Der Begriff Antichrist (griechisch antí, »gegen«) entstammt der Bibel. Er kommt nur in zwei Briefen von Johannes vor: 1. Johannes 2,18. 22. 4,3 und 2. Johannes 1,7.
An der ersten angegebenen Stelle wird gesagt (nach der Lutherbibel): "Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, so sind nun schon viele Antichristen gekommen; daran erkennen wir, dass es die letzte Stunde ist."
Obschon hier der Begriff im Plural verwendet wird, interpretieren einige in der folgenden Weise:
Der Antichrist (auch Teufel, Satan, Beelzebub) ist in der Offenbarung des Johannes der Widersacher Gottes in Gestalt eines Drachens oder eines großen, fürchterlichen Tieres, auch als "die Hure Babylon" bezeichnet. - Häufig wird er mit Pferdefuß, als grässliches Ungeheuer oder als würgende Schlange dargestellt. - Am Ende aller Tage soll er nach biblischem Bericht kommen und die Menschen zum Abfall von Christus verführen, so dass die Abgefallenen sein Zeichen annehmen und ihn anbeten. Die Zahl des großen Tieres ist die 666.
Die Endzeit ist begleitet von Naturkatastrophen, Gewitter, Krieg, Hunger, verheerenden Krankheiten, massenhaftem Tod und von sittlicher Verrohung der Menschen. Am Ende steht das Jüngste Gericht mit dem Endkampf Christi gegen den Teufel und seine Anhänger, der Einkleidung der Märtyrer in weiße Gewänder und dem Gericht über die Lebenden und die Toten. Dabei werden die Seligen, die auf Erden barmherzige Werke vollbracht haben, in das Himmelreich eingelassen. Die Bösen dagegen, die Mörder, Räuber, Götzendiener und die Gewalttätigen, werden gerichtet, und sie erwartet die ewige Strafe in der Hölle; zusammen mit dem großen Tier brennen sie im Feuerpfuhl.
Viele Christen, Kleriker sowie Laien, zweifeln heutzutage die leibliche Existenz des Antichristen an und betonen, es sei das Böse als Idee gemeint (z. B. als Hass oder Rache, als Nationalsozialismus ...). In der Kirchengeschichte hat es immer wieder Zuweisungen des Antichrist-Typos an bestimmte Personen oder Gruppen gegeben, z. B. hat Martin Luther ausdrücklich den Papst als Antichristen bezeichnet.
Eine theologisch verantwortliche Deutung wird den Entscheidungscharakter des christlichen Glaubens herauszuheben haben: Wer sich durch seinen Unglauben oder seine sündige Tat bewußt und freiwillig gegen Christus stellt, wird damit zum Anti-Christen. Dies ist freilich kein Endzustand, solange der Mensch noch lebt und Bekehrung möglich ist. Dass es Personen bzw. Personengruppen gibt, die in besonderer Weise als Gegner des christlichen Glaubens auftreten und die in diesem Sinn als "Antichristen" zu werten sind, lässt sich schwer bestreiten. Fraglich bleibt, inwieweit solche Gegnerschaft bereits ein apokalyptisches Ausmaß annimmt. Systematische Christenverfolgungen gehen jedoch in diese Richtung.
Literatur
Der Antichrist, Reinhard Raffalt, Lins-Verlag Feldkirch 1990, A-6804 Feldkirch
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