Der Asiatische Esel (Equus hemionus) ist eine Art der Pferde. Er ist äußerlich dem eigentlichen Esel ähnlich, hat aber auch viele pferdeartige Merkmale; aus diesem Grunde wird er auch als Halbesel oder Pferdeesel bezeichnet. Außerdem ist er unter zahlreichen regionalen Bezeichnungen wie Onager oder Kulan bekannt (siehe Unterarten).
Mit einer Kopfrumpflänge von über 2 m, einer Schwanzlänge von 40 cm, einer Schulterhöhe von 130 cm und einem Gewicht von 250 kg ist der Asiatische Esel etwas größer als ein durchschnittlicher Hausesel. Die Oberseite ist grau, fahlgelb oder rotbraun gefärbt; die Unterseite ist weiß. Über den Rücken zieht sich ein schwarzer Aalstrich. Halbesel haben breitere Hufe und kürzere Ohren als echte Esel; außerdem sind Schwanzquaste und Mähne weniger ausgeprägt.
Halbesel sind die schnellsten Vertreter der Pferde. Sie können im Galopp Geschwindigkeiten von 70 km/h erreichen und über längere Distanzen 50 km/h halten.
Unterarten und Verbreitung
Über die Einteilung in Unterarten gibt es sehr viel Uneinigkeit. So werden in vielen älteren Werken noch sieben Arten von Halbeseln unterschieden, die heute meistens als Unterarten angesehen werden. Manche Zoologen wollen bestimmte Unterarten als eigene Arten abtrennen, so zum Beispiel den Kiang, der die größten Abweichungen von den gemeinsamen Merkmalen zeigt. Meistens werden heute aber alle Halbesel einer Art zugerechnet. Die Unterarten sind dann:
1. Anatolischer Halbesel (E. h. anatoliensis), Anatolien, ausgestorben
7. Kiang (E. h. kiang), westliches China, Himalaya-Region
Onager und Kulan sind nach Ansicht mancher Autoritäten in Wahrheit ein und dieselbe Unterart. Vom Dschiggetai wird manchmal eine weitere Unterart abgespalten, der Gobi-Halbesel (E. h. luteus).
Im westlichen Teil seines Verbreitungsgebiets kam der Halbesel früher gemeinsam mit dem Esel vor. Heute sind dort beide Arten in der Wildnis ausgerottet.
Der Lebensraum sind trockene Halbwüsten, wo die Halbesel die spärlichen Gräser abweiden. Sie brauchen jedoch Wasserstellen in der Nähe, da sie regelmäßig trinken müssen.
Domestikation
Es kann keinen Zweifel daran gehen, dass alle heutigen Hausesel vom Afrikanischen Esel abstammen. Die Frage, ob auch der Asiatische Esel domestiziert werden kann und ob dies in der Vergangenheit geschehen ist, wurde kontrovers diskutiert. Auf Darstellungen aus dem alten Mesopotamien glaubte man Tiere zu erkennen, die weder Pferd noch Esel waren, und schloss daraus etwas vorschnell, dass der Halbesel von den Sumerern und Akkadern domestiziert worden sei, um ihn vor Wagen zu spannen. In neueren Versuchen ist es aber nie gelungen, den Halbeseln ihre Scheu vor dem Menschen zu nehmen. Es wird allgemein als wahrscheinlicher angesehen, dass auch in Mesopotamien Afrikanische Esel domestiziert wurden (die trotz ihres Namens in vorgeschichtlicher Zeit auch in Vorderasien vorkamen).
Bedrohung und Schutz
In geschichtlicher Zeit durchzogen Halbesel die asiatischen Halbwüsten in großen Herden. Ihr Bedürfnis zu trinken führte sie regelmäßig an die wenigen Wasserstellen ihres Lebensraums. Hier brauchten Jäger bloß auf sie zu warten, um sie abzuschießen. Alle Unterarten sind bedroht, wenn auch in unterschiedlichem Maße.
