Die Israelische Arbeiterpartei ist unter verschiedenen Namen bekannt. Folgende Bezeichnungen führte sie bisher:
Zionistische Arbeiter פועלי ציון ("Zions Arbeiter", "Poalei Zion")
Mapai bzw. Mapa"y - מפא"י : "Die Partei der Arbeiter des Landes Israel" (1930-1970)
HaMaarach - המערך: "Schlachtreihe" (der Mapai and Mapam)
Ha-Avoda (Avoda) - העבודה, lit "Arbeit"
Ein Israel ישראל אחת - zusammen mit Gesher und Meimad (1999-2001).
Der derzeitige Name ist "Ha-Avoda."
Geschichte
Die Mapai (Mifleget Poalei Eretz Israel - Arbeitspartei des Landes Israel) wurde in den 1930er Jahren als moderatere Splittergruppe der zionistisch-sozialistischen russischen Partei Poale Zion gegründet. In den frühen 1920er Jahren hatte die zionistische Arbeiterbewegung die Histadrut (Allgemeine Hebräische Gewerkschaft) gegründet, welche die hebräische Siedlungswirtschaft und Infrastruktur dominierte und später die Mapai zur herrschenden Kraft in der Bewegung des Zionismus machte. Sie ist ebenfalls für die Gründung von Hashomer und Haganah verantwortlich, der ersten beiden bewaffneten jüdischen Gruppen, deren Aufgabe darin bestand, die Bevölkerung und den Besitz der hebräischen Siedlungen gegen Angreifer zu verteidigen.
In den frühen 1930er Jahren kam der Arbeiterführer David Ben-Gurion an die Macht und führte die Mapai für zwei Jahrzehnte, bevor er sich nach Sede Boker zurückzog, um "die Negev-Wüste zum Blühen" zu bringen. Unter Ben-Gurions Leitung wurde die Mapai die führende Partei im Parlament. Ben-Gurion leitete später den Unabhängigkeitskampf, nachdem er die Unabhängigkeit Israels erklärt hatte und zum ersten israelischen Premierminister gewählt worden war.
Im Jahr 1971 vereinigte sich die Mapai mit zwei anderen Arbeiterparteien, unter anderem mit der Mapam, um die »Arbeiterlinie« zu bilden, aus der die moderne Israelische Arbeiterpartei hervorging.
Bis 1977 gehörten alle Premierminister der Mapai/IAP an. Größter Gegenspieler der IAP war Menachem Begins rechtsliberale Partei Herut (heute Likud). Im Jahr 1977, nach dem Rücktritt Yitzhak Rabins, verlor die IAP die Wahlen gegen Begin.
In den 80er Jahren bildete die Arbeiterpartei mit dem Likud eine große Koalition (eine so genannte "Einheitsregierung"), die 1988, nach einem politischen Zwist zwischen Peres und dem Führer der Schas-Partei Arie Deri zerbrach.
1992 gewann die ILP die Wahlen und Yitzhak Rabin wurde zum Premierminister gewählt. Während der Wahlperiode unterzeichnete er einen Friedensvertrag mit Jordanien und wirkte am Osloer Friedensprozess mit. Das Aufflackern des Terrors nach dem Oslo-Prozess führte schließlich zu der Ermordung Rabins durch den Rechtsextremisten Yigal Amir. Shimon Peres übernahm zunächst kommissarisch die Regierungsgeschäfte bis Mai 1996, als er die Wahlen gegen den Likud-Politiker Benjamin Netanyahu verlor. Die Hauptursache für die verlorene Wahl war eine Welle von Selbstmordattentaten durch die palästinensische Terrorgruppe Hamas.
Die Mapai entstammt der sozialistischen «Arbeiter von Zion"-Bewegung und hing der zionistisch-sozialistischen Ideologie an, wie sie von Nahum Syrkin und Ber Borochov verbreitet wurde. Während der Führung durch Ben-Gurion (30er bis 50er Jahre) konzentrierte sich die Mapai hauptsächlich auf zionistische Anliegen und sah ihr vordringlichstes Ziel in der Schaffung einer nationalen Heimstätte für Juden.
