Ein Anwendungsfall beschreibt einen Ablauf oder einen Geschäftsprozess. Die Granularität kann verschieden sein. Auf sehr hohem Niveau beschreibt ein Anwendungsfall lediglich sehr grob und abstrakt, was passiert, jedoch kann ein Anwendungsfall bis auf Ebene von IT-Prozessen verfeinert werden, sodass das Verhalten einer Anwendung beschrieben werden kann.
Anwendungsfälle wurden bereits vor Etablierung der UML eingesezt. Zusammenhängende Anwendungsfälle können in einem Anwendungsfalldiagramm dargestellt werden.
Der Aufbau eines Anwendungsfalls kann etwa so aussehen:
Name und Identifier: Anwendungsfälle haben einen Namen und werden nach Sachgruppen geordnet durchnumeriert, z.B. UC 2.01.
Beschreibung: Hier erfolgt eine kurze Beschreibung, was im Anwendungsfall passiert. Kurz bedeutet, dass es zwei oder drei Zeilen sind, selten mehr.
Beteiligte Akteure: Akteure sind beteiligte Personen oder Systeme. Z.B. Anwender, eingeloggter Anwender, Kunde, System, Abrechnungsprozess. Die Akteure werden zuvor in einem eigenen Abschnitt dargestellt.
Status: Der Status sagt aus, wie weit die Arbeit an dem Anwendungsfall gediehen ist. In Arbeit, bereit zum Review, im Review abgelehnt und abgenommen sind die üblichen Status.
Verwendete Anwendungsfälle: Wenn der Anwendungsfall auf andere Anwendungsfälle zurückgreift, werden diese anderen Fälle hier aufgezählt. Aufzuzählen sind Name und Identifikationsnummer. Ggf. ist es eine gute Idee, den Verweis interaktiv zu gestalten, d.h. einen Link (bzw. interaktiven Querverweis) einzufügen.
Auslöser: Der bzw. die Gründe dafür, dass dieser Anwendungsfall ausgeführt wird.
Vorbedingungen: Alle Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit dieser Anwendungsfall ausgeführt werden kann. Gibt es keine Vorbedingungen, so steht hier "keine".
Nachbedingung / Ergebnis: Das Ergebnis, das nach einem erfolgreichen Durchlauf des Anwendungsfalls erwartet wird.
Ablaufschritte: Hier wird der eigentliche normale Ablauf dargestellt. Mit normal ist der Geradeausflug gemeint, also der Idealfall bzw. häufigste reguläre Ablauf. Die Ablaufschritte werden numeriert und meist in strukturiertem Deutsch bzw. Englisch beschrieben. Ablaufpläne können jedoch ebenfalls benutzt werden, wenn es angebracht erscheint. Mittels der UML können diese Ablaufschritte in Aktivitätsdiagrammen oder Anwendungsfall-orienterten Sequenzdiagrammen dargestellt werden.
Alternative Ablaufschritte: Dies sind Abläufe außerhalb des Geradeausflugs. Sie stellen Abweichungen oder Verzweigungen der normalen Ablaufschritte dar.
Ausnahmen: Dies sind die harten Ausnahmen, die allerdings noch immer auf fachlicher Ebene formuliert werden. Anstatt z.B. zu schreiben "Datenbank nicht verfügbar", wird eher "Kundenobjekt nicht verfügbar" geschrieben.
Erweiterungspunkte: Diese ermöglichen die Formulierung von Erweiterungen der Funktionalität eines Anwendungsfalles unter bestimmten Bedingungen. Beim Eintreten der jeweiligen Bedingung wird dann die Funktionalität eines weiteren Anwendungfalles in Anspruch genommen (der natürlich ebenfalls modelliert sein muss).
Hinweise: kurze Erklärungen zum besseren Verständnis, Hinweise zu Seiteneffekten, Mengengerüste soweit erforderlich und alles andere, das nicht weiter oben dargestellt werden kann.
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