Die Aufmerksamkeit bezeichnet einen Zustand gerichteter Wachheit(siehe Vigilanz) und dadurch bedingter Auffassungs- und Aktionsbereitschaft des Menschen.
Aufmerksamkeit tritt graduell verschieden stark auf. Sie bewirkt, daß Erkenntnisgegenstände bevorzugt beachtet, herausgehoben, fixiert, klarer und deutlicher erfaßt werden. Die Informationsverarbeitungskapazität nimmt zu. Die aufmerksame Zuwendung zu Umgebungseigenschaften tritt in Situationen auf:
die für den Menschen vitale oder soziale Bedeutung haben
die mit Gefahr
die mit Unsicherheit
die mit Ungewißheit
verbunden sind und dadurch den Erwerb entscheidungsrelevanter Informationen erfordern. Bedürfnisse, Interessen, Einstellungen, und Motive spielen daher bei der Entstehung und Verteilung der Aufmerksamkeit eine große Rolle. Früher unterschied man zwischen willkürlicher oder aktiver Aufmerksamkeit als Folge vorsätzlicher Konzentration und unwillkürlicher oder passiver Aufmerksamkeit, die oft entgegen der Absicht des Menschen durch auffällige Reize hervorgerufen wird.
Zu den Eigenschaften der Objekte als Aufmerksamkeitseigenschaften
Die Grenzen sind fließend. Neuartige Objekte führen zu einer Steigerung der Aufmerksamkeit(siehe Orientierungsreaktion). Gleichsinnige wirken bei wahrnehmbaren Gegenständen als folgende Faktoren:
Größe und Reizintensität
Bewegung
Farbigkeit
Kontrast zur Umgebung
scharfe und regelmäßige Begrenzung
auffällige Symmetrie
eine Position an ausgezeichneter Stelle des Gesichtsfeldes, z.B. links oben
In der Werbung werden diese Zusammenhänge genutzt, um optimale Vorlagen eindrucksvoll zu gestalten, z.B. Plakate, Inserate oder Prospekte.
Zum Umfang der Aufmerksamkeit
Der Umfang der Aufmerksamkeit wird durch die Anzahl gleichartiger Gegenstände betimmt, die mit einem Blick, d.h. in etwa 200 Millisekunden wahrgenommen werden können. Beim Erwachsenen sind das 6 bis 12, im Mittel 8 Objekte, bei Kindern weniger. Der Aufmerksamkeitsumfang hängt auch ab von:
der Art der wahrzunehmenden Gegenstände
von der Bekanntheit der Gegenstände
von der Beleuchtunsgintensität auf die Gegenstände
dem Kontrast, unter dem die Gegenstände erkennbar sind
von der subjektiven Einstellung des Beobachters zu den Typen der Gegenstände
Es ist nahezu unmöglich, gleichzeitig einen optischen und einen taktilen Reiz zu beurteilen, wie R. Pauli (1924) zeigte. Das stützt auch die als Enge des Bewußtseins bezeichnete Annahme, daß sich die Aufmerksamkeit jeweils nur einem Inhalt zuwenden kann. Mehrfachleistungen beruhen offenbar auf einem schnellen Wechsel der Zuwendung von einer Aufgabe zu einer anderen. Das ist anstrengend und führt reasch zur Ermüdung.
Zur Beurteilung von Aufmerksamkeitstypen
Bei sehr schwachen Reizen, z.B. beim leisen Ticken einer entfernten Armbanduhr, sind periodische Schwankungen der Aufmerksamkeit nachweisbar. V. Urbantschisch (1875 stellte eine Phasenlänge von 5 bis 8 Sekunden fest. Individuelle Besonderheiten des aufmerksamen Verhaltens führten zur Unterscheidung von Aufmerksamkeitstypen:
die fixierende Aufmerksamkeit beschränkt sich auf ein Detail, hat einen engen Umfang, ist einseitig, starr und analytisch
die fluktierende Aufmerksamkeit hat einen weiten Umfang, ist vielseitig, gleitend, ganzheitlich und synthetisch
Seit E. Neumann (1913) unterscheidet man bei Bevorzugung bestimmter Sinnesgebiete
visuelle
auditive
motorische
Typen.
Modelle zur Erklärung der Aufmerksamkeit
Zur Erklärung der Aufmerksamkeit wurden zahlreiche Theorien aufgestellt. Die Erklärungsversuche durch G. W. Leibniz (1704), Wilhelm Wundt (1873) gehen von der Annahme aus, die Aufmerksamkeit sei ein innerer Willensprozess und diene der selektiven Ausgliederung von Bewußtseinsinhalten und der Apperzeption von Vorstellungen. Die Theorien von G.E. Müller (1924), H. Hennig (1925) und R. Rohrbacher (1953) nehmen im Zentralnervensystem physiologische Mechanismen an, die eine spezifische Erregbarkeitssteigerung bestimmter Bereiche der Hinrinde und Bahnungseffekte bewirken.
Die Gestaltpsychologen negieren die Aufmerksamkeit als eigenständigen Prozess. P. J. Galpernin (1968) betrachtete die Aufmerksamkeit als eine besondere Form der psychischen Tätigkeit, nämlich als Kontrolltätigkeit, die den Vollzug geistiger Handlungen steuert.
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