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Arianischer Streit

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Der Arianische Streit, die leidenschaftlich geführten Auseinandersetzungen zwischen Trinitariern und Arianern, dominierte die Kirchengeschichte im 4. Jahrhundert.


Diese Spaltung entstand nur wenige Jahre nach Kaiser Konstantins Toleranzedikt von Mailand von 313, das den Christen erstmals freie Religionsausübung zusicherte.


Es handelte sich dabei nicht um einen Streit unter Theologen, die allgemeine Bevölkerung war dabei ebenfalls sehr engagiert.


Der Streit spielte sich nicht nur auf theologischer, sondern vielfach auch oder sogar wesentlich auf politischer Ebene ab.


Im Wesentlichen sind drei Phasen zu unterscheiden:




Inhaltsverzeichnis


1 Personenüberblick:

    1.1 Kaiser (inkl. Regierungszeit)

  1.2 Bischöfe und Priester (mit Amtszeiten)

2 Verlauf

  2.1 Entwicklung bis zum Konzil von Nicäa

  2.2 Das Konzil von Nicäa

  2.3 Die Reaktion der Arianer

  2.4 Wiederaufschwung der Trinitarier

  2.5 Das Konzil von Konstantinopel


Personenüberblick:

Da die beteiligten Herrscher und Bischöfe oft ähnliche oder gleiche Namen aber unterschiedliche Ansichten haben, hier eine Orientierungstabelle.


Kaiser (inkl. Regierungszeit)

Tabelle


Bischöfe und Priester (mit Amtszeiten)

Tabelle


Verlauf

Entwicklung bis zum Konzil von Nicäa

Der arianische Streit begann 318 oder 319 in Alexandria während einer informellen Diskussion über die Dreieinigkeit, die der Bischof Alexander mit seinen Ältesten führte.


Einer der Ältesten, Arius, wirft dem Bischof in der Diskussion Sabellianismus vor (Sabellianismus sieht Gott als eine Person, die sich auf dreifache Weise manifestiert) und erklärt dagegen seine Meinung: es gab eine Zeit, da Jesus nicht war und aus dem Nichts ist er geschaffen, belegt sie mit einigen Bibelversen.


Gegen diese Lehre wehrt sich ein junger Diakon des Bischofs, Athanasius, energisch. Ihm geht es nicht um philosophische Überlegungen, er kämpft für die Erlösung. Jesus, als Retter der Welt, kann nicht selbst ein erlösungsbedürftiges Geschöpf sein. Wenn Arius aus Jesus ein Geschöpf macht, raubt er der Menschheit den Erlöser. Athanasius erinnert an Johannes 1. Sein Anliegen wird später am Konzil ausformuliert.


Es kommt 319 zu einer Synode der Bischöfe von Libyen und Ägypten, auf der Arius einmütig als Irrlehrer verurteilt und aus Alexandria verbannt wird.


Der Streit eskaliert jedoch. Im Volk sind die Meinungen sehr geteilt und werden in jedem Fall leidenschaftlich vertreten, und innerhalb weniger Jahre ist die Christenheit des Ostens tief gespalten. Alexandria ist die Hochburg der Trinitarier, die Exegetenschule von Antiochia steht auf der Seite von Arius.


Der Kaiser persönlich appelliert an Bischof Alexander und Arius, sie sollten sich doch zusammenraufen. Als er sieht, dass eine gütliche Schlichtung nicht möglich ist, beruft er 325 ein allgemeines Konzil nach Nicäa bei Konstantinopel ein.


Das Konzil von Nicäa

Das Konzil erarbeitet die Formeln gezeugt aus dem Wesen des Vaters und gezeugt und ungeschaffen, wesenseins (griechisch oμooυσιoς homoousios (von gleicher Substanz) mit dem Vater. Das Konzil betonte, dass der Sohn Teil der Dreieinigkeit sei, und nicht Teil der Schöpfung.


