Antideutsche sind eine neuere Strömung der antifaschistischen Linken, die sich auf den Marxismus beruft und im Zuge der politischen Umwälzungen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entstand. Anders als die klassische Linke nehmen Antideutsche im israelisch-palästinensischen Konflikt eine stark Israel-freundliche Haltung ein.
Hervorgegangen ist die antideutsche Bewegung aus der antirassistischen, antinationalistischen, anti-antisemitischen und anti-antizionistischen Kritik an der Traditionslinken.
Diese Position führt oft zu Konflikten mit der Mehrheit der orthodox-kommunistischen und autonomen Linken, deren antiimperialistische Grundeinstellung in erster Linie auf die amerikanische Hegemonie abzielt und die traditionell propalästinensisch ausgerichtet sind.
Insbesondere die antideutsche Taktik, bei den Demonstrationen israelische oder US-amerikanische Nationalflaggen mitzuführen, führte schon zu körperlichen Auseinandersetzungen innerhalb des Demonstrationszuges.
Antideutsche organisieren sich z.B. im Umfeld der Zeitschriften "Bahamas" und "Jungle World", sowie bei den Antideutschen KommunistInnen Berlin.
Positionen der Antideutschen
Die Antideutschen rücken weniger Klassenkampf und Arbeiterbewegung in den Vordergrund ihrer Programmatik, sondern betrachten das internationale System und dessen Entwicklungsdynamik aus dem Blickwinkel der marxistischen Geschichtsphilosophie und der Kritischen Theorie. Ihrer Analyse zufolge ist die europäische Aufklärung ein in weiten Teilen unvollendetes Projekt. Die Antideutschen gehen davon aus, dass ein Übergang zum Kommunismus nur mit und nicht gegen "die real existierenden Kräfte der Aufklärung" erfolgen kann. Konkret identifizieren sie die USA und deren Verbündeten im "Krieg gegen den Terror" als solche "Kräfte der Aufklärung". Sie lehnen den gegenwärtig von ihnen als Leitkultur innerhalb des Marxismus wahrgenommenen Antiimperialismus ab: Dieser habe nichts mit dem Werk Karl Marx' zu tun, er ähnele vielmehr dem Nationalsozialismus. Während der Antiimperialismus reklamiert, die Politik der USA sei interessengeleitet, gehen die Antideutschen davon aus, das sei nach Marx die normale Form jeder Politik. Der antiimperialistische Ruf nach einer uneigennützigen Politik spiegele den Punkt "Gemeinnutz geht vor Eigennutz" aus dem Parteiprogramm der NSDAP wider.
Die Antideutschen stellen sich auf den Standpunkt, dass der Marxismus durch seine Geschichtsphilosophie immer der schärfste politische Gegner der Theokratie gewesen sei und knüpfen an die Solidarität Karl Marx' mit dem amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln an. Auch der amerikanische Bürgerkrieg 1860-1865, in dessen Folge die Sklaverei in den USA abgeschafft wurde, sei zugleich interessengeleitet und fortschrittlich gewesen. Da sie das System der Nationalstaaten als eine historische Übergangsphase zwischen der Theokratie und dem Kommunismus betrachten, unterscheiden sie zwischen Nationen, die es gegen den Rückfall in die Theokratie verteidigen und anderen, die den Fortschritt in den Kommunismus aufhalten wollen. An vorderster Front der Systemauseinandersetzung zwischen Theokratie und Demokratie stehe Israel. Mit der Entscheidung zur Befreiung des Irak hätten auch die USA begonnen, ihre alte Politik der Unterstützung fortschrittsfeindlicher Diktaturen aufzugeben und die Theokratie als Hauptfeind zu erkennen. Deutschland betreibe hingegen eine anti-imperialistische Politik, die zunehmend interessegeleitet eine Politik der Regimeerhaltung in, von Antideutschen als antisemitisch wahrgenommenen, Diktaturen wie z.B. Saudi-Arabien und Iran verfolge.
Bahamas - "Wer die antideutsche Haltung konsequent zu Ende denkt, wird um eine Kritik so genannter linker Essentials, des Glaubens an durch strategisches Geschick politisierbare 'Widersprüche', der in dieser Vorstellung implizierten Subjektillusion etc. nicht herumkommen." (Editorial Nr. 18)
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