Der Athanor ist ein spezieller Ofen, der von den Alchemisten benutzt wurde. Der Name leitet sich aus dem arabischen Wort at-tannur für Ofen ab.
Funktion und Zubehör von alchemistischen Öfen
Für alchemistische Prozesse spielten Erwärmung oder Erhitzung eine wichtige Rolle.
Ein wichtiger Prozess war zum Beispiel die Destillation. Indem man sie erhitzte, verdampfte eine flüssige Substanz. Die Dämpfe kondensierten und wurden in eine Destilliervorlage abgeleitet. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Sublimation: Bei diesem Verfahren wurde eine feste Substanz erhitzt; deren Dämpfe setzten sich in fester Form an den kühleren Stellen des Sublimationsgefäßes wieder ab. Ein weiteres wichtiges Verfahren stellt das Digerieren (von lateinisch digerere, verdauen) dar. Der Alchemist verstand darunter einen Verdauungs- oder Reifungsprozess. Er gab die Substanzen in ein fest verschlossenes Gefäß und ließ sie unter gleichmäßiger Temperatur einige Tage oder Wochen "reifen".
Im Mittelalter stellte es ein Problem dar, die Hitzezufuhr der Öfen zu regeln. Nachdem im 16. Jahrhundert Stellschieber erfunden worden waren, mit denen man die Luftzufuhr regeln konnte, war auch das Erreichen von verschiedenen Hitzgraden im gleichen Ofen möglich. Bevor es diese Stellschieber gab, musste der Alchemist für jeden Hitzegrad der für einen speziellen Vorgang benötigt wurde, einen eigenen Ofen haben.
Die Öfen waren meist aus Backsteinen erbaut und mit einem speziellen Ofenlehm verkittet. Es gab auch Metallöfen, die aus Kupfer oder Eisen bestanden. Auch aus Ton stellte man Öfen her. Das Heizmaterial waren Holz oder Holzkohle. Jeder Ofen besaß im Prinzip einen Aschen-, einen Feuer- und einen Arbeitsraum. Diese waren allerdings nicht immer voneinander getrennt.
Ofentypen
Der Athanor wurde auch Philosophischer Ofen genannt, denn in ihm sollte der Stein der Weisen (lapis philosophorum) hergestellt werden. In einem philosophischen Ofen konnte eine Substanz in einem verschlossenen Gefäß über eine längere Zeit mit milder und gleichmäßiger Wärme behandelt werden. Der Aufbau des Ofens war turmförmig und in seinem Inneren befand sich ein ovales, zugeschmolzenes Gefäß (philosophisches Ei). Dieses Gefäß enthielt die Substanz, die zum Stein der Weisen umgeformt werden sollte.
Im 16. Jahrhundert kam mit dem so genannten Bequemlichkeitsofen (auch fauler Heinz oder Piger Henricus genannt) ein Ofentyp in Gebrauch, der über einen gesonderten Schacht für das Brennmaterial verfügte. Aus diesem Schacht rutschte die Holzkohle stetig nach, so dass verbrauchtes Brennmaterial automatisch nachgefüllt wurde. Der Alchemist musste also nicht regelmäßig Holzkohle nachlegen.
Literatur
Bernhard Dietrich Haage: Alchemie im Mittelalter. Ideen und Bilder - von Zosimos bsi Paracelsus, Düsseldorf, Zürich 2000, ISBN_3-7608-1222-8
Claus Priesner und Karin Figalla: Alchemie. Lexikon einer hermetischen Wissenschaft, München 1998, ISBN_3-406-44106-8
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