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Arbeit (Soziologie)

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Arbeit ist eine zielbewusste und sozial durch Institutionen (Bräuche) abgestützte besondere Tätigkeit, mit der Menschen seit ihrer Menschwerdung in ihrer Umwelt zu überleben versuchen. Somit ist ihr Charakter zwieschlächtig: Sie stellt immer sowohl etwas her wie sie auch etwas zerstört.


Inhaltsverzeichnis


1 Zur Anthropologie der »Arbeit«

2 Wortgeschichte

3 Geschichte der Arbeit und ihrer Theoretisierung

4 Arbeit heute

5 Systematik der Arbeitsverhältnisse

  5.1 Unentgeltliche Arbeit

  5.2 Erwerbsarbeit

6 Zitate

7 Literatur


Zur Anthropologie der »Arbeit«

Es ist bereits strittig, ob man auch tierische Mühsal (z.B. den instinktiven Nestbau oder das andressierte Ziehen eines Pfluges) als »Arbeit« bezeichnen solle. Die »Philosophische Anthropologie« geht zumeist davon aus, dass »Arbeit« erst im Tier-Mensch-Übergangsfeld erscheint (vgl. z.B. Friedrich EngelsAnteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen, MEW 20). Dann wird meist angenommen, dass die Resultate menschlicher Arbeit (als »Gegenstände«) wie in einem Spiegel dem Menschen sich selber zeigen, so dass er angesichts ihrer des Selbstbewusstseins mächtig wird. Das könnten aber auch andere menschliche Tätigkeiten bewirken, so dass »Arbeit« gerade in ihren ursprünglichen Formen schwer von seinen anderen Überlebensstrategien wie Spiel oder Kunst abzusondern ist. Seit der Urgeschichte (bis heute) ist jedenfalls (so Karl Bücher) ein Basiszusammenhang von Arbeit und Rhythmus anzunehmen (vgl. das Arbeitslied).


Wortgeschichte

Das Wort Arbeit ist gemeingermanischen Ursprungs (*arbējiðiz, got. arbeiPs); die Etymologie ist unsicher; evtl. verwandt mit indoeurop. *orbh- "verwaist", "Waise", "ein zu schwerer körperlicher Tätigkeit verdungenes Kind" (vgl. Erbe); evtl. auch verwandt mit aslaw. robota ("Knechtschaft", "Sklaverei", vgl. Roboter).


Im Alt- und Mittelhochdeutschen überwiegt die Wortbedeutung »Mühsal«, »Strapaze«, »Not"; redensartlich noch heute Mühe und Arbeit (vgl. Psalm 90, lateinisch labor et dolor).


Das französische Wort travail hat eine ähnliche, sogar noch extremere Wortgeschichte hinter sich: es leitet sich von einem frühmittelalterlichen Folterinstrument ab.


Das italienische lavoro und das englische labour (amerikanisch labor) gehen auf das lateinische labor zurück, das ebenfalls primär "Mühe" bedeutet.


Viele Redensarten sind mit ihr verbunden. So wurde harte körperliche Arbeit früher als Kärrnerarbeit bezeichnet, und eine Schweinearbeit meint unangenehm viele Arbeit: Wer die Arbeit kennt und sich nicht drückt, | der ist verrückt.


Geschichte der Arbeit und ihrer Theoretisierung

In der Antike galt (zumal körperlich verstandene) Arbeit als Zeichen der Unfreiheit. Sklaven (dúloi) und Handwerker (bánausoi) waren der »Notwendigkeit untertan« und konnten nur durch diese als »unfrei« verstandene Arbeit ihre Lebensbedürfnisse befriedigen. Geistige Arbeit blieb der scholé (gespr. s|cholé) vorbehalten (was etwa »schöpferische Muße« beschrieb, wovon das deutsche Wort Schule her rührt).


Faktisch blieben in Europa - vor allem in der Landwirtschaft - Formen unfreier Arbeit lange erhalten, am stärksten im Russischen Reich; im Deutschen Reich wurden deren letzte Überbleibsel (die Schollengebundenheit in den beiden Mecklenburgs) erst durch die Revolution 1918 beseitigt.


Eine positive Bewertung von Arbeit als »produktiver Betätigung zur Befriedigung eigener oder fremder Bedürfnisse« war im Rittertum und in der Mystik angelegt. Durch Reformation und Aufklärung rückte sie in den Vordergrund: Eine neue Sicht der Arbeit als sittlicher Wert und Beruf (= Berufung) des Menschen in der Welt wurde von Martin Luther mit seiner Lehre vom allgemeinen Priestertum ausgeprägt. Schärfer noch wurde im Calvinismus die Nicht-Arbeit überhaupt verworfen (siehe auch Protestantische Ethik).


In der Frühphase der Aufklärung wurde Arbeit zum Naturrecht des Menschen erklärt (Jean-Jacques Rousseau). Damit wurde das feudalistische Prinzip der Legitimation kritisiert. Eigentum entsteht einzig durch Arbeit, niemand hat ein von Gott gegebenes Anrecht auf Eigentum. Güter, die nicht durch menschliche Arbeit entstanden sind, sind Gemeinbesitz.


Adam Smith spricht von produktiver und unproduktiver Arbeit. »Produktive« Arbeit nennt er die Arbeit, deren Resultat ein verkäufliches Produkt ist. Dazu wird nicht nur der eigentliche Wertschöpfungsprozess (beim Schmied: der Vorgang des Schmiedens selbst), sondern auch alle Arbeiten, die indirekt zur Vervollkommenung des Gutes beitragen (beim Schmied: das Erhalten der Glut, das Pflegen von Hammer und Amboss). »Unproduktiv« ist hingegen die Arbeit, die nicht in einem verkäuflichen Produkt resultiert (z.B. die mütterliche Hausarbeit). Andere Arbeiten sind von diesem Standpunkt aus nicht unnütz, da sie notwendig sind, um produktive Arbeit leisten zu können, und werden heute z. B. als reproduktiv bezeichnet.


