Einen Archetyp oder ein Urbild nennt man eine psychische Strukturdominante, die unbewusst ist und als Wirkfaktor das Bewusstsein beeinflusst, zum Beispiel indem sie dieses präfiguriert und strukturiert.
Ein Archetyp als solcher ist unanschaulich, eben unbewusst, ist in seiner Wirkung aber in symbolischen Bildern erfahrbar, wie beispielsweise in Träumen und Visionen oder künstlerischen Erzeugnissen und Mythen. Es gibt eine begrenzte Anzahl von Archetypen, aber eine unbegrenzte Anzahl von archetypischen Bildern, die als Symbole erscheinen. Ein archetypisches Symbol zeichnet sich dadurch aus, dass es ein heterodoxes Gebilde ist, welches Assoziationen zu geistigen Ideen auslöst.
Hierbei gibt es Grundassoziationen, die sich in vielen Kulturen stark ähneln und das kollektive Element des archetypischen Symbols ausmachen (das von vielen oder allen Menschen unbewusst mit einer Idee oder einem Prinzipassoziiert wird). Ein Kreis zum Beispiel wird in den meisten Kulturkreisen (sic) als Symbol der Geschlossenheit, der Ganzheit und Vollständigkeit stehen oder ein Kreuz wird mit den vier Himmelsrichtungen oder vier Elementen und somit mit einer strukturierten Ganzheit, aber auch einem Mittelpunkt assoziiert.
Archetypen beruhen auf einer Instinktgrundlage und stellen eine Art von "arttypischen Programmen" dar und haben sich evolutionär entwickelt, in dem Sinne, dass instinktives Verhalten die Kultur und Bewusstseinsentwicklung des Menschen prägte und dass bestimmte psychische Strukturelemente für das Überleben der Art von Vorteil waren.
Beispiele für ein solches instinktgeprägtes Verhalten sind verschiedene Lebensphasen wie Kindheit und Jugend oder zwischenmenschliche Beziehungen wie das Mutter-Kind-Verhältnis oder die Partnerwahl.
In vielen wissenschaftlichen Disziplinen wurde mittlerweile erforscht, inwiefern die menschliche Spezies von arttypischen unbewussten Strukturen geprägt wird. Anzuführen wären hier unter anderen die Ethologie, die Linguistik, die Gehirnforschung, die Evolutionspsychologie und die experimentelle Traumforschung.
Das Konzept wurde von dem schweizerischen Psychiater Carl Gustav Jung ausformuliert und wird oft "Das kollektive Unbewusste" im Sinne von kollektivem, unbewusstem Wissen genannt. Wenn ein archetypisches Verhalten unterdrückt wird, so manifestiert sich dieses Verhalten einseitig in einem Schatten.
Jung erkannte in Träumen vier Kategorien von archetypischen Symbolen:
den Schatten, welcher der Ich-Sphäre anzurechnen ist und unterdrückte oder verdrängte Persönlichkeitsanteile enthält, Anima und Animus, die eigenen gegengeschlechtlichen psychischen Anteile, den alten Weisen oder die alte Weise, die Weisheitsschicht der Psyche und den Archetyp des Selbst, welcher sowohl Ich als auch Unbewusstes umfasst, Zentrum und Umfang der Gesamtpsyche darstellt und die zentrale Selbststeuerungsinstanz der Psyche ist.
Nach Moores und Gilettes Interpretation existieren vier grundlegende Archetypen mit ihren Schatten, Bernard A. Lietaer fügt einen fünften Archetypus ein:
Der Liebhaber als Element der Partnerschaft, der sich in den Abhängigen und den Impotenten spalten kann
Der Herrscher als Element der Integration, der sich in Tyrann und Schwächling spalten kann
Der Krieger als Element des Schutzes, der sich in Sadist und Masochist spalten kann
Der Magier als Element des Wissens und Lehrens, der sich in den Hyperrationalen und den Willkürlichen spalten kann
sowie die Große Mutter als Element des Ernährens und Erhaltens, die sich in Gier und Knappheit spalten kann
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