Die Anonymen Alkoholiker (AA) - in der Schweiz auch AAA (Aktion Anonymer Alkoholiker) - sind eine internationale Gemeinschaft von Alkoholabhängigen (auch als "trockene Alkoholiker" bezeichnet), die sich in Selbsthilfegruppen treffen.
Ihr wichtigstes Anliegen ist die Ermutigung der Betroffenen und ihrer Angehörigen gegen ihre Sucht und die Folgen aktiv etwas zu unternehmen und sich nicht der Krankheit Alkoholismus hinzugeben. Für ehemalige Trinker, so genannte "trockene Alkoholiker", gibt es Motivationsprogramme, um abstinent zu bleiben.
Geschichte
Sommer 1935: Die Gemeinschaft wird in Akron, Ohio (USA) von "zwei hoffnungslosen Trinkern" (Zitat aus dem Buch Anonyme Alkoholiker) gegründet: dem New Yorker Börsenmakler William Griffith Wilson und dem in Akron ansässigen Arzt Dr. Robert Holbrook Smith. Beide hatten sich in der "Oxford-Gruppe" kennen gelernt.
1939: Die Gemeinschaft zählt etwa hundert Mitglieder. Veröffentlichung des Buchs "Anonyme Alkoholiker", geschrieben von Bill Wilson über seine Erfahrungen und die anderer Mitglieder (insbesondere der von Dr. Bob) in Umgang mit Alkohol. Das Buch wird in den USA auch als "Big Book" und in Deutschland als "Blaues Buch" (wegen der Farbe des Einbandes) bezeichnet.
1941: Es gibt ca. 2000 Mitglieder. In der "Saturday Evening Post" erscheint der erste Artikel über AA.
Anfang der 50er Jahre kommt mit den Alliierten die AAs nach Deutschland (München).
1950: Die "12 Traditionen" werden auf der ersten internationalen Konferenz in Cleveland bestätigt.
1953: AA sieht sich durch die Probleme anderer Hilfesuchender, die auch Schwierigkeiten mit anderen Drogen außer Alkohol haben, überfordert. Aus diesem Grund gründet sich "Narcotics Anonymous", die die 12 Schritte und 12 Traditionen von den Anonymen Alkoholikern übernehmen, jedoch allen offen stehen, die nach eigener Einschätzung von stimmungsverändernden Substanzen (Alkohol eingeschlossen) abhängig sind.
1955: Zweite Auflage von "Alcoholics Anonymous" mit einer Auflage von 1.150.000 Exemplaren. Es gibt ca. 6.000 Gruppen mit ca. 150.000 Mitgliedern. In allen Staaten der USA, allen Provinzen von Kanada sowie in 50 anderen Ländern gibt es so genannte Meetings. Auf der Versammlung zum 20. Jubiläum von AA wird die "General Service Conference" (Allgemeine Dienstkonferenz) ermächtigt, die Nachfolge der Gründer (Dr. Bob und Bill W.) anzutreten und im Namen der Anonymen Alkoholiker zu handeln.
Anfang der 60er Jahre wird das Buch "Anonyme Alkoholiker" von dem Pfarrer Heinz Kappes vom Englischen ins Deutsche übersetzt.
Anfang der 70er Jahre erscheint die dritte Auflage der deutschen Übersetzung (Auflage: 18.000). Diese Auflage enthält zum ersten Mal auch die Lebensgeschichten von AA-Mitgliedern.
Bedingt durch das Anonymitäts-Prinzip sind genaue Zahlen über die Mitglieder nur schwer zu ermitteln. Es gibt freiwillige Umfragen, an denen aber nicht alle Mitglieder teilnehmen. Anhand dieser Umfragen wird z.B. ein Frauenanteil von ca. 1/3 vermutet. Grundsätzlich stehen jedem - unabhängig von Geschlecht, Alter, Nationalität, Sprache, Glaubenszugehörigkeit oder Rasse - die Meetings offen. Es gibt bei Bedarf auch getrennte Frauen- und Männer-Meetings.
Die Mitglied sind anonym, das heißt sie müssen ihre Identität nicht preisgeben. Es gibt keine obligatorischen Mitgliedsbeiträge, da sich AA aus freiwilligen Spenden der Mitglieder finanziert. AA-Mitglieder, die sich als solche zu erkennen geben, müssen in der Öffentlichkeit ihre Anonymität wahren.
Jede Gruppe ist autonom, außer in Angelegenheiten, die AA als Ganzes betreffen. Die Gruppensprecher werden von den Gruppenmitgliedern gewählt und haben keine Entscheidungsbefugnisse. Ihre Aufgabe ist lediglich, den Willen der Gruppe nach außen zu vertreten. Fragen, welche über den organisatorischen Rahmen der Gruppenangelegenheiten hinausgehen, werden in so genannten Intergruppen koordiniert. Hier treffen sich die Sprecher bzw. Vertreter der Gruppen zwecks Diskussion und Austausch von Informationen. Solche Intergruppen bestehen auf Stadt-, Bezirks-, Staats-, nationaler und internationaler Ebene. Es wird immer versucht, Beschlüsse im Konsens zu fassen, und zwar durch einen umfangreichen "Konsensfindungsprozess". Nur in Ausnahmefällen werden Mehrheitsbeschlüsse gefasst. Daher können manche Konsensfindungsprozesse vom ersten Vorschlag bis zum endgültigen Beschluss mehrere Jahre dauern.
Da Alkoholismus bei AA als Familienkrankheit verstanden wird, bildeten sich recht schnell Gruppen für die Angehörigen (Al-Anon) und die Kinder (Alateen) von Alkoholikern. Diese Gruppen funktionieren nach demselben Prinzip wie AA, verwenden jedoch ein abgewandeltes 12-Schritte-Programm. Al-Anon wurde von den Ehefrauen der Gründer gegründet, noch bevor die erste Frau zu AA kam. Bei den Angehörigen von Alkoholikern
handelt es sich nicht immer zwingend um Co-Abhängige. Diese beiden Begriffe werden häufig falsch als Synonyme verwendet.
