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Aromaten

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Aromaten (aromatische Verbindungen) sind zyklische organische Verbindungen mit einer bestimmten elektronischen Struktur. Die physikalischen und chemischen Eigenschaften unterscheiden sich aufgrund dieser spezifischen Bindungsstruktur deutlich von den Aliphaten.


Zur Unterscheidung zwischen Aromat und Aliphat dienen die Aromatizitätskriterien.


Inhaltsverzeichnis


1 Aromatizitätskriterien

  1.1 Historische Definitionen

  1.2 Definition der Aromaten

2 Reaktionen von Aromaten

3 Einteilung der Aromaten

  3.1 Kriterien

  3.2 Beispiele aromatischer Verbindungen

    3.2.1 Kohlenwasserstoffe

      3.2.1.1 Kohlenwasserstoffe mit genau einem Benzolkern

      3.2.1.2 Kohlenwasserstoffe mit mehreren Ringen

    3.2.2 Vom Benzol durch Substitution abgeleitete Derivate

    3.2.3 Heteroaromaten

4 Weblinks


Aromatizitätskriterien

Historische Definitionen

  • Aromaten sind dem Benzol verwandte Verbindungen mit oft angenehmem, aromatischem Geruch. Von diesem typischen "Duft" kommt die Bezeichnung Aromat.


Diese Definition ist natürlich zu ungenau (da subjektiv) und veraltet (da bei Aromaten mit hohem Molekulargewicht oder stark polaren Substituenten kein Geruch wahrnehmbar ist).


  • Aromaten sind mehrfach ungesättigte Verbindungen, die gegenüber der Addition an der Doppelbindung relativ reaktionsträge sind und die stattdessen relativ leicht direkt an einer Doppelbindung eine Substitution eingehen.


Diese Namensbestimmung, die eine experimentelle Unterscheidung erlaubt, war beispielsweise im 20. Jahrhundert gültig, schon bevor die Struktur- und Bindungsverhältnisse geklärt waren.


Heute wird in der Regel eine allgemeinere Definition über die elektronische Struktur bevorzugt. Die angegebenen Eigenschaften - kurz: Substitution statt Addition - sind natürlich dennoch charakteristische und sehr wichtige Merkmale.


  • Das Bindungssystem der Aromaten zeigt eine besondere Stabilität, die zum Beispiel durch den Vergleich der Hydrierungsenthalpie als Resonanzenergie bestimmt werden kann.
  • Die Resonanzfrequenz der Wasserstoffatome im Kernresonanzexperiment ist charakteristisch (kleine oder gar negative delta-Werte, physikalische Eigenschaft!).


Definition der Aromaten

Notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzungen für einen Aromaten:




Gleichbedeutend und kürzer lautet diese Bedingung:




Ein Aromat liegt dann vor, wenn auch die folgenden Bedingungen erfüllt sind:


  • Das Doppelbindungssystem ist planar; in Ausnahmefällen sind leichte Abweichungen von der Ebene gestattet.
  • Die Zahl der delokalisierten Elektronen muss der Hückel-Regel genügen, d.h. im konjugierten Elektronensystem müssen 2 oder 6 oder 10 oder 14... Elektronen vorliegen:


Die Hückel-Regel wird meist durch die Formel (4n + 2) π-Elektronen (n = 0,1,2,3...), delokalisiert über alle Ringatome des Systems, wiedergegeben.


Die Grundstruktur vieler aromatischer Verbindungen ist das Benzol C6H6. (Die Hückel-Regel ist hier mit n=1 erfüllt: Benzol besitzt 6 π-Elektronen.) Das Benzol wird daher als einer der einfachsten aromatischen Kohlenwasserstoffe angesehen - insbesondere da die besonderen Eigenschaften aromatischer Verbindungen am Benzol und dessen Derivaten entdeckt wurde. Benzol ist gegenüber einem hypothetischen (d.h. nicht herstellbaren) Cyclohexatrien mit lokalisierten Doppelbindungen stabiler und damit weniger reaktiv.


Da laut Hückel-Regel auch ein planares, zyklisch konjugiertes System mit 2π-Elektronen als Aromat gilt, sind auch Cyclopropenium-Salze Aromaten:


[Bild:] Bild:Cyclopropenyl.png

Dieses Molkül ist deutlich kleiner als das Benzol, da hier n = 0 ist, während beim Benzol n = 1 ist.


