Als Animismus (von lat.Anima = Seele, Atem) bezeichnet man im allgemeinen ein schriftloses Religionssystem (auch Naturreligion), das davon ausgeht, personifizierte, übernatürliche Wesen (Geister oder Seelen) bewohnten natürliche Körper oder gewöhnliche Gegenstände und bestimmten deren Existenz.
Die Attribute der einzelnen Götter reichen von launisch über gewaltbereit bis hin zu demütig, duldsam, schöpfend und bewahrend.
Die obige Aufstellung macht auch diverse regionale Tendenzen zur Personifizierung der Naturgewalten deutlich, welche dahingehend motiviert ist die dahinterstehenden Kräfte als kommunikationsfähige Intelligenz zu sehen und mit ihr in Kontakt zu treten um deren Verhalten zu beeinflussen.
Viele Gottheiten werden in Verbindung mit Naturgewalten gebracht,wobei jedoch scharf zwischen eigenständigen, beseelten Naturgewalten und von Gottheiten nur mittelbar benutzten Naturgewalten unterschieden werden sollte. Beispiele für mittelbare Nutzung von Gewalten:
dem griechischen Gott Zeus wird zugeschrieben mit seinen Händen Blitze schleudern zu können
dem germanischen Gott Thor wird zugeschrieben mit seinem Hammer Mjölnir Blitze schleudern zu können
Weiterhin gibt es noch diverse göttliche Zwischen-Wesen (zum Beispiel im christlichen), die ebenso gewissen Naturkräften zugeordnet sind:
Engel werden typischerweise als Licht Gestalten des Himmels beschrieben
der Teufel oder Satan, der als gefallener Engel und Pendant zu Gott im Himmel nun als Feuer-Gott in den Tiefen der Erde, seiner Hölle haust und versucht die Seelen der Menschen zu ergaunern. (Das Teufels-Bild hat viele Wendungen erfahren, insbesondere in der Christianisierung der Germanen, wo der Germanen Himmel mit seiner typischen angenehmen Wärme zur verbrennenden Hölle umgedeutet wurde.) Höllen-Feuer werden typischerweise mit Vulkanen in Verbindung gebracht, historisch mit denen des Mittelmeer-Raumes aber auch derjenigen der nordischen Hemisphäre.
Dabei können diese mit zahlreichen Mächten ausgestatteten Übergötter durchaus als Herren und Befehlshaber der eigentlichen Naturgötter gesehen werden. Tritt die Tendenz zum Monotheismus auf, so werden die
Naturgewalten meist von Göttlichkeit freigestellt und nur noch als
Herrschafts-, Macht- und somit Wirkungs-Bereich der einen Gottheit gesehen.
Im Christentum der Neuzeit treten dafür Heilige als Gottesvertreter auf, die meist als Mittler für bestimmte Themenbereiche (von Medizin über
Haus-Götter bis hin zu Naturgewalten) von Bitt-Anliegen gegenüber dem
Gottes-Vater auftreten. Man kann die Heiligen somit als ähnlich geartetes,aber nicht wesensgleiches Konstrukt zur Themengebundenen Personifizierung von den zuvor über individueller, direkter Gottheiten verehrten Naturkräften sehen.
Animismus und die Weltreligionen
Zwischen animistischen Religionen und den "großen" Weltreligionen bestehen einige Parallelen:
Der Glaube an eine übernatürliche oder geistliche Kraft neben der physischen Welt
Die Existenz von Gebeten und Riten zur Kontaktaufnahme mit dieser
Hier wie dort existieren oft Priester, Schamanen oder Medizinmänner als Bindeglied zwischen Mensch und übernatürlichem (Geisterwelt, Götterwelt)
Oft verbinden sich animistische mit anderen religiösen Glaubenssystemen zu synkretistischen Religionen. Beispiel dafür ist Candomblé, die vorherrschende Religion in einigen Gebieten Brasiliens, oder der Santeria-Kult auf Kuba. Hier verschmelzen katholischeHeilige mit alten afrikanischen Göttern.
Animismus ist auch der Name einer Theorie der Religion des AnthropologenSir Edward Burnett Tylor in seinem Buch 1871, "Primitive Culture". Die meisten Religionswissenschaftler schätzen heute den Begriff "Animismus" als sinnvoll ein zur Beschreibung spezifischen Glaubenssystems, weisen aber Tylors Animismustheorien zurück.
Nach Tylor ist Animismus die früheste von Menschen entwickelte Form der Religion. Die Menschen hätten ihre frühesten Gesellschaftssysteme auf den Animismus gebaut, um zu erklären, warum die Dinge geschehen. Als Tylor dieses veröffentlichte, galt diese Theorie politisch radikal, weil sie beanspruchte, dass nicht-westliche Völker (nämlich nicht christliche Heiden) tatsächlich Religion haben. Jedoch seit dem Erscheinen der Primitive Culture, sind die Theorien Tylors von drei Seiten kritisiert worden.
Zum einen fragte man, ob der Glaube der verschiedenen Völkerstämme, die in den unterschiedlichen Teilen der Welt leben, tatsächlich auf den Nenner einer gemeinsamen Religion zusammengebracht werden könne.
Zweitens wurde gefragt, ob die grundlegende Funktion der Religion wirklich die "Erklärung" des Universums ist (Kritiker wie Marrett und Emile Durkheim wandten ein, religiöser Glaube habe vornehmlich eine emotionale und soziale, anstatt einer intellektuellen Dimensionen).
Schließlich sahen viele Tylors Theorien als ethnozentrisch an
Neuheiden beschreiben häufig ihr Glaubenssystem als animistisch. Ein Beispiel davon ist der Gedanke, eine Göttin oder ein Gott bestünden aus allem, was existiert.
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