Verwandte Gruppen
Neben den AA gibt es andere Anonyme Gruppen (A-Gruppen), die eine von den AA entliehene und abgeänderte Form des 12-Schritte-Programms verwenden.
NiA - Nicotin Anonymous, Anonyme Zigaretten- und Rauchabhängige
OA - Overeaters Anonymous, Anonyme Ess-, Brech- und Magersüchtige
SLAA - Sex and Love Addicts Anonymous, Anonyme Sex- und Liebessüchtige
"Ist AA eine Sekte?"
Eine Frage, die oft gestellt wird. Dazu ist ein Blick auf die Begriffsdefinition von "Sekte" nötig. An Hand dieser kann man die Frage verneinen - aus folgenden Gründen:
1. Wird in AA keine bestimmte Weltanschauung "gepredigt" oder bevorzugt. Es sitzen Christen, Juden, Muslime, Humanisten, Hinduisten, Buddhisten und Atheisten in einem Meeting zusammen und keiner hat das Recht, dem anderen vorzuschreiben, an was er zu glauben habe. Es wird lediglich empfohlen, sich mit Spiritualität in irgendeiner Form auseinanderzusetzen, nämlich als Kraftquelle für das Nüchternbleiben.
2. Ein Merkmal von Sekten ist, dass sie in Opposition zu Andersgläubigen / Andersdenkenden stehen. Das ist bei AA nicht der Fall. Sie unterstützen sehr wohl auch andere in ihrem Bemühen, Alkoholikern zu helfen. Auch wenn sie dabei auf ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit achten, um nicht in Konflikte zu geraten, die sie von ihrer eigentlichen Aufgabe ablenken.
3. Das für Sekten typische hierarchische, autoritäre Denken ist den Gruppen von AA nicht anzutreffen. AA ist durchweg demokratisch organisiert. Kein Mitglied hat die Macht oder das Recht, einem anderem vorzuschreiben, was er wie zu tun habe. Durch das Anonymitäts-Prinzip sind die Mitglieder sowieso kaum zu "kontrollieren". Die "12-Schritte" sind lediglich als Empfehlung zu verstehen und nicht als "Gebote".
4. Häufig kommt auch der Vorwurf der Gehirnwäsche. Eine wichtige Methode der Gehirnwäsche ist die Isolation mit psychischer/m und physischer/m Druck/Gewallt. Da AA einzig nur ambulante Meetings hat und keine Vollzeitbetreuung und alle Mitglieder ausdrücklich anonym sind, kann weder eine Isolation erzwungen werden noch das Mitglied verfolgt werden.
Die Gründe für diese Vorwürfe sind wohl zum einen in kulturellen Missverständnissen zu suchen. AA ist in den USA entstanden und die dortige Kultur prägt auch das dortige AA. Bei AA in Deutschland ist es z.B. unüblich, die Dauer der eigenen Abstinenz heraus zu stellen, weil dies als eitel empfunden wird. In USA gibt es so genannte "Clean Time Countdowns", bei denen bestimmte Zeitintervalle ausgerufen werden und diejenigen aufstehen und beklatscht werden, die diese Zeit erreicht haben. Das soll in USA den Zusammenhalt und den Mut stärken. Dies kann aber auch als Gruppendruck oder eben auch als "Gehirnwäsche" empfunden werden.
Der andere Grund ist möglicherweise, dass selbst ernannte Helfer Profit aus dem AA-Prinzip schlagen und dubiose Therapien sich mit der Bezeichnung "Anonyme Alkoholiker" "adeln", sie als PR-Zugpferd missbrauchen und im Kielwasser von AA fahren könnten. Dazu heißt es aber in den 12 Traditionen: "Eine AA-Gruppe soll niemals irgendein außenstehendes Unternehmen unterstützen, finanzieren oder mit dem AA-Namen decken..." (6.Tradition) und "Unsere Beziehungen zur Öffentlichkeit stützen sich mehr auf Anziehung als auf Werbung. Deshalb sollten wir auch gegenüber Presse, Rundfunk, Film und Fernsehen stets unsere persönliche Anonymität wahren." (11. Tradition).
Es gibt eine Reihe von anderen Selbsthilfegruppen mit dem Schwerpunkt Alkoholismus mit anderen Ansätzen wie z.B. Blaukreuz, Guttempler-Orden, Kreuzbund.
Dieser Beitrag ist aus der XML-Version der deutschen WikiPedia® entwickelt worden und unterliegt inhaltlich den GNU FDL-Lizenzbestimmungen. Linkziele außerhalb der wikipedia-Inhalte unterliegen den Urheberrechten der jeweiligen Anbieter
( DirectDownloads ) Kalenderblätter druckfertig aufbereitet für Schmuckblätter zum Selbstdrucken im Word DOC6/RTF Format, je Euro 5 über Click&BuyJAN | FEB | MÄRZ APRIL | MAI | JUNI JULI | AUG | SEPT OKT | NOV | DEZ
Das Geschenk für jeden Anlass, nicht nur bei 'runden' Jubiläen Andere Einzeltage oder Zahlungsarten bitte HIER bestellen
Diese Web Site verdient ihr Geld durch Produktverkäufe (CD-ROM, downloads) und in erster Linie durch Anzeigen. Wenn Sie als Webmaster zuverlässige Partner suchen für Ihr eigenes Anzeigenschäft, dürfen Sie sich gerne auf unsere Empfehlungen stützen:
z.B.: GigaCash & ProfiWin