Der Frühsozialist Charles Fourier proklamierte 1808 ein Recht auf Arbeit.


In der deutschen Philosophie (Immanuel Kant, Johann Gottfried Herder, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Johann Gottlieb Fichte) wird die »Kategorie Arbeit" zur Existenzbedingung und sittlichen Pflicht erklärt. Nach Karl Marx’ Werttheorie ist die »menschliche Arbeitskraft« als alleinige Kraft fähig, das Kapital (als eine Ansammlung geronnener Arbeit) zu vergrößern (Mehrwert zu akkumulieren), und tut dies im Kapitalismus unausweichlich.


Praktisch spiegelt dies wieder, dass in der Phase der Industrialisierung freie Arbeit augenfällig zur Ware wurde und vorwiegend die düsteren Züge der damaligen Lohnarbeit annahm. So z. B. in Gestalt der Kinderarbeit, des Arbeiterelends (der »Verelendung«), der Arbeitsunfälle und -krankheiten, der drückenden Akkordarbeit - alles dies Merkmale der allgemein so empfundenen »Sozialen Frage«


Deren Folgen wurden schon seit Hegel als »Entfremdung« charakterisiert: Der Arbeiter hat zu seinem eigenen Arbeitsprodukt, aber auch zu dem Unternehmen, für das er arbeitet, nur noch das bare Lohnverhältnis und kann dem gemäß nicht mehr stolz auf sie sein - in diesem ‚Spiegel’ erkennt er sich selbst jedenfalls nicht mehr wieder.


Neben der »produktiven« Eigenschaft der Arbeit wird neuerdings (Lars Clausen) ihre »destruktive« Seite hervor gehoben: Am auffälligsten als (harte, lebensgefährliche) Arbeit der Soldaten, aber auch bei selbst-, mitmenschen- oder umweltzerstörerischer Arbeit ist Destruktives seit je Wesensbestandteil aller Arbeit. (Anders die "vernichtende Tätigkeit", die alltags als Wandalismus auftreten kann und einen organisatorischen Höhepunkt im KZ hatte.)


Arbeit heute

Nach wie vor ist »Erwerbsarbeit« keines Falls mit »Arbeit« überhaupt gleich zu setzen. Wo »Arbeit« auch heute noch nicht »Ware« ist, sind zwei wesentliche Aspekte hervor zu heben:


  • Die nach wie vor in sehr vielen Gesellschaften dominante Subsistenzarbeit ist weiterhin die Arbeit, die der Mensch verrichtet, um seinen Lebensunterhalt zu produzieren und so sein Überleben zu sichern (englische Entsprechung: w:Labour),
  • als Selbstproduktion gibt schöpferische Arbeit - auffällig in den Künsten - in allen Gesellschaften Menschen die Möglichkeit, sich selbst zu entfalten (sich in ihr wieder zu erkennen) (englische Entsprechung: w:Work).


In den wohlhabenden Staaten der Welt (zu denen auch Deutschland zählt), wird die Erwerbsarbeit knapp. Es findet eine zunehmende Flexibilisierung, Virtualisierung und Subjektivierung der Arbeit statt. Inhaltlich verschiebt sich die Arbeit immer mehr in den tertiären Sektor (Dienstleistungen). Zumal die Jugend- und Langzeit-Arbeitslosigkeit rücken die »Arbeit« trotz ihres zentral wichtigen Charakters als Überlebenstätigkeit aus dem Feld der Erfahrung Vieler.


In ärmeren Ländern herrschen zugleich - zum Teil - immer noch Verhältnisse wie in der Industrialisierungsphase Europas: Kinderarbeit, Billiglohnarbeit und fehlende soziale Absicherung sind dort noch selbstverständliche Bestandteile der Arbeitswelt.


Wenn man die Arbeit als wichtigen Wert in der Gesellschaft versteht, dann ist die direkte Besteuerung der Arbeit, insoweit sie den nackten Lebensunterhalt sichert (z. B. durch die Lohnsteuer als Bestandteil der Einkommensteuer) unter dem Gesichtspunkt der Steuergerechtigkeit sehr kritisch zu betrachten


Systematik der Arbeitsverhältnisse

Hier ist nach wie vor der Unterschied bedeutsam


  • zwischen den (sehr vielfältigen) Formen so genannter 'unentgeltlicher' Arbeit, d.h. durch viele - in etwa fünf Millionen Jahren aufgetretene - Formen geldlosen sozialen Tauschs, der soziale Akteure miteinander verknüpft
  • und der historisch erst seit gut drei Jahrtausenden aufgetretenen durch Waren oder Geld entgoltenen (entgeltlichen) Erwerbsarbeit.


Unentgeltliche Arbeit

Die unentgeltliche Arbeit umfasst also historisch sehr viele Formen, die auch heute vorkommen, aber nicht immer als »Arbeit« betrachtet werden. Beispiele sind




Erwerbsarbeit

Erwerbsarbeit kann selbständig oder in einem Beschäftigungsverhältnis geleistet werden; auch sie tritt in zahlreichen Formen auf. Beispiele sind




Das deutsche Privatrecht unterscheidet hier analog zwischen »Werkvertrag« (der Erfolg wird geschuldet) und »Dienstvertrag« (der Dienst wird geschuldet).


Zitate

  • siehe auch: wikiquote - Zitate [1]


Literatur


  • Weblinks



Siehe auch: Arbeitslosigkeit, Arbeitssoziologie, Beruf, Beziehungsarbeit, Dienst


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