Allen Arianern wurde mit der Exkommunikation gedroht, falls sie nicht dem Nicäischen Glaubensbekenntnis, das diese Lehre zusammenfasst, zustimmten. Arius stimmt nicht zu und wird verbannt.


Die Reaktion der Arianer

Zwei Jahre später wird Arius begnadigt. Im gleichen Jahr stirbt Bischof Alexander von Alexandria und Athanasius wird sein Nachfolger.


Eine Synode von Tyrus und Jerusalem, bei der sowohl Eusebius von Caesarea als auch Eusebius von Nikomedia eine führende Rolle spielen, nimmt Arius und seine Glaubensgenossen 335 wieder in die Kirche auf. Die gleiche Synode setzt Athanasius ab, und es gelingt ihnen, Kaiser Konstantin auf ihre Seite zu ziehen. Athanasius wird nach Trier verbannt, wo er sich mit Konstantinus, dem Sohn Kaiser Konstantins befreundet.


336 stirbt Arius in Konstantinopel kurz vor seiner Wiederaufnahme in die Kirche.


337 stirbt Kaiser Konstantin, nachdem er von Eusebius von Nikomedia getauft worden war. Die Grabrede hält Eusebius von Caesarea. Das Reich wird unter Konstantins drei Söhne aufgeteilt: Konstantius II. bekommt den Osten, Konstantin II. Britannien und Gallien, Konstans Italien und Illyrien. Konstantius beruft Athanasius zurück nach Alexandrien, wo er mit Begeisterung empfangen wird.


Der Arianer Eusebius von Nikomedia wird 338 Bischof von Konstantinopel, was damals in praktischer Bedeutung in etwa dem Rang des Bischofs von Rom entspricht. Im gleichen Jahr setzt ein Konzil in Antiochia Athanasius ab, er wird ein zweites Mal in Verbannung geschickt. Gregor von Kappadozien wird als Bischof von Alexandria eingesetzt (nicht identisch mit Gregor von Nazianz oder Gregor von Nyssa, die beide zwar ebenfalls Kappadozier aber damals noch im Schulalter sind). Im gleichen Jahr stirbt Eusebius von Caesarea.


Ab etwa 340 bekehrt der Arianer Wulfila die Goten zum (arianischen) Christentum. In den nächsten Jahrzehnten werden die Goten ein wesentlicher Faktor im arianischen Streit, da sie einen großen Teil des kaiserlichen Heeres stellen und damit auch politischen Einfluss haben.


Nach dem Tod von Konstantin II. 340, wird Konstans alleiniger Herrscher des Westens. Er unterstützt die Nicäaner, während sein Bruder Konstantius auf Seiten der Arianer ist. Auch Bischof Julius I. von Rom unterstützt die Trinitarier und nimmt Athanasius auf. Athanasius entwickelt in dieser Zeit gute Beziehungen zur römischen Kirche.


341 werden in Antiochia zwei arianische Konzile gehalten. Sämtliche anwesenden Bischöfe sind aus dem Osten, die meisten gegen Athanasius. Sie verfassen vier arianische Bekenntnisse, erklären jedoch, keine Arianer zu sein, da sie als Bischöfe nicht einem Priester (Arius war nur Priester gewesen) folgen könnten. In diesem Jahr stirbt Eusebius von Nikomedia.


Das Konzil, das Konstantius in Sardika zusammenruft, um die Einheit der Kirche wieder herzustellen, wird ein Fiasko. Der Westen ist gegen Arianismus, der Osten dafür - beide Seiten verurteilen sich gegenseitig.


345 stirbt Gregor von Kappadozien und im folgenden Jahr wird Athanasius wieder als Bischof von Alexandria eingesetzt. Er wird mit Begeisterung empfangen und arbeitet in den nächsten zehn Jahren als Bischof - und weiterhin nebenamtlich als Kämpfer für den trinitarischen Glauben.


350 wird Konstans, der Kaiser des Westens, ermordet, Konstantius ist damit Alleinherrscher und plant, im ganzen Reich die Trinitarier auszuschalten. Er beruft Konzilien ein in Arles (353, Mailand (355) und Beziers (356).