Anatolischer und Syrischer Halbesel
Der Anatolische Halbesel wurde bereits in der Antike ausgerottet. Syrische Halbesel waren noch im 19. Jahrhundert zahlreich im Gebiet des heutigen Irak vertreten, das sie in großen Herden durchstreiften. Nachdem er immer seltener geworden war, wurde der Syrische Halbesel im Ersten Weltkrieg von britischen und osmanischen Truppen der Region so häufig geschossen, dass er an den Rand des Aussterbens gebracht wurde. Der letzte wilde Syrische Halbesel wurde dann 1927 geschossen; ein Einzeltier überlebte noch einige Jahre im Zoo von Wien.
Onager
Die Bestandszahlen des Onager im Norden des Iran werden auf weniger als 500 geschätzt. Die Onager leben in zwei voneinander getrennten Populationen in den Schutzgebieten von Touran und Bahram-e-Goor. Durch drakonische Strafen für Wilderei und die Schaffung von zusätzlichen Wasserstellen bemüht sich die iranische Regierung, das Überleben der Unterart sicherzustellen.
Aus Zoos stammende Onager wurden in der Wüste Negev in Israel ausgesetzt. Manche von diesen entstammen jedoch Kreuzungen mit Kulanen.
Kulan
Nachdem der Kulan in Kasachstan und weiten Teilen Turkmenistans ausgerottet worden war, schuf die Sowjetunion in den 1940ern das Badkhys-Wildreservat, wo sich in den folgenden fünfzig Jahren eine große Herde von 6000 Tieren bildete.
Die Bestandszahlen des Kulan in Turkmenistan sind in jüngster Zeit stark abgefallen: von den 6000 Tieren im Jahr 1993 auf geschätzte 650 im Jahr 2000. Schuld an dieser Entwicklung ist der Wegfall der effektiven Jagdkontrolle, die zur Zeit der Sowjetunion geherrscht hatte. Mit der Unabhängigkeit Turkmenistans fielen die Gesetze weg, und Wilderei griff um sich. Die einzige verbliebene Herde lebt zwar im Badkhys-Wildreservat, doch in der Trockenzeit unternimmt sie eine regelmäßige Wanderung zum Fluss Kuska, der außerhalb des Reservats liegt.
Dschiggetai
Der Dschiggetai, auch Mongolischer Kulan genannt, ist momentan wenig bedroht. 45.000 Tiere leben derzeit in der Mongolei. Allerdings üben Bauern Druck auf die Regierung aus, den Schutzstatus des Dschiggetai aufzuheben, da die Halbesel potenzielles Weideland zertrampeln sollen. Seit den 1990ern nimmt die Wilderei zu, so dass auch der Dschiggetai in seinen Bestandszahlen bald stark reduziert sein dürfte.
Khur
Während der 1960er starb der Khur in den iranischen und pakistanischen Teilen seines Verbreitungsgebiets aus. Überlebt hat er lediglich im Wildreservat der Salzwüste von Kutch in Gujarat, Indien. In den späten 1980ern verließ ein Teil der dortigen Herde, vermutlich aufgrund einer Dürre, das Schutzgebiet, so dass es nun kleine Herden in verschiedenen Teilen Gujarats gibt.
Eine Zählung im Jahr 1999 ergab 2839 Khure im Kutch-Wildreservat. Die Population ist beständig angestiegen, doch momentan gefährdet ein Kanalbauprojekt den Status des Reservats als Schutzgebiet. Außerdem gibt es Forderungen nach der Genehmigung von Salzabbau in Kutch. Außerhalb des Schutzgebiets werden Khure von Bauern geschossen, die in ihnen Konkurrenz für ihre Rinder bei der Suche nach Weideland sehen.
Kiang
DNA-Analysen haben die Vermutung nahegelegt, dass der Kiang eine eigene Art und keine Unterart des Halbesels ist. Er ist größer und noch pferdeartiger als andere Halbesel und hat eine kräftig rotbraune Farbe.
In China gibt es etwa 65.000 Kiangs, davon 45.000 in Tibet und die übrigen in Qinghai, Gansu und Xinjiang. Weitere 2000 leben in Indien (Kaschmir und Sikkim), und eine kleine Herde von 25 Tieren im äußersten Norden Pakistans. Über das Vorkommen von Kiangs in Nepal und Bhutan gibt es widersprüchliche Angaben. Derzeit ist der Kiang nicht bedroht, und da weite Teile seines Verbreitungsgebiets unbewohnt sind, gibt es auch keinen unmittelbaren Anlass zur Sorge um seinen Bestand.
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