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Antipsychiatrie

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Die Antipsychiatrie ist eine in den 1950ern u.a. von Ronald D. Laing begründete Bewegung, die sich insbesondere gegen die Erklärung der Schizophrenie als psychische Erkrankung wendet und die Psychiatrie insgesamt in Frage stellt.


Die Antipsychiatrie wird sowohl von einer Minderheit von Psychologen als auch von Betroffenen vertreten.


Inhaltsverzeichnis


1 Problematik: Krankheitsbegriff

2 Wirkungen der Antipsychiatrie

3 Varia

4 Siehe auch


Problematik: Krankheitsbegriff

Ein Problem bei psychischen Störungen ist ihre Diagnose und oft auch Definition. Die schwierige Greifbarkeit der "Normalität" menschlichen Verhaltens führt leicht zu Fehldiagnosen; auch ist ein aktiver Missbrauch durch den Diagnostiker hier einfacher als bei anderen Krankheiten (extremes Beispiel: wird ein fehlendes Bein diagnostiziert, ist aber vorhanden, ist das leichter als Fehldiagnose zu entlarven als ein "fehlendes" soziales Bewusstsein etc.)


Da psychische Störungen immer als Abweichung von einer Norm definiert werden, stellt sich die Frage: Wer bestimmt, was normal ist?


So galt beispielsweise Homosexualität lange Zeit als behandlungsbedürftige psychische Störung. (vgl. auch die "Behandlung" des Wissenschaftlers Alan Turing in den USA 1952)


Untersuchungen in den USA zeigten, dass Schizophrenie häufiger bei Angehörigen der Unterschicht, besonders bei Schwarzen, diagnostiziert wurde als z.B. bei Personen aus der weißen Mittelschicht, was den Verdacht einer Bestrafung schichtspezifischer Unangepasstheit durch Etikettierung mit dem Begriff krank, nahezulegen schien.


In der Sowjetunion wurde über viele Jahre bei politisch andersdenkenden Menschen die atypische Schizophrenie diagnostiziert. Diese Menschen wurden in geschlossene psychiatrische Anstalten interniert, so dass es offiziell zu dieser Zeit keine politischen Gefangenen gab. Auch andere Regime entledigten und entledigen sich unliebsamer Kritiker in psychiatrischen Anstalten.


Aktuell spielt die Debatte, wer eigentlich krank ist, bei der Definition des Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom(ADHS) eine große Rolle.


Aufgrund dieser Fragen und Erfahrungen wird in der Antipsychiatrie Wahn oder zumindest Schizophrenie nicht als Krankheit, sondern als Erfindung der Gesellschaft bzw. herrschender Kreise der Gesellschaft und insbesondere als Erfindung von Psychiatern angesehen, um Herrschaft und Einkommen zu sichern. Das Stigma "psychisch krank" wird als gewolltes Mittel zur Durchsetzung der herrschenden Interessen gesehen.


Die Ablehnung von sozial abweichendem bzw. gesellschaftlich unangepasstem Verhalten, dessen Bezeichnung als Krankheit, die darauf folgende ablehnende und ausstoßende Reaktion der Mitmenschen des sich anders Verhaltenden, seien das eigentliche Problem. Die Akzeptanz der Rolle des Kranken (Internalisierung, Krankheitseinsicht) durch den Betroffenen führen dann dazu, dass der Betroffene sich so verhält, wie es einem angeblich psychisch Kranken entspricht.


Es sei deshalb nicht notwendig, die ja gar nicht Erkrankten zu behandeln. Ein extremer Verfechter dieses Ansatzes ist Thomas Szasz.


Für die meisten der Betroffenen - die ja zum größeren Teil selbst unter ihren psychischen Störungen leiden - ist die Frage, ob es sich um eine "echte" Krankheit handelt oder nicht, manchmal völlig unerheblich. Jemand, der schwer depressiv ist, der möglicherweise sogar mit dem Gedanken spielt, sich das Leben zu nehmen, oder jemand, der wegen seiner Ängste (Phobie) das Haus nicht mehr verlassen kann, der wird diese Frage als rein akademisch ansehen - ihn betreffen vor allem die verschiedenen Behandlungsmethoden und die Hoffnung auf Erfolg.


Wirkungen der Antipsychiatrie

Die Kritik der antipsychiatrischen Bewegung weist auf die Gefahr des Missbrauchs von psychiatrischer Definitionsmacht hin, die ja wie oben beispielsweise gezeigt, nicht nur theoretisch vorhanden ist.


Zudem wird der Begriff der geistigen Gesundheit hinterfragt und es wird gefragt, welche Möglichkeiten eine Gesellschaft hat, mit so genanntem abweichendem Verhalten umzugehen, beziehungsweise sogar daraus zu lernen.


Die Antipsychiatrie wendet sich speziell gegen das Wegsperren von (den aus ihrer Sicht angeblich) psychisch Erkrankten in Irrenhäuser. Weglaufhäuser sollen in Analogie zu den Frauenhäusern den Betroffenen Obdach und Schutz geben. Teilweise unhaltbare Zustände und Behandlungsmethoden wurden und werden angeprangert. Dies gab unter anderem in Italien, Schweden und Österreich Anstöße für eine Psychatriereform, die zu einer teilweisen Auflösung der psychiatrischen Anstalten, beziehungsweise zu starker Verkürzung der Verweildauer und genauerer Kontrolle der so genannten Zwangseinweisungen und Zwangsanhaltungen (=Einweisung und Anhaltung gegen den Willen des oder der Betroffenen) führte.


Da die psychisch Erkrankten dann mitunter in der Obhut der Familie fallen, bedeutet das eine erhebliche Belastung für die Familien. Aus Italien sind in diesem Zusammenhang Misshandlungen berichtet worden. Auch im Mordfall Anna Lindh wollte der Täter zuvor eine stationäre Behandlung, diese wurde ihm jedoch aus Kapazitätgründen verweigert.


Varia

Eine Unterorganisation von Scientology, KVPM (Kommission für Menschenrechte in der Psychiatrie), englisch CCHR, bekämpft die Psychiatrie, die von Scientology als Erzfeind betrachtet wird und dient gleichzeitig als "Angel", mit der neue Mitglieder geworben werden sollen.


Siehe auch



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