Gewalt gegen Andersgläubige aufriefen. Bedeutung erreichte die Einladung des Kaiserpaares an den Papst Leo I. zur Teilnahme am Konzil von Chalcedon451, einem der größten christlichen Konzile.
Trotz aller Fehler wurde sie von ihrem Volk geliebt und bewundert, ihren Nachfolgern galt ihre Mischung aus tiefer Frömmigkeit und eiserner Härte als Vorbild. Das Kaiserpaar wird in der römischen und in der griechischen Kirche als Heilige verehrt. Eine Plastik des Kopfes der Pulcheria, aus der Mitte des 5. Jh. stammend, befindet sich im Castello Sforzesco in Mailand. Erwähnenswert ist weiter ihr Bild mit Zepter, Krone und Lilie im Gemälde von G. Reni in Rom, S. Maria Maggiore, Cap. Paolina.
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