Nach der Gründung Israels wirkte die Mapai am Aufbau des neuen Staates mit, unter anderem in der Gründung der israelischen Armee IDF (wobei sie jede andere bewaffnete Gruppe auflöste), der Gründung vieler Siedlungen, der Ansiedlung von mehr als 1.000.000 jüdischer Einwanderer und der Integration der Einwanderer in eine neue zionistische israelische Kultur (diese Ideologie ist als Schmelztiegel bzw. "Melting pot" bekannt כור היתוך).
Früher nahm die Arbeiterpartei eine härtere Position in Verteidigungsfragen ein als heute. Unter ihrer Regierung war Israel an der Suezkrise (1956), dem Sechstagekrieg und dem Jom-Kippur-Krieg beteiligt.
Heutige Ideologie
Die Arbeiterpartei entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten zu einer Partei der Mitte. Sie ist heute nicht mehr sozialistisch oder sozial-demokratisch (obwohl sie in der Sozialistischen Internationale bleibt), sondern bildet eher eine sozial-liberale Plattform - ähnlich der »Politik des Dritten Weges« der englischen Labour-Partei. Ökonomische Fragen werden in Israel ohnehin selten kontrovers diskutiert, der politische Focus liegt in diesem Bereich somit weniger auf politischen Ideologien. Deshalb unterscheidet sich die Arbeiterpartei in ökonomischen Fragen kaum von der Konkurrenzpartei Likud.
In der Frage des Arabisch-Israelischen Konfliktes nimmt die Arbeiterpartei eine gespaltene Position ein. Die so genannte "Tauben-Fraktion" in der Arbeiterpartei (um Amram Mitzna, Avraham Burg und Yuli Tamir) unterstützt Friedensverhandlungen mit den Palästinensern und will die meisten israelischen Siedlungen im Westjordanland und dem Gazastreifen räumen. Anhänger dieser Richtung kritisieren mit Nachdruck die Vorgehensweise der Israelischen Armee gegen die Palästinenser - etwa die »gezielten Tötungen« von Führern der Terrororganisationen. Im Jahr
2003 spaltete sich eine kleine Gruppierung von der Arbeiterpartei ab. Die früheren Mitglieder Yossi Beilin und Yael Dayan folgten Yachad, um eine neue Linkspartei zu bilden.
Die so genannte "Falken-" oder "Pragmatiker-Fraktion" der Arbeitspartei um Shimon Peres, Offir Pines, Haim Ramon und Benjamin Ben-Eliezer unterstützt Verhandlungen mit den Palästinensern im Falle einer Beendigung des Terrors und des Austauschs der derzeitigen palästinensischen Führung durch eine Regierung, welche nicht mit gewalttätigen Gruppierungen in Verbindung steht. Einige Mitglieder (vor allem Haim Ramon) unterstützen sowohl die Errichtung der Israelischen Sperranlagen um Terroristen abzuhalten, als auch den Rückzug aus den besetzten Gebieten im Westjordanland und dem Gazastreifen.
Die «pragmatische" Fraktion - angeführt von Peres und Ramon - unterstützt schließlich auch den militärischen Kampf gegen palästinensische Terrorgruppierungen. Anders als Mitzna und Burg halten Peres und Ramon die Politik der «gezielten Tötungen" gegen Terroristen wie Ahmed Yassin und Abdel Aziz Rantissi für gerechtfertigt. Sie wären auch bereit, eine Regierung mit dem Likud zu bilden, falls der Friedensprozess wiederaufgenommen wird und Siedlungen abgebaut werden.
Derzeitiger Status
Die Israelische Arbeiterpartei wird derzeit von Shimon Peres geführt und hat 19 Sitze in der sechzehnten Knesset. Kürzlich stimmte die Partei einer Fusion mit der Arbeiterpartei Am Ehad von Amir Peretz zu. Am Ehad hat nur drei Sitze, aber Peretz steht an der Spitze der Histadrut, der mächtigsten Gewerkschaft in Israel, die von der Mapai gegründet wurde. Daher verfügt Peretz über eine erhebliche Macht, könnte beispielsweise einen Generalstreik organisieren, auch wenn er in der Knesset nur über wenige Sitze verfügt.
Die Partei hat über Jahre die israelische Politik dominiert, ist nun aber in der Opposition.
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