355 wird Athanasius ein drittes Mal verbannt, dieses Mal verbringt er die Verbannung in der Wüste von Oberägypten.


Hieronymus kommentiert zwanzig Jahre später: "Die Welt erwachte mit einem Stöhnen und entdeckte, dass sie arianisch war."


Während der nächsten Jahre werden immer wieder arianische Konzilien zusammengerufen, teilweise unter Konstantius, die insgesamt zehn arianische Bekenntnisse verfassen. Ein heidnischer Beobachter kommentiert: "Die Strassen sind voll von galoppierenden Bischöfen.".


Wiederaufschwung der Trinitarier

361 stirbt Konstantius und benennt seinen Vetter Julian als Nachfolger. Julian ist weder Arianer noch Trinitarier, sondern will die alte römische Religion wieder einführen. In Alexandria gibt es einen Aufstand, der arianische Bischof wird von den Heiden ermordet und Athanasius von seinen eigenen Leuten zurückgerufen.


Nach Julians gewaltsamem Tod kommt nach einem kurzen Zwischenspiel des trinitarischen Kaisers Jovens im Osten der arianische Kaiser Valens an die Macht, im Westen der trinitarische Kaiser Valentinian I., dessen Frau Justina jedoch auf der Seite der Arianer ist.


Zu einer Wende kommt es erst in den 370er Jahren: Basilius von Caesarea wird 370 Metropolit von Caesarea und setzt trotz Druckversuchen von Kaiser Valens seinen ganzen Einfluss für die trinitarische Seite ein. Er bemüht sich, auch Damasus zu einem aktiven Einsatz zu bewegen, erreicht jedoch nicht viel, denn nach dem Tod von Athanasius war zwischen Rom und dem Osten eine Entfremdung eingetreten (nicht jedoch zwischen Mailand und dem Osten). In Kleinasien setzt sich unter dem Einfluss von Basilius die trinitarische Seite durch. Die Hauptstadt Konstantinopel ist immer noch arianisch.


374 wird Ambrosius Bischof von Mailand und arbeitet nicht nur mit Theologie, sondern auch mit politischem Einfluss für die trinitarische Seite - auch Mailand ist jetzt, trotz aller Intrigen der Kaiserin Justina, trinitarisch, der Tod Valentinians, dem sein vierjähriger Sohn auf den Thron folgt (unter Vormundschaft seiner arianischen Mutter) kann daran nichts ändern.


Basilius stirbt 379, im gleichen Jahr wird sein Freund Gregor von Nazianz von der trinitarischen Minoritengemeinde nach Konstantinopel berufen. Er beginnt in einem Kellerlokal zu predigen, die Kirchen sind ihm verschlossen - seine theologisch und rhetorisch überragenden Predigten haben jedoch, trotz massiven tätlichen Angriffen der Arianer, einen solchen Erfolg, dass er ein Jahr später unter Begeisterungsstürmen der Bevölkerung zum Metropoliten von Konstantinopel ernannt wird.


Ebenfalls 379 kommt Kaiser Theodosius an die Macht, der sich 380 trinitarisch taufen lässt und ab 380 mit Gregor von Nazianz in Konstantinopel die trinitarische Lehre durchsetzt.


Das Konzil von Konstantinopel

Theodosius beruft das 1. Konzil von Konstantinopel ein, wo unter der Führung von Gregor von Nazianz und Gregor von Nyssa, dem Bruder von Basilius von Caesarea eine Neufassung des nicänischen Glaubensbekenntnisses erarbeitet wird.


Damit ist der arianische Streit in der orthodoxen Kirche beendet. Während der Arianismus unter den germanischen Völkern, die während der arianischen Vorherrschaft christianisiert wurden (Goten, Vandalen) noch einige Jahrhunderte fortbesteht, wurde der Entscheid von Konstantinopel in der orthodoxen Kirche und katholischen Kirche nie mehr in Frage gestellt.


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