Apeiron (griech. ápeiron: die Unendlichkeit) bezeichnet einen von Anaximander in die Philosophie eingeführten Begriff (siehe: Diels, Fragmente der Vorsokratier 12 A 9).
Es wird zumeist mit "das Unendliche", das "Unbegrenzte" übersetzt. Die Einführung dieses Begriffes bezeichnete einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der altgriechischen Philosophie. Die Materie wird bereits jeglicher sinnlicher Konkretheit entkleidet, nicht mehr mit einem bestimmten konkreten Stoff identifiziert.
Der Begriff des Apeiron bildet ein Zeichen dafür, welche hohe Abstraktionsstufe bereits in der Frühzeit des materialistischen und dialektischen Denkens erreicht wurde. Apeiron zeigt an, dass es ursprünglich keine Grenzen in Raum und Zeit gibt.
Als unbestimmte Materie ist das Apeiron Grundlage aller qualitativ bestimmten Körper, so des Himmels, der Erde und aller Welten. Es ist unendlich, Quelle der Schaffung der Naturdinge und ihrer ewigen Bewegung.
Das Apeiron entwickelt aus sich die Gegensätze des Warmen und Kalten. Der Kampf dieser Gegensätze bewegt den Weltprozess. Gleichzeitig setzt Anaximander mit dem Begriff des Apeiron die immanente Gesetzmäßigkeit der sich unendlich entwickelnden Materie. Das Apeiron selbst ist ewig und unvergänglich.
Im Begriff des Apeiron kulminieren spontan-materialistische und naiv dialektische Ideen der ionischen Philosophie. Dieser Begriff wirkt anregend auf das weitere naturphilosophische Denken der Naturphilosophen (griech. physikoi). Von der Antike bis zur Gegenwart wird er sowohl idealistisch wie materialistisch aufgefasst.
Für Platon hat zum Beispiel das Apeiron kein echtes Sein, während Demokrit es zur Bezeichnung des unendlichen absoluten Raumes verwendet. Mit einiger Zurückhaltung ausgedrückt, kann behauptet werden, dass im Apeiron die ganze Entwicklungs- und Gravitationslehre von Charles Darwin beziehungsweise Isaac Newton in Abstraktion antizipiert wurde.
Zur philosphiegeschichtlichen Deutung des Apeiron
Es hat in der Philosophiegeschichte nicht an Versuchen gefehlt, diesen Apeiron-Begriff im Sinne des Idealismus zu deuten, das heißt, ihn als geistig-spirituell zu charakterisieren, so zum Beispiel
Ferdinand Teichmüller, Joseph Neuhäuser, Heinrich Ritter (in: Geschichte der jonischen Philosophie, 2 Bände, Leipzig 1903)
Eduard Röth (in: Geschichte unserer abendländischen Philosophie, Mannheim 1846)
Johannes Hirschberger (in: Geschichte der Philosophie)
Dagegen hat Eduard Zeller, der wohl bedeutendste Kenner der griechischen Philosophie, das anaximandrinische Apeiron ganz eindeutig als körperlich-materiell interpretiert(in: Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung dargestellt, Band I., Leipzig 1869, S. 188 ff.)
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