Reaktionen von Aromaten

Additionsreaktionen am Aromatenkern sind nur schwer zu erreichen. Überwiegend herrschen Substitutionsreaktionen vor, beispielsweise


  • Elektrophile, aromatische Substitution (zum Beispiel Sulfonierung, Nitrierung)
  • Nukleophile, aromatische Substitution (selten)


Für die Zweitsubstitution am Aromaten gelten spezielle Regeln, die von den bereits vorhandenen Substituenden abhängig sind.


Einteilung der Aromaten

Kriterien

Es gibt eine gewaltige Zahl (mehrere Millionen sind bekannt) verschiedenster aromatischer Verbindungen. Sie können nach verschiedenen Kriterien in Gruppen eingeteilt werden:


  • Wie alle chemische Verbindungen, bei denen zwischen organisch (enthält Kohlenstoffatome) und anorganisch unterschieden wird, können auch die Aromaten entsprechend in organisch und anorganisch unterteilt werden. Ein anorganischer Aromat ist beispielsweise das Borazol B3N3H6, das sich formal vom Benzol C6H6 ableiten lässt, indem man die Kohlenstoffatome abwechselnd durch Stickstoffatome oder Boratome ersetzt.
  • Ringsysteme, die nur aus Kohlenstoffatomen bestehen, nennt man Carbocyclen. Benzol C6H6 und Naphthalin C10H8 gehören demnach zu den Carbocyclen. Heteroaromaten enthalten dagegen wie alle Heterocyclen im Ringsystem selbst andere Atome wie etwa Stickstoff, zum Beispiel im Aromaten Pyridin C5H5N. (Pyridin leitet sich formal vom Benzol ab, indem eine C-H -Atomgruppe durch N ersetzt wird.)
  • Carbocyclische Aromaten (=mit Kohlenstoffatom-Aromatengerüst) können in (aromatische) Kohlenwasserstoffe und substituierte Aromaten unterteilt werden (entsprechend der Einteilung der organischen Verbindungen). Benzol C6H6 und Toluol C6H5-CH3 sind Kohlenwasserstoffe, Phenol C6H5-OH und Trinitrotoluol TNT C6H2(NO2)3(CH3) sind daraus durch Substitution abgeleitete Verbindungen.
  • Es weitere Einteilung erfolgt nach der Zahl der aromatischen Zyklen: Die einfachste aromatische Verbindung, das Benzol besteht aus genau einem Ring. Naphthalin C10H8 ist ein Bicyclus, es enthält zwei aromatische Ringe.
  • Aromaten mit mehreren Ringen können eingeteilt werden in solche, bei denen die Ringe gemeinsame Atome haben (kondensierte oder annelierte Ringe), wie im Naphthalin C10H8, oder solche, mit separaten (isolierten) Ringen, beispielsweise Biphenyl C6H5-C6H5.
  • Eine weitere Einteilung kann nach der Zahl der Ringatome des aromatischen Systems erfolgen. Typisch sind sechs Ringatome, etwa beim Benzol C6H6. Um einen geschlossenen Ring zu bilden, sind mindestens drei Atome nötig, und dementsprechend existieren Aromaten mit drei, vier, fünf - etwa beim C5H5- Cyclopentadien-Anion, sieben oder mehr Atomen.
  • Nach der Ladung des aromatischen Systems, zum Beispiel ist das Cyclopentadien-Anion einfach negativ geladen.


Beispiele aromatischer Verbindungen

Kohlenwasserstoffe

Kohlenwasserstoffe mit genau einem Benzolkern


Kohlenwasserstoffe mit mehreren Ringen
  • Naphthalin C10H8 (2 Ringe; zwei mal Sechsring)
  • Azulen C10H8 (2 Ringe; Fünf-/Siebenring )
  • Anthracen C14H10 (3 Ringe)


Vom Benzol durch Substitution abgeleitete Derivate



Heteroaromaten

  • Furan C4H4O (Fünfring mit Sauerstoffatom)
  • Thiophen C4H4S (Fünfring mit Schwefelatom)
  • Pyridin C5H5N (Sechsring mit Stickstoffatom)


Weblinks



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